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Schon jetzt ist über die Hälfte aller Unternehmen in Hessen von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. Was bedeutet das für Firmen und Mitarbeiter konkret?

Messebauer Randolph Maurer weiß nicht, wie ihm und seinen rund 30 Beschäftigten geschieht: "Für uns als Unternehmen haben wir aktuell einen Umsatz-, einen Auftragsverlust von 100 Prozent. Wir stehen im Prinzip gerade komplett auf Null."

In den letzten Tagen sind seinem Unternehmen imb Troschke in Mörfelden Walldorf bei Frankfurt zwölf Messen weggebrochen – in Deutschland, China, Südkorea und Italien. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass allein in dieser Branche bundesweit bislang ein Schaden in Höhe von fast 900 Millionen Euro entstanden ist. "So etwas gab es noch nicht in den letzten Jahrzehnten", sagt Maurer.

Erste Entlassungen und Kurzarbeit

Erste Betriebe haben schon Mitarbeiter entlassen oder Kurzarbeit angemeldet. Aber auch Caterer, Hotels und Restaurants sind betroffen. Der Hotel- und Gaststättenverband geht davon aus, dass drei Viertel der Branche unter den Auswirkungen des Coronavirus leidet – auch, weil weltweit Geschäftsreisen gestoppt und viele Urlaubsreisen abgesagt wurden.

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Wenige Menschen in einer Flughafenhalle
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Das ist auch bei Airways Travel in Frankfurt zu spüren. Das Reisebüro hat sich auf Reisen nach Asien spezialisiert. Neue Reisen werden eigentlich gar nicht mehr gebucht - egal ob nach China, Indien, Singapur oder Indonesien, sagt Anil Kumar. "Die meisten Kunden stornieren ihre Reisen, die sie für April, Mai gebucht haben, und wir müssen das erstatten." Wie es mit seinem Reisebüro und den sechs Mitarbeitern weitergeht, kann er im Moment nicht absehenen: "Wenn kein Umsatz da ist, kann ich kein Geld bezahlen. Und dann müssen wir die Leute vielleicht reduzieren. Das wird wehtun."

Schwere Zeiten für Fluggesellschaften

Ähnlich hart trifft es derzeit die Fluggesellschaften – Lufthansa Chef Carsten Spohr hat die Mitarbeiter in einer internen Video-Botschaft auf schwere Zeiten eingestimmt: "Die Situation hat sich für die gesamte Luftfahrtindustrie dramatisch verschlechtert, wir werden bis zu 50 Prozent unserer Flüge streichen." Es sei denn noch wichtig, alle Mitarbeiter auch in dieser Krise zu halten. "Deshalb verhandeln wir mit Arbeitnehmervertretern weltweit, um Entlassungen zu verhindern", so Spohr.

Heißt: Die Lufthansa könnte beispielsweise Flugbegleiter, Piloten und Bodenpersonal auf Kurzarbeit setzen. Allein für März und April hat der Konzern über 30.000 Flüge gestrichen – und es könnten noch mehr werden.

"Angst ist der größte Feind der Menschheit"

Mittlerweile kommt die Krise auch in der Industrie an: Immer mehr Unternehmen haben Probleme bei der Produktion, entweder weil Teile aus China nicht geliefert werden oder weil Kunden weniger kaufen. Viele Unternehmen prüfen zur Zeit, ob sie zum Beispiel Kurzarbeit anmelden. In der Folge könnte es auch Banken treffen, wenn beispielsweise Unternehmen zunehmend Kredite nicht mehr bezahlen können.

Anil Kumar vom Frankfurter Reisebüro Airways Travel kann sich an nichts Vergleichbares erinnern: "Wir haben viele Krisen überlebt, aber die globale Krise war noch nie so groß wie jetzt. Angst ist halt der größte Feind der Menschheit."

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.3.2020, 12 bis 15 Uhr

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