Kokain

Deutsche Sicherheitsbehörden haben im laufenden Jahr mehr als zehn Tonnen Kokain sichergestellt. Ein Rekord. Aber woher kommt das weiße Pulver eigentlich und wie wirkt es?

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Kokain-Rekord in Deutschland

Podcast aktuell
Ende des Audiobeitrags

Erfunden haben es die Indios in Südamerika: Der Kokastrauch wächst in Kolumbien, Peru und Bolivien - und seit Jahrtausenden wissen die Einwohner um die Wirkung der Droge. Es gibt sogar Götter, die Koka-kauend abgebildet worden sind. Koka galt als Allheilmittel gegen Krankheiten, Müdigkeit, Kälte und Hunger. Kokain ist allerdings nur ein Teil der Pflanze.

Gefährlicher Kick

Sie ist um 1750 zum ersten Mal nach Europa eingeführt worden. 110 Jahre später hat ein deutscher daraus das Kokain extrahiert und schnell wurde auch diese Wirkung zum Renner in den besseren Kreisen. Es wirkt sekundenschnell, die Atem- und die Pulsfrequenz steigen, die Blutgefäße verengen sich, der Blutdruck steigt.

Weitere Informationen

Deutsche Sicherheitsbehörden haben im laufenden Jahr erstmals mehr als zehn Tonnen Kokain sichergestellt. Polizei und Zoll wollen nun ihre Strategien gegen den Kokainschmuggel anpassen. [mehr auf tagesschau.de]

Ende der weiteren Informationen

Folge können Herzrhythmusstörungen bis hin zum Infarkt sein. Und natürlich werden auch viele Organe geschädigt. Die Gefahr beim Rauchen liegt in der Überdosierung. Beim Schnupfen von Kokain beträgt die lebensbedrohliche Dosis 1,2 bis 1,4 Gramm, beim Spritzen rund 0,8 Gramm. Die Abhängigkeit betrifft die Psyche, nicht den Körper. Deswegen wird Kokain auch oft lobend erwähnt.

Die Promi-Droge

Im Wiener Sissi-Museum etwa ist die Kokainspritze der österreichischen Kaiserin ausgestellt. Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, schrieb über Kokain, es sei ein Geschenk der Natur. Der Arzt und Lyriker Gottfried Benn war schrieb 1917 sogar ein Gedicht namens Kokain.

Weitere Informationen

Kokain

Den Ich-zerfall, den süßen, tiefersehnten, Den gibst Du mir: schon ist die Kehle rauh, Schon ist der fremde Klang an unerwähnten Gebilden meines Ichs am Unterbau.

Nicht mehr am Schwerte, das der Mutter Scheide Entsprang, um da und dort ein Werk zu tun Und stählern schlägt --: gesunken in die Heide, Wo Hügel kaum enthüllter Formen ruhn!

Ein laues Glatt, ein kleines Etwas, Eben- Und nun entsteigt für Hauche eines Wehns, Das Ur, geballt, Nicht-seine beben, Hirnschauer mürbesten Vorübergehns.

Zersprengtes Ich - o aufgetrunkene Schwäre - Verwehte Fieber - süß zerborstene Wehr -: Verströme, o verströme Du - gebäre Blutbäuchig das Entformte her.

Gottfried Benn (1917)

Ende der weiteren Informationen

Auch heute wird in Promi-Kreisen gerne geschnupft. Konstantin Wecker, Whitney Houston, Kate Moss, Amy Winehouse, Ozzy Osbourne und selbst Barack Obama haben schon Kokain konsumiert. Der ehemalige US-Präsident bekennt in seiner Biografie: „Ich habe viel gefeiert, viel getrunken und Drogen genommen. Kokain und Marihuana.“ Auch Paris Hilton stand schon wegen Kokainbesitzes vor Gericht.

Koks im Pop

Viele Künstler haben ihre Songs dem Kokain gewidmet. Rammstein etwa, Falco und natürlich J.J. Cale. Auch Hannes Wader sang über das weiße Pulver: "ich kam von Frankfurt nach Berlin, drei Koffer voll mit Kokain, Cocaine all around my brain."

Die Droge kommt meist mit Schiffen nach Europa, in Containern mit legaler Ware oder in schwimmfesten Behältern, die mit GPS-Sendern in Hafennähe abgeworfen werden. Oder per Körperschmugglern, die das Kokain in kleinen Latex-Beuteln schlucken. Am Frankfurter Flughafen wurde mal eine Frau festgenommen, der Brustimplantate mit einem Kilo Koks eingesetzt worden waren.

Heute kostet ein Gramm etwa 60 bis 80 Euro in Berlin, in München sogar 80 bis 100 Euro. Das ist oft der Preis für eine Nacht, denn die Wirkung einer Nase Koks dauert oft nur Minuten.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.11.2019, 15 bis 18 Uhr

Jetzt im Programm