Kanzlerin Merkels Schatten auf einer CDU-Wand

Junge für Spahn, Mittelständler für Merz, Frauen für Annegret Kramp-Karrenbauer - wie stehen die unterschiedlichen Partei-Vereinigungen der CDU zu den Kandidaten, und wie wichtig sind diese Vereinigungen überhaupt?

Man könnte es den sieben offiziellen Vereinigungen der CDU nicht verdenken, wenn sie ein bisschen frustriert wären. Denn großen Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung der Partei hatten sie in den letzten Jahren nicht. Jetzt aber, in der Merkel-Nachfolge-Debatte, wollen sie ein gehöriges Wörtchen mitreden – bei der Ausgestaltung des Bewerbungs-Verfahrens und bei der Wahl. Unter anderem sollen sich die Kandidaten nicht nur auf Regionalkonferenzen vorstellen, sondern am besten auch bei den Vereinigungen selbst. Wie viel Macht haben die einzelnen Gruppen und wie stehen sie zu den Kandidaten?

Junge Union und Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung

Sie gelten als die einflussreichsten CDU-Gruppierungen. Ihre Spitzen haben sich noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt. Jens Spahn wird sicher auf viele Stimmen aus diesem Lager hoffen, denn auf JU-Chef Paul Ziemiak oder Mittelstands-Chef Carsten Linnemann konnte er sich bisher eigentlich immer verlassen. Allerdings genießt in diesen beiden Gruppen auch Friedrich Merz hohes Ansehen – Einzelstimmen haben sich schon für ihn ausgesprochen.

Frauen-Union und Senioren-Union

Mitgliederstark sind sie beide, aber nicht unbedingt so mächtig beziehungsweise so machtbewusst wie Nachwuchs-Unionisten oder Wirtschaftsflügel. Die Frauen-Union ist die einzige, die sich schon klar positioniert hat: Nicht wirklich überraschend spricht sie sich für Annegret Kramp-Karrenbauer aus, die einzige Frau im Rennen. Auch die Senioren-Union favorisiert laut Medienberichten Kramp-Karrenbauer, denn die Partei brauche Ruhe und gute Zusammenarbeit mit Kanzlerin Angela Merkel.

Die drei weiteren offiziellen Gruppen

Wo Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft, Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung sowie Kommunalpolitische Vereinigung stehen, ist schwierig vorherzusagen. Was man sicher sagen kann: Echte Machtfaktoren sind sie nicht.

Was die Lage noch unübersichtlicher macht: Zu den offiziellen Vereinigungen der CDU kommen noch diverse Sondergruppen, die mitmischen wollen. Die Werte-Union und der Berliner Kreis etwa, beide erzkonservativ, oder der CDU-Wirtschaftsrat. Von allen dreien kommt viel Unterstützung für Friedrich Merz. Es kann viel gemutmaßt und herumgerechnet werden, aber letztlich wählen auf dem Parteitag nicht die Vereinigungen, sondern 1.001 einzelne Delegierte, die schwer auszurechnen sind. Zumal ja neben Vereinigungs-Interessen auch Landesverbands-Interessen ins Spiel kommen. Annegret Kramp-Karrenbauer zum Beispiel bekam aus ihrer Heimat, dem Saarland, schon Rückendeckung unter anderem von Junger Union, Frauen-Union, CDA und Mittelstandsvereinigung.

Sendung: hr-iNFO, 01.11.2018, 12:45 Uhr

Jetzt im Programm