In einem Labor in Stuttgart werden Tests zum Coronavirus durchgeführt.

Das Coronavirus breitet sich in Europa immer weiter aus. Auch in Deutschland. Sind wir ausreichend vorbereitet?

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Wie lange es dauert, bis sich das Virus in Deutschland flächendeckend verbreitet, kann Doktor Lothar Wieler nicht sagen. Der Leiter des Robert-Koch-Institutes schwört aber auf das deutsche Gesundheitssystem. "Momentan schätzen wir die Gefahr in Deutschland noch als gering ein, eben weil wir wenige Fälle haben. Aber das kann natürlich kommen. Wenn die Fälle zunehmen, erwarten wir von den Menschen, dass sie Massenveranstaltungen nicht mehr besuchen. Da werden die lokalen Gesundheitsämter entsprechende Warnungen herausgeben", so Wieler.

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Hessenweite Hotline zum Coronavirus

Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) hat eine Hotline für Ihre Fragen zum Coronavirus eingerichtet: 0800- 5554666 (erreichbar täglich von 8 bis 20 Uhr). Informationen des HMSI zum Thema finden Sie hier auch online.

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Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt sich optimistisch. Er sei "weiterhin fest davon überzeugt", dass Deutschland "bestmöglich vorbereitet" ist. Der Virologe Alexander Kekulé aus Halle ist da anderer Meinung. Er unterstellt Spahn, nicht früh genug reagiert zu haben. "Die Behörden stellen das Coronavirus immer noch harmloser als die Grippe dar. Die Sterblichkeitsrate beim Coronavirus liegt aber bei 0,5 bis 1,5 Prozent. Das Virus ist für denjenigen, der die Infektion bekommt, also zehnmal gefährlicher“, führt Kekulé aus.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

Für Ärzte sei es aber schwierig, zwischen Grippe und Corona zu unterscheiden. Auch das dürfe man nicht unterschätzen, so der Virologe. "Bei der Grippe wissen wir, dass in der Regel nur sehr alte oder sehr junge Menschen daran sterben. Beim Coronavirus ist das anders, da kann auch eine 35 Jahre alte Krankenschwester, wenn sie sich das holt, drei Wochen später tot sein." Man habe derzeit weder einen Impfstoff noch ein Medikament gegen Corona. "Und deshalb sehe ich nicht, warum man das bisher so auf die leichte Schulter genommen hat."

Das Robert-Koch-Institut ist genau wegen solcher Infektionskrankheiten eingerichtet worden. Unterstellt ist es dem Bundesministerium für Gesundheit – also Jens Spahn. Vielleicht sagt Institutsleiter Wieler deswegen auch: „Der Schlüssel zum Erfolg der Eindämmung dieses Virus ist, die Fälle schnell zu erkennen.“ In Bayern seien 241 Kontaktpersonen vorsorglich unter häusliche Quarantäne gestellt – mit Erfolg. Angesteckt haben sie sich nicht.

Durchaus unter Kontrolle zu bekommen

Das funktioniert aber nur, wenn die Patienten schnell erkannt werden. Wenn nicht, passiert, was wir gerade in Italien erleben. "Die Corona-Epidemie ist als Epidemie in Europa angekommen. Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann", warnt daher Gesundheitsminister Spahn.

Können ist aber nicht gleich müssen, weshalb Virologe Kekulé auch gar nicht so pessimistisch ist. "Wir müssen überall und vor allem in Süddeutschland damit rechnen, dass es in jedem Dorf einzelne Fälle von diesem Virus gegen kann. Wenn wir die schnell genug identifizieren, können wir das auf jeden Fall noch verhindern." Die Krankheit sei zwar hoch infektiös, aber mit "normalen gesundheitlichen Maßnahmen" durchaus unter Kontrolle zu bekommen.

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Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

Hier finden Sie Antworten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.02.2020, 15-18 Uhr

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