Filmangebot eines Streaming-Dienstes auf einem Laptop und einem Fernseher

Streaming, digitales Bezahlen, Clouds: Durch digitalen Datentransfer stoßen wir pro Jahr so viel CO2 aus wie der innerdeutsche Flugverkehr. Wie kommt das? Und welche klimafreundlicheren Alternativen gibt es?

Durch das Fliegen entstehen rund 2 bis 2,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Der digitale Datentransfer, also jede Aktion, die wir online tätigen, macht das Doppelte davon aus - wegen des hohen Stromverbrauches. Das zeigt eine Studie der französischen Denkfabrik "The Shift Project". Sie mutmaßt, dass die IT-Branche 2025 sogar den Verkehr auf den Straßen einholen könne in Sachen CO2-Ausstoß.

Warum ist es so klimaschädlich, Videos und Musik zu streamen?

Weil dafür ganz viel Energie, also Strom, nötig ist. Besonders, wenn wir die Videos nicht auf dem Smartphone oder Computer gespeichert haben, sondern sie streamen - also online anschauen und auf einer externen Seite digital abrufen. Wie eben bei Netflix, Amazon, Youtube oder den Mediatheken von ARD und ZDF. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß, der von Internet-Usern weltweit produziert wird, weil wir Online-Videos schauen, liegt bei mehr als 300 Millionen Tonnen pro Jahr. So viel CO2 produziert Spanien in einem Jahr.

Sollten wir aufs Streamen verzichten fürs Klima?

Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Experten sagen, es sei besser, eine Sendung über den klassischen Fernsehanschluss zu schauen, also analog, und nicht im Livestream oder in der Mediathek. Denn hier werden die Daten durch die halbe Welt geschickt, damit sie dann auf unserem Rechner oder Smart-TV laufen. Das Streamen erzeugt definitiv mehr CO2.

Gibt es einen Unterschied zwischen Geräten, die nur im WLAN laufen, und solchen, die mobile Daten nutzen?

Ja. Es wird am allermeisten Strom verbraucht, wenn wir Daten über den Mobilfunk abrufen. Das liegt an den alten Kupferkabeln, über die die Datenübertragung heute hauptsächlich läuft. Die brauchen ein starkes Signal, das viel Energie erfordert. Wenn wir in Zukunft Glasfaserkabel nutzen, dann wird es effizienter, denn die übertragen die Signale per Licht. Aber die gibt es bisher noch sehr selten. Nur etwas mehr als zwei Prozent aller Breitbandanschlüsse bestehen aus Glasfaser. Also: Wenn wir Videos online schauen, dann ist es stromsparender, wenn wir es übers WLAN tun.

Ist es sinnvoll, alte Geräte auszusortieren und auf neue, energiesparendere zurückzugreifen?

Das Problem ist: Die Energieeffizienz technischer Geräte hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Wissenschaftler kritisieren, dass sich in diesem Bereich noch nicht viel getan hat. Also besser ist es tatsächlich, die alten Geräte möglichst lange zu nutzen - und dadurch weniger Technikmüll zu erzeugen.

Wie kann man digital Strom sparen?

Am besten ist es, nicht so viele Daten online auf dem Server abzulegen. Früher haben wir unsere Daten auf der lokalen Festplatte gespeichert, heute liegen zum Beispiel unsere E-Mails auf externen Servern, also in unserem digitalen E-Mailkonto. Fotos, Videos und Dokumente wandern immer mehr in die Cloud. Bei beiden ist das Problem: Jede einzelne Datei, ob E-Mail oder Video, wird immer mal wieder neu abgelegt auf den Servern – aus Sicherheitsgründen. Und das verbraucht jedes Mal aufs Neue Energie. Also: Wer löscht, der spart am Ende CO2.

Digitaler Datentransfer: Welche Aktionen im Netz besonders viel Strom verbrauchen

200 Suchanfragen bei Google verbrauchen so viel Strom wie das Bügeln eines Hemdes
Das mag erstmal nach nicht viel klingen, aber die Masse macht's: Pro Minute werden bei Google weltweit fast vier Millionen Suchanfragen gestellt. Auf das Jahr gerechnet wird dafür so viel Strom benötigt wie in der Stadt San Francisco im selben Zeitraum.

Im Jahr werden durch Online-Videos weitweit rund 300 Millionen Tonnen CO2 produziert (so viel, wie ganz Spanien in einem Jahr ausstößt)
Besonders stromfressend ist es, wenn wir gemütlich auf der Couch sitzen und Netflix, Youtube oder Filme in Mediatheken streamen, also sie online anschauen, ohne sie herunterzuladen. Weil dafür in jeder Sekunde Daten mitunter quer durch die Welt geschickt werden müssen. Weit mehr als die Hälfte der Daten, die wir uns hin und her schicken, sind Online-Videos. Und je höher die Auflösung, desto mehr Datenverkehr ist nötig.

Eine einzige Bitcoin-Transaktion verbraucht so viel Strom, dass davon ein Kühlschrank acht Monate lang betrieben werden könnte
Die weitaus extremsten Stromfresser stellen Kryptowährungen im Internet dar. Nehmen wir als Beispiel die bekannteste Währung Bitcoin:Für ihre Verschlüsselung sind viele Transaktionen notwendig. Das bedarf einer riesigen Rechenleistung und somit enorm viel Strom.

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 28.8.2019, 6 bis 9 Uhr

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