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Der Streit zwischen den USA und dem Iran spitzt sich zu, die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten wächst. Wir erklären, wer die großen Player in dem Konflikt sind und welche Interessen sie verfolgen.

Der Iran

Seit vierzig Jahren ein islamischer Gottesstaat. Eine Republik mit einem gewählten Parlament, in der aber die schiitische Geistlichkeit letztlich das Sagen hat. Der Iran führt quasi die Staaten an, in denen die schiitische Glaubensrichtung des Islam vorherrscht. Der Iran versucht, seinen Einflussbereich in der Region auszuweiten. Er hat großen Einfluss im benachbarten Irak, in dem die Mehrheit der Einwohner schiitisch ist. Im syrischen Bürgerkrieg unterstützt der Iran das Regime von Machthaber Assad mit zahlreichen Kämpfern.

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Die schiitische Hisbollah im Libanon unterstützt der Iran massiv mit Waffen, darunter Raketen, mit denen die Hisbollah in der Vergangenheit immer wieder Israel angegriffen hat. Der schärfste Rivale Irans um die Vormachtstellung am Golf ist Saudia-Arabien.

Saudi-Arabien

Das autoritär regierte Königreich fühlt sich als Schutzmacht der Sunniten, der anderen großen Glaubensrichtung im Islam. Innerhalb des sunnitischen Islams vertritt Saudi-Arabien die besonders strenge Richtung des Wahabitismus. Saudi-Arabien, das große Ölförderland, kauft weltweit sehr viele Waffen; es wird von den USA als strategischer Partner angesehen. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat das Land als Stabilitätsanker in der Region eingestuft.

Militärisch leisten sich Iran und Saudi-Arabien blutige Stellvertreterkriege in Syrien und im Jemen. Beide Mächte unterstützen jeweils mit ihnen verbündete Armeen und Milizen.

Israel

Israel ist das militärisch stärkste Land im Nahen Osten. Als einziges Land in der Region besitzt es Atomwaffen. Israels strategisches Interesse ist, dass das so bleibt, denn Israel ist der Erzfeind Nummer eins des Iran - der Zerfall Israels und die Befreiung Palästinas sind seit fast 40 Jahren die außenpolitische Doktrin des Landes. Der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte offen von der Vernichtung Israels gesprochen, den Holocaust in Frage gestellt und die Entwicklung einer iranischen Atombombe vorangetrieben.

Dennoch war Israel auch gegen das vor zwei Jahren abgeschlossene Atomabkommen, das die USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland mit dem Iran abgeschlossen hatten. Es sollte unter internationaler Kontrolle verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann. Dieses Abkommen hatte US-Präsident Donald Trump einseitig gekündigt.

Denn Israel sieht auch in der Hisbollah im Nachbarland Libanon und in Syrien eine große Gefahr für seine Sicherheit. Deshalb bombardiert es mit seiner Luftwaffe immer wieder iranische Konvois in Syrien, mit denen der Hisbollah neue Waffen geliefert werden sollen. Diese Bedrohung durch die Hisbollah war im Iran-Atomabkommen nicht verhandelt und gelöst worden.

Die USA

Die USA sind der wichtigste nichtregionale Player im Machtgefüge des Nahen Ostens. Sie sind Hauptverbündeter Israels, aber strategisch auch eng verbunden mit Saudi-Arabien und den meisten anderen Golfstaaten. US-Präsident Donald Trump unterstützt die bisherige rechts-konservative israelische Regierung von Premierminister Benjamin Netanyahu. So hat Trump angekündigt, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Kürzlich hat er auch die Annektion der Golanhöhen durch Israel formell anerkannt.

Die Regierung Donald Trumps hat den Konflikt mit dem Iran entscheidend verschärft. Beobachter führen das vor allem auf seinen Sicherheitsberater John Bolton zurück, der offen einen "Regime-Change", einen Wechsel der Regierung im Iran, durch Druck von außen vertritt. Für ihn ist das Regime im Iran das "zentrale Problem im Nahen Osten". Vor einer Gruppe von Exil-Iranern sagte er vor zwei Jahren in Paris: Die USA sollten die sein, die das Regime in Teheran stürzen werden. "Das Verhalten des Regimes wird sich nicht ändern", rief Bolton, "also müssen wir das Regime ändern. Und deshalb, noch vor 2019, werden wir hier in Teheran feiern."

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