Die deutsche und die türkische Fahne hängen in einem türkischen Café.

Der Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien bewegt auch die Kurden und Türken in Deutschland. Einige Experten befürchten, dass türkische und kurdische Demonstranten auch in Deutschland massiv aufeinanderprallen. So wie in den 90er Jahren.

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Um den türkisch kurdischen Konflikt einzuordnen, sollte man einen Blick zurück wagen. Das Gebiet, in dem Kurden bis heute wohnen, erstreckt sich über Teile der Türkei, Syriens, Irans, Iraks und Armeniens. Der seit gut 500 Jahren angestrebte Staat "Kurdistan" wurde nie erreicht. Im Gegenteil: In der Türkei wurden den Kurden vom Regierungschef Mustafa Kemal Atatürk bereits 1923 die Rechte als ethnische Minderheit abgesprochen. Seitdem schwelt der Konflikt, der sich seit 1984 mit Beginn des bewaffneten Kampfes der PKK auch auf Deutschland ausweitete.

Im März 1994 zum Beispiel wurde die Autobahn A 5 in der Nähe von Frankfurt  besetzt. "Unter Zuhilfenahme der Bereitschaftspolizei haben wir die Störer umstellt. Einige drohten, sich anzustecken – und taten das auch. Die wurden von uns mithilfe der Feuerwehr dann gelöscht", sagte damals Dieter Pagenkopf von der Autobahnpolizei Darmstadt.

"Das Hereintragen von Konflikten nicht gefallen lassen"

Eine der Ursachen für den Protest war ein kurdischer Trauerzug vom 2. März, der verboten und danach von der deutschen Polizei aufgelöst wurde. Weitere Kurdendemonstrationen in Deutschland folgten. Die Hauptauseinandersetzungen dauerten bis Februar 1999. Sie eskalierten jedoch auch in Deutschland nachdem der PKK-Chef Abdullah Öcalan in Kenia vom türkischen Geheimdienst verhaftet wurde.

"Wir machen einen schweren Fehler wenn wir in diesen Stunden nicht zeigen, dass wir uns das Hereintragen von ausländischen Konflikten in unser Land mit den Mitteln unseres Staates nicht gefallen lassen", sagte Hessens damaliger CDU-Chef Roland Koch.

"Wir sind kein Volk des Hasses"

In Deutschland leben gut drei Millionen Türken. Gut eine Million Kurden sollen es sein. Noch 2008 beschwor der türkische Präsident Erdogan in der Kölnarena Frieden zwischen Türken und Kurden. "Der Türke bringt überall, wo er hingeht, Frieden, Nächstenliebe und Freundschaft. Wir sind kein Volk des Hasses", so Erdogan.

Doch dann kam der Konflikt in Syrien. Und die türkische Regierung sah sich veranlasst, Luftangriffe gegen Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu fliegen. "Unter dem Vorwand, die Isis zu bekämpfen, den islamistischen Terrorismus in Syrien und im Irak, macht die Türkei eigentlich einen Feldzug gegen die Kurden", sagte der Grüne Cem Özdemir 2015.

Kurden gehen wieder auf die Straße

In Deutschland gab es neue kurdische Großdemonstrationen. Die seit 9. Oktober laufende türkische Militäroffensive gegen Kurden in Syrien mit dem Namen "Operation Friedensquelle" sorgt gerade in Deutschland für ein weiteres Aufflammen des kurdisch-türkischen Konflikts.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.10.2019, 15-18 Uhr

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