Ein Landwirt bringt Gülle aus.
Ein Landwirt bringt Gülle aus. Bild © picture-alliance/dpa

Die EU ist weit weg von uns? Stimmt nicht: Selbst in kleinsten hessischen Dörfern ist das Wirken Brüssels zu spüren. Etwa durch Subventionen für Landwirte. Was bekommen sie wofür und wieso kritisieren selbst die Bauern die Zuschüsse?

Familie Orth betreibt ihren Hof in Gedern Ober-Seemen am nordöstlichen Rand der Wetterau. Der Hof zählt zu den größeren in Hessen, 340 Hektar sind zu bewirtschaften und außerdem die Kühe im Stall und auf der Weide zu versorgen. Der Betrieb bezieht Agrarsubventionen, wie Tausende andere Bauernhöfe in Deutschland.

"Subventionen machen Großteil des Gewinns aus"

Er sei auf das Geld aus Brüssel angewiesen, erklärt Landwirt Jörg Orth: "Ein Teil des Gewinnes oder der Großteil des Gewinnes sind mittlerweile eigentlich diese Agrarsubventionen im Betrieb. Durch die schlechten Milchwirtschaftsjahre, die wir die letzten Jahre hatten, und auch die Dürrejahre - im Prinzip ist der Betrieb dadurch stabilisiert."

Jedes Jahr im Frühjahr bekommt Jörg Orth Post, bei der er angeben muss, wie viel Fläche er bewirtschaftet. Je mehr Fläche, desto mehr Geld gibt es aus dem Topf der Agrarsubventionen. Bis zu 300 Euro pro Hektar landen dann im Herbst auf dem Konto des Landwirts. Da kommen schnell Tausende von Euro für alle Flächen zusammen.

Unbeliebtes Mittel zum Zweck

Kritiker sehen das gar nicht gern: "Man bekommt das immer wieder zu hören - 'Ihr mit euren Subventionen! Wenn wir das hätten, ging's uns gut'", erzählt Jörg Orth. Doch wenn man die Arbeitszeit der Landwirte betrachte, merke man, dass "trotz der Ausgleichszahlungen das Einkommen nicht da ist. Und auch am Schwinden der Betriebe sieht man's eigentlich ganz deutlich: Wenn das so toll wäre, würden nicht die Betriebe nach und nach aufhören."

Die Subventionen seien auch bei den Landwirten nicht beliebt, erzählt Jörg Orth. Ihnen wäre es am liebsten, direkt auf den freien Markt zu gehen. Allerdings sorgen die hohen Auflagen, die es in Europa in der Landwirtschaft gibt, für höhere Preise. Produkte wie zum Beispiel die Milch vom Orth-Hof wären so zu teuer. Also sieht man die Subventionen als Mittel zum Zweck, um weiter bestehen zu können.

Umweltverbände kritisieren häufig, dass mit dem jetzigen System vor allem Großbetriebe gefördert würden. Das sieht auch der Bauernverband als Problem. Peter Vossfels, Geschäftsführer des hessischen Bauernverbands, setzt sich deshalb für eine andere Form der Verteilung ein: Die ersten Hektare sollten "besser berücksichtigt werden als die letzten Hektare", sagt Vossfels. Es solle jedoch nicht alles umverteilt werden: "Wir sollten sehen, dass wir die Landwirtschaft, die wir in Hessen haben, mit diesen Zahlungen unterstützen und krisenfest schaffen. Dann hätten wir ganz viel erreicht." Besonders der vergangene Sommer mit den Monaten ohne Regen und den damit verbundenen Ernteausfällen hat gezeigt, wie Krisenanfällig die Landwirtschaft bei uns ist und wie wichtig eine finanzielle Spritze da werden kann.

Sendung: hr-iNFO, 29.4.2019, 6:10 Uhr

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