Computer, der eine Mikroskopaufnahme zeigt
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Die Meldung ist noch unbestätigt, sorgt aber schon für großes Aufsehen: Einem chinesischen Wissenschaftler zufolge sind erstmals genmanipulierte Babys zur Welt gekommen. Ein Überblick über Stand und Möglichkeiten der Forschung und die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Undenkbar? Wirklich ein Tabu? Das war einmal. Seit ein paar Jahren verlockt eine neue Technik zu immer neuen Gedankenspielen: Wenn es möglich ist, im menschlichen Erbgut gezielt und einfach einzelne Gene auszuschalten oder zu verändern, warum sollte man diese Technik nicht nutzen, um zum Beispiel bestimmte Erbkrankheiten zu verhindern - und zwar von Anfang an?

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Forschung in China: Genmanipulierte Babys geboren?

Es ist eine hochumstrittene Behauptung: Nach Angaben des chinesischen Wissenschaftlers He Jiankui wurden in China die weltweit ersten genmanipulierten Babys geboren. [tagesschau.de]

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Warum sollte man dafür nicht menschliche Embryonen gentechnisch verändern, und zwar in einem so frühen Stadium, dass auch alle künftigen Ei- und Samenzellen dieser Embryonen – so sie zu gesunden Erwachsenen heranwachsen sollten – diese Gen-Veränderungen in sich tragen? Dass sie also von Generation zu Generation weitergegeben werden, quasi für immer in der Welt sind, dass die Keimbahn verändert ist.

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zum Artikel Dabrock (Ethikrat): "Ein unverantwortliches Humanexperiment"

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Schließlich gibt es im Tierreich inzwischen ja einen ganzen CRISPR-Zoo, Mäuse, Schweine, Affen und viele andere Tierarten, die Forscherinnen und Forscher mit der Crispr/Cas–Technik genetisch verändert haben. Dabei handelt es sich sozusagen um molekulare Genscheren, die ursprünglich aus dem Waffenarsenal von Bakterien stammen und mit denen sich das Genom so zielsicher schneiden lässt, dass sich für die Technik der Ausdruck Genchirurgie oder Gen-Editieren eingebürgert hat - so als wäre unser Genom ein Text, den wir nach Wunsch redigieren oder umschreiben können.

Experimente in Deutschland nicht möglich

Auch mit menschlichen Embryonen wird in vielen Labors experimentiert, zum Beispiel in China und den USA. Allerdings war es bei diesen Experimenten bis jetzt nie das Ziel, die frühen menschlichen Embryonen zu lebensfähigen Crispr-Säuglingen heranwachsen zu lassen, sie werden im Labor in diesem frühen Entwicklungsstadium zerstört. In Deutschland wären solche Experimente nicht möglich, sie verbietet das Embryonenschutzgesetz. Auch das ist freilich nicht in Stein gemeißelt, immer wieder fordern deutsche Wissenschaftler, neu über das Embryonenschutzgesetz zu diskutieren. Allerdings geht es ihnen dabei um Grundlagenforschung.

Dass Eingriffe in die menschliche Keimbahn – aus welchen Gründen auch immer – ein Tabu bleiben müssen, ist aber kein Konsens mehr. Vor gerade  mal zwei Jahren warnte Peter Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, dass Debatten darüber, zu welchem Zwecke Eingriffe mir Crispr/Cas in die menschliche Keimbahn zulässig sein könnten, eine Türöffner-Funktion hatten. Solche Debatte sollten wir lieber bleiben lassen, meint Dabrock. Vor einem Jahr sah sich der deutsche Ethikrat dann zu einer Ad-hoc-Empfehlung genötigt mit dem Titel "Keimbahneingriffe am menschlichen Embryo: Deutscher Ethikrat fordert globalen politischen Diskurs und internationale Regulierung."

Folgen kann niemand vorhersagen

Davon sind wir weit entfernt. Um so mehr schreckt die Meldung auf, dass jetzt Fakten geschaffen worden seien, dass in China tatsächlich die ersten CRISPR-Kinder auf die Welt gekommen seien. Ob die Meldung stimmt, wird sich noch zeigen müssen. Das Youtube-Video, in dem der Wissenschaftler hinter der Meldung von Geburt "seiner" Crispr-Babys erzählt, ist auf alle Fälle atemberaubend. Da klingt alles ganz einfach und eindeutig: Gen verändert, Problem behoben. Dabei ist klar, dass die Vorgänge im menschlichen Genom von einer immer noch unvorstellbaren Komplexität sind, ein Gen kann viele verschiedene Aufgaben übernehmen. Die vielen Folgen, die auch der vermeintlich gezielteste Eingriff hat, kann heute niemand vorhersagen.

Sendung: hr-iNFO, 27.11.2018, 6:10 Uhr

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