Waldbrand in Brasilien

Die Waldbrände im Amazonasgebiet sorgen international für Konfliktstoff. Brasiliens Staatschef Bolsonaro soll mehr für den Schutz des Regenwaldes unternehmen, fordern Politiker. Ihr Druckmittel: das Mercosur-Abkommen. Wie hängt das eine mit dem anderen zusammen?

20 Jahre haben sie gedauert, die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Ende Juni dieses Jahres war es dann soweit, es konnte eine Einigung erzielt und verkündet werden. Sobald das Abkommen in Kraft tritt, wäre es das größte der Welt.

Mercosur ist die auf spanisch abgekürzte Bezeichnung für den "Gemeinsamen Markt Südamerikas", eine Art Pendant zur EU in Europa. Mitglieder sind die Länder Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Ziel des Staatenbundes ist, durch eine verbesserte, wirtschaftliche Zusammenarbeit, den Wohlstand der Bürger in diesen Ländern zu fördern.

Brände entstehen meist durch Brandstiftung

Das Gleiche gilt auch für den kürzlich abgeschlossenen Vertrag mit der EU. Vor allem durch den Abbau der Zölle soll das gegenseitige Wirtschaftswachstum angekurbelt werden: Ein Teil dieses Vertrages bezieht sich auch auf die Umweltpolitik. Insbesondere Umweltverbände in Europa sehen das Abkommen aber kritisch - vor allem, seit in Brasilien der rechtsgerichtete Jair Bolsonaro Präsident des Landes ist. Ihm wird vorgeworfen, ein Freund der Agrarindustrie zu sein und den Umweltschutz hinten anzustellen.

Viele fühlen sich offenbar durch diese Haltung ihres Präsidenten ermutigt und legen Feuer im Amazonas-Gebiet - die auch derzeit lodernden Brände in den Regenwäldern entstehen zumeist durch Brandstiftung. Dadurch sollen Flächen für weitere Anbaugebiete geschaffen werden. Aber auch die direkte Abholzung vieler Regenwald-Flächen stellt ein Problem dar - vor allem für das weltweite Klima, denn der Regenwald als CO2-Speicher hat eine große Bedeutung im globalen Kampf gegen die Klimaerwärmung.

Neue Anbauflächen für Export in EU?

Umweltschützer fürchten nun, dass neue Absatzmärkte für Fleisch- und Sojaexporte in der EU dazu führen, dass die Weide- und Anbauflächen erweitert werden und dafür eben der Regenwald im Amazonas weiter zerstört wird. Was Brasiliens Präsident als innere Angelegenheit betrachtet, bei der er sich Forderungen aus dem Ausland verbietet, stellt für die meisten anderen Staatenlenker ein globales Problem dar, von dem mittel- und langfristig die ganze Welt betroffen sein wird.

Möglicherweise kann aber genau über das kürzlich beschlossene Abkommen zwischen der EU und Mercosur Druck auf die Politik in Brasilien gemacht werden - so könnte über die Wirtschaftspolitik Einfluss auf die Umweltpolitik genommen werden. Politik ist ja ohnehin ein Gesamtpaket.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.8.2019, 15 bis 18 Uhr

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