Die Bankentürme der Frankfurter Skyline
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Geld von Kunden nehmen und in Form von Krediten weitergeben: Das Geschäftsmodell von Banken funktioniert in Zeiten niedriger Zinsen immer weniger. Eine Befragung der Bankenbranche zeigt, was sie tun können.

Kredite könnten für viele Bankkunden in Deutschland bald teurer werden. Das zeigt eine aktuelle Studie der Beratungsfirma EY, auch besser bekannt unter ihrem früheren Namen Ernst & Young. Für diese Studie hat sie rund 120 Banken befragt, etwa Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Ein Drittel der Teilnehmer geht davon aus, dass die Konditionen etwa für Ratenkredite in diesem Jahr verschärft werden. Bei Immobilienkrediten hält das sogar fast jede zweite Bank für wahrscheinlich. Müssen sich Häuslebauer und Wohnungskäufer also Sorgen machen? Wenn es nach Claus-Peter Wagner geht, erst einmal nicht. Er ist bei EY Finanzmarktexperte und sagt: "Auch wenn die Banken vorhaben, die Zinsen zu erhöhen. Heute und schnell sehe ich ein Drehen an der Zinsschraube nicht unmittelbar auf uns zukommen."

Wagner ist überzeugt, dass die Banken dabei sehr behutsam vorgehen werden – schließlich wollen sie ihre Kunden nicht vergraulen und an die Konkurrenz verlieren. Der Bankenmarkt ist immer noch hart umkämpft. Das müsste sich auch für deutsche Sparer auszahlen, meint Dirk Müller-Tronnier bei EY Bankenspezialist: "Das müsste weiterhin gut sein für die Kunden, weil die Gebühren nicht ins Unendliche steigen können, wenn ich immer noch die Wahl habe zwischen einer Volksbank, einer Sparkasse einer Privatbank, einer Auslandsbank."

Bei Digitalisierung weniger Mitarbeiter

Zwar plant, laut Studie, fast jede sechste befragte Bank auch in diesem Jahr die Gebühren für die Sparer zu erhöhen oder hat dies bereits in die Tat umgesetzt, vor allem fürs Girokonto. Aber im Jahr zuvor waren es noch fast doppelt so viele Kreditinstitute. Die Welle der Gebührenerhöhungen scheint damit abzuebben.

So bleibt es für die Banken letztendlich schwierig angesichts des harten Wettbewerbs bei ihren Kunden mehr Geld einzunehmen. Deshalb versuchen viele auf der anderen Seite zumindest ihre Kosten zu senken. Zum Beispiel automatisieren und digitalisieren sie Prozesse. Doch auch das ist offenbar alles andere als einfach. Schließlich müssen die Banken dafür erst einmal Geld in die Hand nehmen auch, um neue, innovative Produkte zu entwickeln.

Das beschäftigt derzeit eigentlich alle Banken, meint Finanzmarktexperte Claus-Peter Wagner: "Jetzt steht im Vordergrund, wie stelle ich mich als Bank jeder Größe, darauf ein, dass es ein Rennen um Platz eins in Hinblick auf die Digitalisierung, neue Bankprodukte, die auch auf mobilen Endgeräten angeboten werden, gibt." Wer zunehmend digitalisiert, braucht tendenziell weniger Mitarbeiter. Deswegen haben viele Banken in den letzten Jahren massiv Stellen gestrichen.

Doch nun scheint ein Ende des Sparkurses in Sicht. Noch etwa ein Zehntel der befragten Banken will in diesem Jahr Personal abbauen. In den Jahren davor waren es deutlich mehr. Mitunter würden sogar Mitarbeiter gesucht erklärt Wagner: "Das ist sicher etwas, das Hoffnung macht, dass gerade dadurch, dass sich Banken aus London wegen des Brexits unter anderem nach Frankfurt bewegen, dass es hier erneuten Personalbedarf in bestimmten Sparten gibt." Für die Banken könnte das wiederum bedeuten: Um talentierte Mitarbeiter müssen sie in Zukunft vielleicht sogar kämpfen.

Sendung: hr-iNFO, 21.6.2018, 12.30 Uhr

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