Evo Morales

Bolivien ist in den Schlagzeilen, weil Staatspräsident Evo Morales zurückgetreten ist. Auch er hat offenbar nicht geschafft, was dieses Land so bitter nötig hätte: Zusammenhalt und wirtschaftlichen Aufschwung. Dabei hat Bolivien eigentlich genügend Ressourcen.

Bolivien ist ein kleines Land, mitten auf dem südamerikanischen Kontinent. Bolivien ist auch ein armes Land und so komisch es klingen mag, gleichzeitig ein sehr reiches Land. Denn im dortigen Boden sind so viele Rohstoffe, dass es Bolivien eigentlich prächtig gehen müsste. Doch vielen Menschen geht es schlecht, nur eine Minderheit kann gut leben.

Die Schere zwischen arm und reich ist extrem. Das weiß auch der Lateinamerika-Experte der Deka-Bank, Mauro Toldo: "In Europa ist es so, dass der Mittelständler, der eine gute Position hat, einen Porsche oder einen Mercedes fährt. In Lateinamerika ist es so, dass diejenigen, die Geld haben, mit einem Hubschrauber über die Slums zum Flughafen fliegen."

Mineralische Ressourcen

Und das gilt eben auch für Bolivien. Dabei gibt es unzählige mineralische Ressourcen, die zum Wohlstand für alle beitragen könnten: Zinn, Erdgas, Erdöl, Zink, Silber, Eisen, Gold oder auch Lithium. Gerade dieser Rohstoff ist aktuell in den reichen Ländern sehr gefragt. Ohne Lithium keine Batterien, ohne Batterien keine Energie- und Verkehrswende.

Deshalb hatte auch ein deutsches Unternehmen einen Vertrag mit einem bolivianischen Staatsunternehmen zum Abbau des Rohstoffes abgeschlossen. Doch kurz vor seinem Rücktritt kündigte der nun ehemalige Staatspräsident Evo Morales den Vertrag auf. Zu groß wurde der Druck auf ihn und zu massiv die Vorwürfe. Die größten Kritikpunkte waren: Angst vor großen Umweltschäden und zu geringe Lizenzgebühren. Das deutsche Unternehmen hat sogar Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier eingeschaltet und ihn gebeten sich für das gemeinsame Joint-Venture-Projekt einzusetzen. Ausgang offen.

Bolivianische Wirtschaftspolitik

Nach der Regierungsübernahme durch Morales vor 14 Jahren wurde die Erdgasindustrie des Landes verstaatlicht. Die Auswirkungen waren zunächst positiv. Die Einnahmen für den Staatshaushalt konnten gesteigert, der Lebensstandard für die Bevölkerung konnte erhöht werden. Doch die Unterschiede im Einkommen und beim Wohlstand konnten am Ende nicht entscheidend verändert werden. Die Vorwürfe der Wahlmanipulation durch Morales, haben dann endgültig dazu beigetragen, dass der einstige Hoffnungsträger seinen Rücktritt verkündet hatte und nun ins mexikanische Exil ging.

Lateinamerika-Experte Toldo vermisst eine Art dritten Weg in der Wirtschaftspolitik des Landes. Denn weder links, noch rechts haben bislang eine entscheidende Verbesserung für die breite Masse der Bevölkerung gebracht: "Die Rechte versucht, ein stärkeres Wachstum zu liefern. Allerdings nur für einen kleineren Teil der Bevölkerung. Die Linke versucht eine Umverteilung, allerdings mit negativen Auswirkungen für die Wirtschaft - mit einem niedrigeren Wachstum. Ein dritter Weg wäre tatsächlich lohnenswert."

Also eine wie auch immer geartete Mischung aus Kapitalismus und Sozialismus. Aber ob dieser Weg wirklich gelingen würde, das steht in den Sternen. Zur Zeit mehr denn je auch in den bolivianischen Sternen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.11.2019, 15-18 Uhr

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