Eine OP-Maske liegt auf einem Schultisch in einem Klassenzimmer. ImHintergrund sind Schülerinnen und Schüler leicht verschwommen zu sehen.

Corona ist ein Innenraum-Problem: Das haben führende Aerosolforscher in einem offenen Brief an die Bundesregierung betont. Gerhard Scheuch aus Gemünden ist einer von ihnen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie man die Ansteckungsgefahr in Schulen und Unternehmen möglichst gering halten kann.

Wo mehrere Kinder über längere Zeit in einem Raum zusammen sind, steigt die Gefahr einer Corona-Infektion, wenn jemand das Virus schon hat – denn das wird durch Aerosole übertragen. Wie genau, erklärt Gerhard Scheuch, Biophysiker und ehemaliger Präsident der internationalen Aerosolmedizingesellschaft: "Aerosol ist einfach ein Gemisch aus Luft und Teilchen. Das wird in der Lunge gebildet. Das sind kleinste Tröpfchen, die beim Ausatmen in die Luft abgegeben werden. Und das ist dann auch schon der Übertragungsweg. Also wenn ich die Teilchen ausatme, die Viren enthalten, kann ein anderer die einatmen. Und damit verbreitet sich das Virus wieder beim Einatmen und vermehrt sich dort."

Kürzere Unterrichtszeiten

Dafür muss aber eine gewisse Menge an Viren vorhanden sein. Das sei in Außenbereichen so gut wie unmöglich, sagt Scheuch, weil sich die Aerosole direkt mit der Luft vermischen. In Innenräumen müsste man dagegen die Konzentration an Aerosolen geringhalten. Eine Möglichkeit wären kürzere Unterrichtszeiten: "Also dreimal 30 Minuten ist viel besser als einmal 90. Und zwar nicht nur viel besser, das ist neunmal besser. Weil die Infektion geht quadratisch mit der Zeit ein, wenn nicht gelüftet wird, also wenn man sich die ganze Zeit in dem Raum befindet."

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Schülerinnen sitzen auf dem Hof einer Schule (dpa)
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Wenn das nicht geht, hilft nur: Lüften, Lüften, Lüften. Das macht auch die Martin-Luther-Schule in Marburg, erklärt Schulleiterin Veyrola Biedebach: "Seit der Schulöffnung im letzten Jahr lüften wir regelmäßig, im Schnitt alle 20 Minuten. Lehrer und Schüler achten schon gemeinsam drauf, dass die Lüftungspausen eingehalten werden." CO2-Messgeräte haben ergeben, dass die Konzentration nach rund 20 Minuten so hoch ist, dass die Luft ausgetauscht werden muss.

Luftfilteranlagen und größere Räume

Auch mit Lüften gilt im Klassenraum und auf den Gängen selbstverständlich Maskenpflicht. Eine Luftfilteranlage hat das städtische Gymnasium nicht bekommen. Die können zusätzlich helfen, dass die Luft im Raum besser zirkuliert und ausgetauscht wird. Auch größere Räume wie zum Beispiel Sporthallen oder eine Aula eignen sich gut für den Unterricht, denn auch da verteilt sich die Luft besser, erklärt Aerosolforscher Gerhart Scheuch.

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Kinder sitzen auf einer Wiese vor einem Flüchtlingsheim. (dpa)
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Die Mosaikschule in Marburg handhabt es nochmal anders. In der Förderschule sind ohnehin nur um die neun Schüler in einer Klasse. Andreas Stey erklärt, wie der Unterricht bei ihm in den letzten Monaten ablief: "Zwei Schüler sind im Präsenzunterricht und die übrigen sieben sind im Distanzunterricht zu Hause. Mit den zwei Schülern funktioniert das prima. Während der Arbeitsphasen sitzt der eine im Flur und hat da einen Einzelarbeitsplatz, und der andere sitzt im benachbarten Werkraum alleine und kann da arbeiten." So müssen die Schüler noch nicht mal eine Maske tragen, wenn sie am Platz sitzen. Andreas Stey hält die Gefahr einer Ansteckung in seinem Unterricht deshalb auch für sehr gering. Sollten im Sommer wieder mehr Schüler in die Schule kommen dürfen, müsse man das Hygienekonzept nochmal anpassen.

Draußen so gut wie keine Ansteckungsgefahr

Für Veyrola Biedenbach ist auch Außenunterricht denkbar: "Das gab es ja vor Corona auch schon, dass Lehrkräfte mit ihren Lerngruppen nach draußen gegangen sind. Da muss man einfach schauen, was gibt der Platz her, was ist möglich. Und da haben die Kolleginnen und Kollegen natürlich die Möglichkeit, mit den Schülern nach draußen zu gehen." Denn da ist die Ansteckungsgefahr so gut wie gar nicht mehr gegeben, sind sich die Aerosolforscher einig.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 19.4.2021, 6 bis 9 Uhr

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