Ein kleines blaues Boot mit rund 30 kongolesischen Flüchtlingen kommt an der ugandischen Küste an
Kongolesische Flüchtlinge kommen per Boot in Uganda an Bild © picture-alliance/dpa

Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie 2017. In Europa wird darüber gestritten, wer die Flüchtlinge aufnehmen soll. Währenddessen bewältigen Länder wie Uganda die Herausforderung.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Mehr Menschen auf der Flucht als je zuvor

Ende des Audiobeitrags

Ein überfülltes Fischerboot steuert auf die Küste zu. Der Kahn ist zehn Stunden lang über den Lake Albert geschippert – von der Demokratischen Republik Kongo nach Uganda. Die Menschen an Bord haben ihre letzten Habseligkeiten auf die gefährliche Schiffsreise mitgenommen – auf der Flucht vor einem neuen blutigen Konflikt in ihrer krisengeschüttelten Heimat. "Einige von uns sind verhungert, andere im See ertrunken", sagt Anita Mave. "Es gibt keine Hilfe, nichts zu essen. Wir überleben im Busch wie die Tiere." Mindestens 70.000 Kongolesen wie Anita Mave sind allein seit Anfang des Jahres neu nach Uganda gekommen - nach brutalen Gewaltausbrüchen in den Provinzen Ituri und Nordkivu.

"Sie haben Menschen mit Macheten abgeschlachtet und dutzende Frauen vergewaltigt", sagt Jean Kiza. In Uganda ist Kambi der Gewalt entkommen. Aber die Situation der Flüchtlinge ist trotzdem schrecklich, erklärt Andrew Harper von der UN: "Es gibt nicht genug Wasser, genug Nahrung, Medikamente oder Unterkünfte".

Unterstützung durch internationale Gemeinschaft fehlt

Uganda wird weltweit für seine liberale Flüchtlingspolitik gelobt. Die Menschen werden nicht in Lager gesperrt, sondern leben in dörflichen Siedlungen. Sie können sich frei bewegen und – wenn möglich – einen Job suchen. Aber das kleine Land stößt an seine Grenzen. "Uganda allein hat nicht die nötigen Mittel, um für die sozialen Dienste oder die notwendige Infrastruktur zu bezahlen", erklärt Solomon Osaka, zuständig für die Flüchtlinge im Norden des Landes. "Wir können die Flüchtlinge nicht allein versorgen, ohne die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft." Uganda hat bereits über eine Million Menschen aufgenommen, die vor dem blutigen Bürgerkrieg im Südsudan geflohen sind.

"Jede Flüchtlingsfamilie hat ein Stück Land von 50 mal 50 Metern bekommen", erklärt So Bik Lum vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. "Dann geben wir ihnen Baumaterial wie Plastikplanen und Stützpfosten, damit sie ihr eigenes Haus bauen können." Doch bei so vielen Bedürftigen ist die Versorgung trotzdem schwer. Im vergangenen Jahr mussten die Helfer die Essensrationen für viele Flüchtlinge halbieren, weil das Geld für mehr fehlte.

"Wir haben riesige Probleme hier. Stellen Sie sich vor, ich bekomme nur vier Kilo Maismehl pro Woche für acht Leute. Essen ist knapp. Es gibt nur Mehl, Bohnen und Öl zum Kochen", klagt Maria Lalum aus dem Südsudan. Der Konflikt dort nimmt kein Ende. Und mit den zusätzlichen Flüchtlingen aus dem Kongo im Süden ist Uganda noch stärker auf internationale Hilfe angewiesen. Aber die fließt nur spärlich: Bei einem eigens einberufenen Solidaritätsgipfel in Kampala vor rund einem Jahr haben die Geberländer nicht einmal ein Fünftel des Geldes zugesagt, das die Helfer für die Flüchtlinge brauchen. 

Sendung: hr-iNFO, 19.6.18, 16:10 Uhr

Jetzt im Programm