Hohenzollern

Haben die Hohenzollern dem Nationalsozialismus zur Macht verholfen? Im Deutschen Bundestag beschäftigt sich der Kulturausschuss mit dem kniffligen Thema. Denn das Adelsgeschlecht will Entschädigung, Kunstgüter und Immobilien haben.

Worum geht es?

Die Story hat das Zeug zur Seifenoper. Es ist ein Streit zwischen Prinzen und Präsidenten, prominentem Hochadel und der brandenburgischen Landesregierung. Seit 2014 wird verhandelt, zunächst im Verborgenen.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel "Die Rückgabe wäre eine kulturelle Katastrophe"

Das Logo der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Ende des Audiobeitrags

Die Hohenzollern fordern vom Staat das zurück, was ihnen früher mal gehörte. Es geht um Millionenwerte, Kunstschätze und Immobilien. Warum, erklärte Markus Hennig, der Anwalt der Familie, im NDR so: "Es geht erst einmal grundsätzlich um die Frage der Zuordnung von Eigentum. Und dabei handelt es sich um ein bürgerliches Recht, eines Bürgers, der zufällig auch adelig ist. Das wird in der Diskussion vergessen."  

Die Protagonisten

Da ist der junge Patriarch: Georg Friedrich Prinz von Preußen. Ur-Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers und jetzt der Chef des Hauses Hohenzollern. Ihm geht es nicht nur um Gerechtigkeit, Geld und Besitz. Sondern auch ganz handfest um Wohnrecht. Zum Beispiel dauerhaft und kostenlos im Potsdamer Schloss Cecilienhof – im 1. Weltkrieg auf Staatskosten erbaut und derzeit staatliches Museum.

Von der Forderung des Prinzen halten die anderen Protagonisten gar nichts, so wie Dietmar Woidke, sozialdemokratischer Ministerpräsident von Brandenburg: "Wir wollen, dass die Schlösser, beispielsweise Cecilienhof, Schlösser des Volkes bleiben und sind. Und dass wir hier in diesem Punkt eine ganz klare Position haben, versteht sich von selbst."

Was ist der Hintergrund?

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Immobilien der Hohenzollern im Osten von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Dafür hat die Familie nie einen Ausgleich erhalten. Denn den gibt es laut Entschädigungsgesetz nicht, wenn der alte Besitzer der NS-Herrschaft "erheblichen Vorschub" geleistet hat. Haben die Hohenzollern das?

Kronprinz Wilhelm, Sohn von Deutschlands letztem Kaiser, rief 1932 dazu auf, Hitler zu wählen. Die Verbindung zwischen Kronprinz Wilhelm und Hitler hält der Historiker Professor Eckart Conze von der Uni Marburg für problematisch. Er sagt im ARD-Magazin Kontraste: "Schon 1926 trifft sich Kronprinz Wilhelm erstmals mit Hitler. Macht ihn dadurch und die Nationalsozialistische Bewegung salonfähig. Gerade in konservativen, monarchistischen Kreisen."

Aus Hohenzollern Sicht gibt es aber keine ausreichenden Belege dafür, dass damit das NS-Regime erheblich unterstützt wurde, so der Anwalt der Familie: "Ich  wehre mich dagegen, dass in einem Atemzug genau diese Leute und genau diese Familie gleich zu Kriegsverbrechern im Zweiten Weltkrieg ausgerufen wird. Das halte ich für ungerecht und in diesem Zusammenhang auch nicht für seriös."

Sendung: hr-iNFO, 29.01.2020, 6-9 Uhr

Jetzt im Programm