Deutsche Bank
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Die Gerüchte um die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank reißen nicht ab. Was ist dran? Und was spräche für und was gegen eine solche Verbindung?

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz würde gerne sehen, dass deutsche und europäische Banken ganz oben mitspielen. Ein Problem dieser Banken sei, dass sie nicht die notwendige Größenordnung und die Globalität hätten, um die Wirtschaft zu begleiten. "Das bleibt ja so, dass der Erfolg unserer Wirtschaft davon abhängt, dass sie global tätig ist, dass sie im globalen Wettbewerb erfolgreich ist. Und natürlich muss die Finanzindustrie und müssen die Banken in der Lage sein, das zu begleiten", so Scholz.

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zum Artikel Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank: "Die Risiken wären zu hoch"

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Soll heißen: Die deutschen Banken können im internationalen Wettbewerb nicht mithalten, das wäre aber wünschenswert. In der Finanzbranche hat das Spekulationen befeuert, ob sich nicht die beiden größten deutschen Filialbanken - die Deutsche Bank und die Commerzbank - zusammenschließen könnten. Das Ziel: einen nationalen deutschen Bankenchampion zu schaffen, der sich im internationalen Wettbewerb behaupten und damit speziell die deutsche Wirtschaft fördern kann.

"Alles spricht gegen eine Fusion"

Aber wäre eine solche Fusion realistisch? Christoph Schalast winkt ab. Er ist Professor an der Frankfurt School of Finance and Management und Experte für Fusionen und Zusammenschlüsse.  Solche Gerüchte gebe es immer wieder, aus seiner Sicht spreche zurzeit aber alles gegen eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank: "Weil beide mit sich selbst beschäftigt sind: Die Deutsche Bank hat die Integration der Postbank nun nicht vollständig abgeschlossen, die Commerzbank hat sich neu positioniert und muss natürlich als Mittelstandsbank mit dem Wettbewerb durch Sparkassen und Genossenschaftsbanken, Volksbanken leben. Aber ich denke, zurzeit spricht wenig dafür, die beiden Institute zusammenzubringen, weil das wiederum eine jahrelange Integration zur Folge hätte und das kann denen nicht guttun zurzeit."

Beide Banken bräuchten jetzt erst mal Stabilität und müssten sich neu strukturieren. Erst in drei, vier Jahren könne man über eine Fusion nachdenken, sagt Bankenexperte Christoph Schalast. Aber auch dann würde eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank vermutlich kein internationales Banken-Schwergewicht hervorbringen. Aktuell ist die Commerzbank an der Börse nur noch rund 11 Milliarden Euro wert, die Deutsche Bank etwa 20 Milliarden. Zusammen wären das also 30 Milliarden Euro Börsenwert. Zum Vergleich: Die spanische Banco Santander oder die französische BNP Paribas sind jeweils alleine mehr als doppelt so viel, die amerikanische Bank JP Morgan Chase mehr als zehnmal so viel wert.

"Fusionen auf europäischer Ebene wären besser"

Aus Sicht von Christoph Schalast müssten die Gedankenspiele über Fusionen also eher in eine europäische Richtung gehen. Das sieht auch Jan Krahnen so, er ist Professor für Kreditwirtschaft an der Uni Frankfurt und warnt auch aus anderen Gründen vor marktbeherrschenden Großbanken in einzelnen EU-Ländern: "Ich glaube, generell ist die Idee 'Wir konzentrieren uns auf ein Europa mit vielen nationalen Champions' keine glückliche Idee. Im Gegenteil: Es ist eine gefährliche Idee, denn indem wir nationale starke Institute uns wünschen und sie vielleicht auch fördern, schaffen wir eine Abhängigkeit zwischen Staaten und Banksystem auf nationaler Ebene, die uns in der Eurokrise 2011 und 2012 teuer zu stehen gekommen ist."

Denn komme eine Bank mit ihren Finanzen ins Wanken wie nach der Lehman-Pleite, dann bringe das automatisch auch den jeweiligen Start ins Straucheln. Wünschenswert wären aus der Sicht von Jan Krahnen also eher europäische Geldhäuser, die ihre Risiken auf möglichst viele Länder verteilen.

Sendung: hr-iNFO, 4.10.2018, 16:30 Uhr

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