Papst Franziskus

Nach seiner Wahl zum Pontifex hatten viele Menschen die Hoffnung, dass Papst Franziskus die Kirche modernisieren würde. Zum Beispiel zum Thema Homosexualität. Doch stimmt das?

Das erste Amtsjahr des Papstes prägt ein Zitat. Vor Journalisten sagte er im Flugzeug auf der Rückreise vom Weltjugendtag in Brasilien auf die Frage zu seiner Haltung gegenüber Homosexuellen: "Wenn jemand Gott mit gutem Willen sucht, wer bin ich, dass ich urteile?“ Diese Aussage wurde damals als Trendwende in der katholischen Lehre verstanden, als Öffnung und als Signal, Schwule und Lesben nicht zu diskriminieren.

Doch man muss noch einmal hinhören, denn die Aussage des Papstes ging damals weiter und ist durchaus auch kritisch: Die Neigung sei weniger problematisch für Franziskus, es sei eher die Arbeit von Lobbygruppen für Schwule, die er nicht gut findet. Hintergrund dazu ist unter anderem, dass es im Vatikan schwule Lobbygruppen geben soll.  

Katholische Kirche erkennt Homo-Ehen nicht an

2016 erscheint das Apostolische Schreiben "Amore Laetitia", ein Pamphlet zu Liebe und Familie.  Auch darin wird vom Pontifex betont, dass Schwule und Lesben nicht diskriminiert werden dürfen. Gleichzeitig steht aber auch drin: Die Ehe zwischen Mann und Frau dürfe nicht mit der Beziehung Homosexueller gleichgesetzt werden. Das heißt, die Kirche erkennt Homo-Ehen, wie es sie zum Beispiel in Deutschland gibt, nicht an.

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Und: schwule Männer sollten möglichst keine Kirchenämter bekleiden, vor allem sollten sie nicht zu Priestern geweiht werden, auch das unterstützt Franziskus in einem bereits 2005 erschienen Papier. Die Begründung: Homosexuelle seien "in schwerwiegender Weise daran gehindert, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen". Eine problematische Aussage, legt sie doch nahe, dass Schwule somit möglicherweise schneller zu Missbrauchstätern würden.

Franziskus zeigt sich gesprächsbereiter als seine Vorgänger

Und dann 2018 gab es noch eine umstrittene Aussage von Papst Franziskus. Wieder im Flugzeug hatte er vor Journalisten gesagt, er rate Eltern homosexueller Kinder, "eventuell psychiatrische Hilfe für den Nachwuchs zu suchen". Es hagelte Kritik, die Pressestelle des Vatikans versuchte, das Zitat geradezubiegen.  Homosexualität sei keine Krankheit, das habe der Papst nicht sagen wollen, hieß es im Nachhinein.

Festzuhalten ist: der Papst zeigt sich beim Thema Homosexualität gesprächsbereiter und offener als seine Vorgänger.  Zudem macht er sich dafür stark, Schwule und Lesben nicht zu diskriminieren. Damit bewegt er sich allerdings immer noch konform zur Leitlinie der katholischen Kirche, die Homosexualität als Sünde und als naturwidrig ansieht.

Sendung: hr-iNFO, 16.10.18, 06:10 Uhr

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