Auf einer Klimaschutz-Demo hält ein Junge ein Plakat hoch: "Klima retten - Priorität Nr. 1"
Schon seit Wochen demonstieren Schüler immer freitags für mehr Klimaschutz. Bild © picture-alliance/dpa

Unter dem Titel 'Fridays for Future' demonstrieren Jugendliche in ganz Europa seit Monaten. Für die Demos lassen sie den Unterricht sausen. Was sagen die Schulen dazu?

Für den hessischen Kultusminister Alexander Lorz, ist klar: Die Schulpflicht steht über dem Demonstrationsrecht. Deswegen ist er dagegen, dass Schüler während der Schulzeit demonstrieren, und betont das auch immer wieder. Schließlich hätten die Schüler auch in ihrer Freizeit die Möglichkeit zu demonstrieren. "Wenn man sich punktuell einmal so ne Aktion heraussucht, weil das natürlich noch mehr Aufmerksamkeit bringt, wenn man einmal die Schule schwänzt oder streikt, habe ich dafür auch noch Verständnis", sagte er vor einigen Wochen.

Man könne das sogar als Anlass nehmen, das Thema pädagogisch in den Unterricht zu integrieren. "Was wir nicht akzeptieren können, ist, dass daraus so eine Art Gewohnheitsrecht wird, so nach dem Motto: Der Freitag wird jetzt als Schultag abgeschafft und stattdessen zum allgemeinen Demonstrationstag erklärt. Das geht auf Dauer sicherlich nicht."

Ein begründeter Ausnahmefall

Diese Woche haben die Schulämter ein Schreiben versendet, das die Teilnahme an den Demonstrationen als unentschuldigtes Fehlen wertet. Für die Schüler geht es um Fehlstunden, die auf den Zeugnissen auftauchen werden. Die Schulleitungen selbst stehen vor einem Dilemma. Denn einerseits finden sie es gut, dass sich die Schüler engagieren. Regelmäßiges Fehlen und das auch noch unentschuldigt, geht aber nicht.

Jede Schulleitung hat ihren eigenen Weg, mit den Klimaprotesten umzugehen. Besonders hervor sticht Frank Reuber, der Schulleiter der Gießener Ostschule. Er hat einen Weg gefunden, mit der Vorgabe der Ämter umzugehen und seinen Schülern zumindest bei den Protesten in dieser Woche entgegen zu kommen. Er hat einen Brief an alle Eltern geschrieben und den Schülern eine einmalige Beurlaubung versprochen, sofern die Eltern denn zustimmen.

"Ich habe deutlich gemacht, dass wir als Umweltschule einen begründeten Ausnahmefall sehen, wenn es hier an der Stelle um eine einmalige, weltweite Klimaschutzdemonstration geht", so Reuber. Die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer würden die Schüler entsprechend beurlauben. "Die Schülerinnen und Schüler müssen nicht unentschuldigt fehlen, sie müssen auch nicht vorgeben, sie seien krank oder ähnliches.“

Einen Mehrwert aus dem Engagement ziehen

So offen und liberal wie Frank Reuber gehen nur wenige Schulleiter in Hessen mit den Freitagsdemonstrationen um. Nur wenige sagen überhaupt öffentlich etwas zu dem Thema. Einige stellen klar, dass sie mit Entschuldigung der Eltern den Schülern nicht im Weg stehen werden. Thomas Wolf reicht das nicht. Er ist der Schulleiter des Franziskanergymnasiums Kreuzburg in Großkrotzenburg und ist offen für eine Diskussion um die Klimaproteste.

Er fordert aber, dass seine Schüler einen Mehrwert aus ihrem Engagement ziehen. "Wir müssen überlegen, wie wir als Schule darauf reagieren", sagt Wolf, "vielleicht kann dann am Ende auch stehen, dass wir als komplette Schule uns einer solchen Demonstration anschließen und Präsenz zeigen." Die Schule habe die Verantwortung, die Schhüler zu begleiten und in die Diskussion zu gehen. "Und nicht einfach nur die Frage zu beantworten: Dürfen wir jetzt freitags demonstrieren oder müssen wir in die Schule gehen?“

Das Franziskanergymnasium zeigt, dass die Schulen sich noch eine Weile mit den Freitagsdemonstrationen beschäftigen werden. Denn die Schüler signalisieren, dass sie vorerst weiter demonstrieren wollen. Solange, bis sich politisch etwas für den Klimaschutz tut.

Sendung: hr-iNFO, 15.3.2019, 06:10 Uhr

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