Passagiere warten mit viel Gepäck an einem Schalter im Hamburger Flughafen.

Die Urlaubsplanung wird auch in diesem Jahr wieder schwierig. hr-iNFO erklärt, auf was man in der Corona-Ungewissheit achten muss und was die Chefin von einem verlangen kann.

Wann soll ich nur Urlaub nehmen, wenn ich gar nicht weiß, wann ich wieder verreisen kann? Diese Frage stellen sich gerade viele Arbeitnehmer. Doch seinen ganzen Urlaub einfach aufsparen und abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, das ist nicht möglich. Wenn Arbeitnehmer keinen Urlaub einreichen, kann der Arbeitgeber den Urlaubsplan selbst festlegen.

Drei Fünftel kann der Arbeitgeber bestimmen

"Er kann zum Beispiel zu kinderlosen Beschäftigten, die nicht auf Ferien angewiesen sind, sagen: Du machst deinen Urlaub dann und dann und Leute mit Kindern machen es in den Ferien", erklärt Peter Wedde, Professor für Arbeitsrecht an der Frankfurt University of Applied Sciences. "Dann kann man zwar immer noch sagen, dass es einem das nicht passt, das ist dann ein Aushandlungsprozess. Aber der Arbeitgeber kann eine Festlegung machen, um eine Planung zu bekommen, gerade in Corona-Zeiten."

Doch der Arbeitgeber darf nicht die gesamte Urlaubszeit verplanen, sondern nur bis zu drei Fünftel. Bei 24 Tagen Urlaub bleiben einem dann also noch etwa 10 Tage übrig, die man sich selbst einteilen kann. Den Resturlaub von letztem Jahr müssen Arbeitnehmer in der Regel bis Ende März nehmen, sonst verfällt er.

Bei Kurzarbeit ist es komplizierter

Komplizierter wird es, wenn man in Kurzarbeit ist und auch gar nicht genau weiß, wie lange diese Phase noch dauert: Denn wer weniger arbeitet, hat auch weniger Urlaubstage. Hier lohnt sich laut Experte Wedde eine frühzeitige Urlaubsplanung. "Wenn man den Urlaub jetzt schon festgelegt und genehmigt hat, dann kann man ihn auf jeden Fall nehmen. Dann kann der Arbeitnehmer ihn nicht wieder wegnehmen oder kürzen. Nur der Urlaub, der noch nicht beantragt ist, steht zur Disposition."

Wer mit seiner Urlaubsplanung auch eine Urlaubsbuchung verbinden will, der muss vorsichtig sein. Denn niemand kann vorhersagen, ob die Reise so stattfinden wird oder nicht. Im Ernstfall können Urlauber die Reise stornieren, das ist aber oft mit Kosten verbunden - und auch mit Aufwand und Ärger. Die andere Möglichkeit, von einer Reise zurückzutreten, sind Reisemängel, weil sie nicht so durchgeführt werden kann wie vom Veranstalter angeboten. Doch auch das kann in Corona-Zeiten kompliziert sein.

Experte rät noch von Buchungen ab

"Reiserecht ist immer Einzelfallrecht. Und da wird aufs Äußerste gestritten, ob behördliche Maßnahmen überhaupt Reisemängel sind", sagt Reiserechtsexperte Kai Motzkus. "Zum Beispiel wenn Strände geschlossen sind oder ich Essen nicht in Buffetform serviert bekomme. Darauf muss der Reisende sich jetzt einstellen und ich bin der Auffassung, dass ich das nicht als Reisemangel geltend machen kann oder auch nicht den Preis mindern kann."

Die Reiseveranstalter haben auf die Risiken bei der Buchung reagiert und bieten jetzt immer häufiger sogenannte Flex-Tarife an: Kunden zahlen etwas mehr, können dafür aber kurz vor der Reise noch stornieren oder umbuchen, ohne weitere Kosten. Motzkus rät trotzdem davon ab, schon jetzt seinen Sommerurlaub zu buchen. Er empfiehlt noch abzuwarten, um Kosten und Ärger zu vermeiden, falls die Reise ausfällt.

Sendung: hr-iNFO, 03.02.2021, 6-9 Uhr

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