Sudanesische Demonstranten schwenken Nationalflaggen bei einer Kundgebung, um die Bildung einer Zivilregierung zu fordern.
Sudanesische Demonstranten schwenken Nationalflaggen bei einer Kundgebung, um die Bildung einer Zivilregierung zu fordern. Bild © picture-alliance/dpa

Nach der Absetzung des autokratischen Präsidenten durch das Militär fordert die Opposition eine schnelle und vollständige Machtübergabe. Die Generäle sind dazu jedoch nicht bereit. Es bahnt sich ein neuer Konflikt an in einem von Konflikten überschatteten Land. Ein Überblick.

Um die komplexe Geschichte des Sudan zu verstehen, muss man in die Vergangenheit blicken. Im 19. Jahrhundert hatte die Region bereits viele Konflikte mit dem Nachbarland Ägypten hinter sich, als sie unter britische Kolonialherrschaft geriet. Die Briten hatten ein starkes wirtschaftliches Interesse, beispielsweise den Baumwollanbau für die eigene Textilindustrie. Mit den Briten kamen auch zahlreiche Missionare ins Land, die sich vor allem in ihren Bemühungen, das Christentum nach Afrika zu bringen, auf den Süden fokussierten.

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Als die Briten die Sudanesen 1956 in die Unabhängigkeit entließen, war der Sudan keine gewachsene Einheit, sondern eher ein am Reißbrett entworfener Zusammenschluss vieler Regionen, die sich nicht nur durch diverse Religionen, sondern auch durch Ethnien unterschieden. Der Norden und der mittlere Teil des Sudans ist vor allem arabisch-muslimisch geprägt, der südliche Teil ist eher schwarzafrikanisch und ein großer Teil der Bevölkerung sind Christen.

Ölfund verschärft Konflikt zwischen Norden und Süden

Der Grundstein für den Konflikt war gelegt. Der Norden und Süden waren kulturell, wirtschaftlich und auch politisch sehr unterschiedlich. Der Süden fühlte sich extrem benachteiligt und wehrte sich in einem jahrzehntelangen blutigen Bürgerkrieg gegen die arabische Vorherrschaft des Nordens. Verschärft wurde der Konflikt in den 80er Jahren dadurch, dass große Mengen an Öl im Süden gefunden wurde.

Über viele Jahrzehnte konnte sich im Sudan keine stabile Regierung bilden. 1956 nach der Unabhängigkeit startete der Sudan als Republik, nur zwei Jahre später übernahm das Militär die Führung. Der Wechsel zwischen ziviler und militärischer Führung der extrem instabilen Region dauerte an. Erstmals kam 1969 so etwas wie Ruhe in die wechselnde Führung, als Militäroberst an-Numairi das Land führte. Er islamisierte den Sudan zunächst weiter, bis er 1985 vom Militär aus dem Amt geputscht wurde.

Unabhängigkeit des Südens, Krise im Westen

Eine halbswegs stabile Regierung gab es dann erst 1989 wieder unter der Herrschaft von Umar Ahmad al-Baschir, der wiederum vom Militär ins Amt des Präsidenten gehoben wurde. In al-Baschirs Regierungszeit wurde beispielsweise die Scharia eingeführt, auch das verschärft den Bürgerkrieg mit dem Südsudan weiter. Der Konflikt spitzte sich weiter zu, die Vereinten Nationen sprechen von Völkermord, die Auseinandersetzungen führen zu Hungersnöten und treiben Millionen Menschen in die Flucht. 2011 wurde dann nach langem Ringen der Südsudan unabhängig.

Doch damit sind die Konflikte nicht gelöst, denn 2003 kam es zur großen Krise im westlichen Gebiet des Sudans, Darfur, in dem Rebellengruppen gegen die Regierungsgruppen kämpfen. Bis heute. Unklar ist, wie viele Menschen ums Leben gelkommen sind, Schätzungen gehen von bis zu 600.000 Toten aus. Dazu kommen über 2,6 Millionen Menschen, die innerhalb des Landes auf der Flucht sind.

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Sendung: hr-iNFO, 15.4.2019, 16:10 Uhr

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