Andromedanebel Sterne Weltall

Immer mehr private Unternehmen sind im Weltraum aktiv, mit Milliarden Investitionen. Und dabei verdienen auch hessische Unternehmen kräftig mit.

Triebwerke, Bordausrüstung, Navigationsinstrumente und noch viel mehr - alles "made in Hessen" und alles "made fürs All". Hessen braucht sich, was die Luft- und Raumfahrtindustrie angeht, nicht zu verstecken.

Trotzdem: Mehr als 50 Jahren nach der Mondlandung ist die Raumfahrt nach wie vor eine Nischenbranche. Auch für Markus Jansson, Entwicklungsingenieur bei Harmonic Drive in Limburg. "Unser Kerngeschäft liegt im industriellen Bereich - ich schätze mal grob etwa 99 Prozent unseres Umsatzes kommt aus anderen Branchen, nur circa ein Prozent aus dem Bereich der Raumfahrt. Es ist ein kleiner, aber durchaus ein sehr interessanter Markt."

Getriebe aus Limburg für Mars-Rover

Harmonic Drive stellt Wellengetriebe für die Industrie, aber auch für die Raumfahrt her. Getriebe für die Raumfahrt kosten schnell 10 bis 20 Mal so viel wie Getriebe, die etwa in Autos verbaut werden, erzählt Jansson. Die Getriebe müssen eine Vielzahl von Tests absolvieren, denn die Raumfahrtbranche kann sich im All keine Risiken leisten. 

Die Technik muss unter extremen Bedingungen funktionieren. Deswegen würden die Kundinnen und Kunden in der Branche eher konservativ agieren und häufiger bei etablierten Produzenten einkaufen, sagt Jansson. „Ich denke, das ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass man im Weltraum nicht reparieren kann. Da gilt sehr stark die Devise 'never change a running system' - auch, weil es technologisch sehr aufwendig ist, diese Komponenten zu qualifizieren.“ Bereits seit Anfang der 2000er stellt das Unternehmen Getriebe in Limburg her, die auch bei Mars-Rovern schon zum Einsatz kamen.

Hochwasserschutz in Echtzeit

In Hessen gibt es aber nicht nur das alte Eisen, sondern auch junge Unternehmen. Zum Beispiel das Start-up e.Ray aus Darmstadt. E.Ray will Pegelmessgeräte für Flüsse oder Seen bauen, die mithilfe von Satelliten genaueste Daten über den Wasserstand in Echtzeit übermitteln können. "Wenn man professionell ist, kann man sehr genaue Daten entnehmen und dann noch mal mit verschiedenen Techniken die Position präzisieren", sagt Gründer und Geschäftsführer Sebastian Lemke.

Mit einem Handy habe man ungefähr fünf bis zehn Meter Genauigkeit. Mithilfe von einer Basisstation könnten man den atmosphärischen Fehler sehr stark eliminieren und wisse so ganz genau, wo die Anlage ist. "Wir haben ein kleines Bötchen, das schwimmt mit dem Fluss, mit dem See, mit dem Meer auf und ab, um so den Wasserstand zu messen", so Gründer. Hochwasserschutz in Echtzeit also. Das könnte wertvolle Zeit bei etwaigen Flutkatastrophen bringen. Denn schwimmende Pegel können nicht überschwemmt werden und sind bis auf wenige Zentimeter genau. Die Hilfe dazu kommt per Satellit aus dem All.

"Elon Musk hat gezeigt, was möglich ist"

E.Ray ist aber bei weitem nicht das einzige Start-up, das Satellitendaten für neue Anwendungen nutzen will. Der Markt sei erst ganz am Anfang, sagt Unternehmer Lemke. „Da hat natürlich auch Elon Musk mit SpaceX Türen aufgemacht und gezeigt, was überhaupt möglich ist. Das konnten wir Europäer erst gar nicht glauben, weil vor Jahren noch gesagt wurde, dass Dinge unmöglich sind, die jetzt aber da sind. Und mittlerweile erkennen wir auch, dass in diesem Bereich sehr viel möglich ist.“ Neben Hochwasserschutz will e.Ray übrigens mit dieser Weltraumtechnologie auch Klimaschutz betreiben, indem die Messgeräte Blaualgen aufspüren. Diese Algen stoßen in Gewässern klimaschädliche Methangase aus.

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Weltraum und Wirtschaft – wie profitiert Hessen von der Raumfahrt?

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