Donald Trump bei einer Rede im Economic Club of New York.

US-Präsident Donald Trump will am Donnerstag über Zölle für Auto und Autoteile aus der EU entscheiden. hr-iNFO erklärt, welche Zölle bislang schon erhoben werden – und wie sie hessische Unternehmen treffen.

Das letzte Strafzoll-Paket haben die USA im Oktober gegen die EU verhängt. 7,5 Milliarden Dollar schwer. Darunter: Konsumgüter wie Parmesankäse aus Italien, Olivenöl aus Spanien sowie Butter aus Irland. Auch Wein aus Frankreich und Deutschland ist betroffen. Das ist ein Problem für die hessischen Winzer – denn Amerika ist ein wichtiger Markt.

"Natürlich: Ein Strafzoll der mit 25 Prozent beim Importeur beginnt, endet irgendwann mal beim Kunden mit mindestens 50 Prozent. Ich schätze mal, ein Wein, der vorher in einem Regel für 30 Dollar gestanden hat, steht dann jetzt für 40 Dollar im Regal", sagt der Rüdesheimer Winzer Johannes Leitz. Und das ist schlecht fürs Geschäft. Die Konkurrenz und der Preiskampf sind groß.

Das Geschäftsklima leidet

Die neuesten Strafzölle gegen die EU haben auch Flugzeuge und Flugzeugteile aus Europa ins Visier genommen. Zehn Prozent beträgt die zusätzliche Abgabe. Das betrifft auch Maschinenbauprodukte am Rande, sagt Außenwirtschaftsexperte Ullrich Ackermann vom in Frankfurt ansässigen Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das Geschäftsklima leidet.

"Die Stimmung in der Branche ist generell etwas eingetrübt, weil weltweit Verunsicherung in den Märkten besteht", sagt der Fachmann. Das hänge unter anderem an den Handelskonflikten, aber auch daran, dass sich teilweise Länder immer mehr abschotten würden. Die Lage halte mindestens seit letztem Jahr an.

Drei Reaktionsmöglichkeiten

Los ging der Handels-Ärger für Deutschland (und damit auch für Hessen) mit Zöllen auf Stahl (25 Prozent) und Aluminium (10 Prozent). Die EU konterte mit Gegenzöllen in Höhe von 10 bis 50 Prozent. Darunter auch US-Produkte mit Symbolcharakter: "Das waren vor allem Erdnussbutter, Orangensaftkonzentrat, Whiskey. Aber auch Jeans oder die Harley Davidson, also Motorräder", so Murat Özdemir, Zollexperte bei der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels.

Doch wie reagiert der Handel, wenn Konsumgüter durch Zölle teurer werden? Özdemir zeichnet drei Szenarien. Möglichkeit Nummer eins: Entweder sie streichen kleinere Gewinne oder fahren erst einmal Verluste ein, um die Kunden kurzfristig nicht zu verprellen. Möglichkeit Nummer zwei: Die Zusatzkosten werden an die Verbraucher weitergegeben. Möglichkeit Nummer drei: Man sucht sich alternative Absatzmärke.

Milliaden-Exporte aus Hessen

Die Zölle drücken auf die Stimmung in der Handelsbranche. Es herrscht Unsicherheit, wie sich die Preise in Zukunft entwickeln werden. Diese Unsicherheit hat auch die Automobilbranche erfasst, denen Sonderzölle in Höhe von 25 Prozent drohen. "Wenn der Automobilexport, der im letzten Jahr ungefähr 27 Milliarden Euro betragen hat, nun eingeschränkt wird, dann macht das natürlich sofort auch etwas mit Maschinen in Deutschland", erklärt Ackermann vom VDMA. "Es werden dort weniger Maschinen nachgefragt werden. Und das dürfte uns dann schon treffen." Auch und vor allem in Hessen.

2018 exportierte Hessen Waren im Wert von rund 7,7 Milliarden Euro in die USA. Etwa zehn Prozent davon entfielen auf Autos und Autoteile. Ein Strafzoll könnte die Verbraucher und Unternehmen enorm belasten, sagt Robert Lippmann, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertags: "Nicht umsonst überlegen die deutschen Automobilhersteller ja, Teile der Wertschöpfung in die USA zu verlegen, um dem politischen Druck der Administration nachzugeben."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 14.11.2019, 6-9 Uhr

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