Mitra Bischof Kardinal Vatikan

Im Fall Ansgar Wucherpfennig verweigerte die Bildungskongregation im Vatikan dem Rektor die Zustimmung. Was da genau in Rom abläuft und wieso von dort nicht immer das letzte Wort kommt: ein Wissenswert.

Beginnen wir mit einem Literaturtipp: "Katholische Theologie und kirchliches Hochschulrecht", zuletzt überarbeitet im Jahr 2011, erschienen als sogenannte Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz mit insgesamt 566 Seiten. In dem dicken Wälzer ist genau beschrieben, was bei der Berufung von Professoren an katholischen Hochschulen in Deutschland zu beachten ist. Und die Betonung liegt auf Deutschland, denn tatsächlich gelten hier Regelungen, die es andernorts nicht gibt. Das hat mit den in Deutschland gültigen Konkordaten mit dem Heiligen Stuhl zu tun.

Weitere Informationen

Papst Franziskus und die Homosexualität

Nach seiner Wahl zum Pontifex hatten viele Menschen die Hoffnung, dass Papst Franziskus die Kirche modernisieren würde. Zum Beispiel zum Thema Homosexualität. Doch stimmt das? [mehr]

Ende der weiteren Informationen

Aber der Reihe nach. Zunächst einmal ist festzuhalten: Weltweit gibt es fast 700 Hochschulen, Institute oder Fakultäten, die katholische Bildungsabschlüsse vergeben. Diese akademischen Grade sind weltweit als einheitlich anerkannt. Die Qualitätssicherung hierfür liegt bei der Bildungskongregation in Rom, die deshalb auch an der Auswahl der Professoren beteiligt ist, nach einem komplizierten Konsultationsverfahren nach rechtsstaatlichen Grundsätzen.

"Nihil obstat" als Zeichen der Zustimmung

Die Hochschule macht einen oder mehrere Vorschläge, die dann vom zuständigen Diözesanbischof an die Nuntiatur, also die vatikanische Botschaft weitergeben werden. Diese schickt den Vorgang an die Bildungskongregation, die wiederum die Glaubenskongregation und das Staatssekretariat um ein Gutachten bittet. Jede Stelle auf diesem Weg gibt zu der Personalie ihre Bewertung ab.

Wenn alles positiv läuft, kommt aus Rom das sogenannte "Nihil obstat" als Zeichen der Zustimmung. Falls Fragen oder Bedenken auftauchen, wird der zuständige Bischof auf mögliche Problempunkte hingewiesen, verbunden mit der Bitte, im Gespräch mit dem Kandidaten für eine Klärung zu sorgen. Dabei kann es beispielsweise um die Frage gehen, ob Widersprüche zwischen kirchlicher Lehre und persönlichen Ansichten zu unauflösbaren Interessengegensätzen führen könnten.

Im Zweifel auch mal für den Kandidaten

Die zentrale Moderatorenrolle hat dabei der Diözesanbischof, oder wie im Fall Wucherpfennig der General des Jesuitenordens, dem die Frankfurter Hochschule untersteht. Als Großkanzler oder zuständiger Ordinarius kann der Bischof oder Ordensobere den römischen Behörden beispielsweise mitteilen, dass er deren Bedenken in genauer Kenntnis und nach Rücksprache mit dem Kandidaten nicht teilt.

Solche persönlichen Einschätzungen von vor Ort haben in der Vergangenheit bereits mehrfach dafür gesorgt, dass am Ende entgegen den ursprünglichen Empfehlungen der Glaubenskongregation entschieden wurde. Dabei galt die Logik: Der zuständige Bischof oder Ordensobere kennt den Kandidaten im Zweifel besser als eine römische Behörde, die auf Basis der Aktenlage entscheidet.

Bischof schlägt Rom

Die formalrechtliche Macht des Bischofs geht dabei in Deutschland ausgesprochen weit. In der Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz heißt es auf Seite 118 wörtlich: "Das kirchliche Rechtsinstitut des römischen Nihil obstat hat neben dem bischöflichen Nihil obstat der zuständigen kirchlichen Behörde staatskirchenrechtlich und vertragsrechtlich keine Bedeutung, da gegenüber der staatlichen Behörde allein der Diözesanbischof verantwortlich ist".

Die Regelung gilt zwar nicht direkt für rein kirchliche Häuser wie die Frankfurter Hochschule. Allerdings ist es üblich, die entsprechenden Verfahrensnormen auch in solchen Fällen analog anzuwenden. Unter den Bischöfen, die sich in der Vergangenheit den Empfehlungen Roms widersetzt haben, sind auch prominente Kirchenvertreter, deren Karriere darunter nicht gelitten hat. Die meisten derartigen Fälle machen allerdings keine Schlagzeilen, sondern werden hinter den Kulissen verhandelt. Denn das eigentliche Ziel ist eine einvernehmliche Lösung. Dazu muss allerdings miteinander gesprochen werden.

Sendung: hr-iNFO, 16.10.18, 06:10 Uhr

Jetzt im Programm