Hafen von Piräus (Griechenland)

Sie ist das wirtschaftliche Lieblingsprojekt der chinesischen Staats- und Parteiführung: Die Neue Seidenstraße schaffe Win-Win-Situationen für alle Beteiligten, heißt es. Kritiker halten dagegen, dass es vor allem um den massiven Ausbau des chinesischen Einflusses weltweit gehe.

In China selbst heißt das Projekt "Yi Dai Yi Lu". Der Begriff lässt sich nur sehr sperrig übersetzen mit "Ein Gürtel, eine Straße". Im deutschen Sprachraum hat sich stattdessen der märchenhaft klingende Begriff der "Neuen Seidenstraße" durchgesetzt. Hunderte Milliarden Euro will Chinas Führung im Rahmen des Projektes in den Ausbau von Handelswegen stecken. Also etwa in neue Straßen, Häfen, Schienenwege, Stromnetze und neue Flughäfen – sowohl in China als auch in anderen Staaten Asiens, in Afrika und in Europa.

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EU-China-Gipfel

Am Dienstag findet in Brüssel der jährliche EU-China-Gipfel statt. Bei dem Treffen geht es vor allem um die gegenseitigen Investitions- und Handelsbeziehungen. Die Neue Seidenstraße dürfte dabei für Debatten sorgen. Die Furcht der EU: Peking treibe einen Keil zwischen die EU-Staaten. [mehr auf tagesschau.de]

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„Die Neue Seidenstraße folgt einer historischen Bestimmung", sagt Chinas Staats und Parteichef Xi Jinping. "Es geht um Entwicklung und um die internationale Gemeinschaft. Sie hat großes Potenzial.“ Neben einigen osteuropäischen Ländern ist seit kurzem auch der G7-Staat Italien Partnerland der Neuen Seidenstraße. Konkretes haben die Regierungen in Peking und Rom aber noch nicht vereinbart.

"Gefährliche Abhängigkeiten"

Chinas Staats- und Parteiführung spricht davon, dass durch die Seidenstraße "Win-Win'-Situationen geschaffen werden sollen. Also: Alle Beteiligten sollen profitieren. Kritiker außerhalb Chinas halten das für Unsinn. Letztlich gehe es bei der Seidenstraße um den massiven Ausbau von chinesischem Einfluss weltweit, und zwar nicht nach internationalen Spielregeln, sondern nach neuen chinesischen Standards.

Finanziert werden die Seidenstraßen-Projekte vor allem durch Kredite chinesischer Staatsbanken. Kritiker warnen, dass sich betroffene Regierungen damit in gefährliche Abhängigkeiten begeben, in wirtschaftliche und politische. Und tatsächlich haben sich viele Seidenstraßen-Länder wie Malaysia, die Malediven, Äthiopien und Sri Lanka in den vergangenen Jahren stark bei chinesischen Staatsbanken verschuldet. Teilweise regt sich dort und anderswo inzwischen deutlicher Widerstand gegen das chinesische Engagement.

Sendung: hr-iNFO, 9.4.2019, 16:10 Uhr

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