Indischer Elefant

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat am Mittwoch ihre Rote Liste vorgestellt. Sie zeigt, wie es um die Artenvielfalt auf unserem Planeten steht.

Der Afrikanische Löwe, der Gelbwangenkakadu, der Indische Elefant – diese drei haben etwas gemeinsam: Sie sind in ihrem Bestand bedroht und stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN. Gemeinsam mit anderen Arten, von denen viele Menschen noch nie im Leben gehört haben dürften - der Tabascoschildkröte etwa, dem Erbsenkugelfisch oder dem Antillen-Ochsenfrosch.

Die Rote Liste der IUCN macht deutlich, wie es um die Artenvielfalt auf unserem Planeten steht. Dazu fasst sie Informationen über ausgestorbene, verschollene und gefährdete Arten zusammen. Nicht nur von Tieren, sondern auch von Pflanzen oder Pilzen. Gesetzgeber und Behörden nutzen sie als Grundlage für ihr Handeln im Arten-, Natur- und Umweltschutz. Dadurch wird die Rote Liste zu weit mehr als nur zu einer Aufzählung von Arten.

Nur in wenigen Staaten rechtswirksam

Aber man muss aufpassen. Denn neben der IUCN-Liste gibt es noch weitere Rote Listen mit ähnlicher Zielsetzung: etwa für gefährdete Nutztierrassen oder für gefährdete Lebensräume Europas. Sie haben meist einen stärkeren Regionalbezug und werden von anderen Einrichtungen herausgegeben, in Deutschland etwa vom Bundesamt für Naturschutz. Auch speziell für Hessen gibt es Rote Listen des Wiesbadener Umweltministeriums, von den Moosen über die Bienen bis zu den Vögeln.

Weitere Informationen

Die Rote Liste 2018: Situation bei Finnwalen und Berggorillas verbessert sich

In den Meeren leben wieder mehr Finnwale und auch die Zahl der Berggorillas in Zentralafrika hat sich nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN deutlich erhöht. Diese Erfolge seien auf verschiedene Maßnahmen wie etwa die Einführung von Walfangverboten in den 1970er Jahren zurückzuführen. Der Bestand der Finnwale habe sich seitdem in etwa verdoppelt. Die IUCN stuft die Finnwale auf der aktuellen Roten Liste nicht mehr als "stark gefährdet", sondern als "gefährdet" ein. Bei den Berggorillas hätten vor allem Maßnahmen gegen Wilderer zur positiven Entwicklung beigetragen. Die Tiere leben in zwei geschützten Habitaten in Ruanda, Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo. Laut IUCN hat sich die Zahl der Affen in den vergangenen zehn Jahren von etwa 680 auf mehr als 1000 erhöht. Sie werden nun als "stark gefährdet" und nicht mehr als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Die Weltnaturschutzunion hat in der Roten Liste etwa 97.000 Tier- und Pflanzenarten erfasst. Fast 27.000 sind bedroht, das sind rund 10.000 mehr als vor zehn Jahren.

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Rechtswirksam sind Rote Listen nur in wenigen Staaten wie der Schweiz. Dort sitzt auch die IUCN. Sie erfand ihre internationale Rote Liste im Jahr 1964. Aktuell wird sie mindestens zweimal jährlich aktualisiert. Dazu arbeitet die IUCN mit Hunderten von Experten zusammen, mit einzelnen Forschern ebenso wie mit Naturschutzorganisationen. Zuletzt umfasste die Liste über 93.000 Arten. Von ihnen sind mehr als 26.000 bedroht, das sind fast 30 Prozent aller bekannten Arten. 2007 waren es noch knapp über 16.000.

Zwei Hoffnungsschimmer

Insgesamt will die IUCN bis 2020 den Bedrohungszustand von 160.000 Arten dokumentieren. Dazu werden die Arten in verschiedene Bedrohungskategorien eingeteilt. Sie geben an, wie stark die jeweilige Art bedroht ist. Das Spektrum reicht von nicht bedroht bis ausgestorben. Gibt es zur Bedrohung einer Art noch Wissenslücken, wird auch das vermerkt. Die wenigsten Wissenslücken gibt es derzeit bei den Pflanzen aus der Verwandtschaft der Nadelbäume, bei  Amphibien, Säugetieren und Vögeln.

Am Ende gibt es zwei Hoffnungsschimmer: Manchmal werden ausgestorben geglaubte Arten wiederentdeckt. Man spricht dabei vom Lazarus-Effekt. Ein Beispiel ist der Utila-Leguan, den Wissenschaftler des Frankfurter Senckenberg-Instituts auf einer mittelamerikanischen Insel wiederfanden. Und dann gibt es seit einigen Jahren auch Blaue Listen, etwa in der Schweiz. Sie führen auf, welche Tier- und Pflanzenarten vor dem Aussterben bewahrt wurden und jetzt nicht mehr auf der Roten Liste stehen.

Weitere Informationen

Vortragsreihe „Bedrohte Vielfalt – Der Artenschwund und seine Folgen“

Die Vorträge finden jeweils um 19.15 Uhr statt (Einlass ab 18.45 Uhr).
Veranstaltungsort: SENCKENBERG Gesellschaft für Naturforschung
Arthur-von-Weinberg-Haus, Robert-Mayer-Straße 2 | 60325 Frankfurt

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, 14.11.2018, 6:10 Uhr

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