Sujet-Bild: Neben einem Corona-Modell steht "Endemie" geschrieben.

Mit Omikron bricht die nächste Corona-Welle über Europa herein. Wissenschaftler hoffen, dass die Pandemie nun in eine Endemie übergeht. Aber was bedeutet das eigentlich genau?

Zwei Jahre ist es jetzt her, seit es die ersten Berichte über eine mysteriöse Lungenkrankheit in der chinesischen Metropole Wuhan gab. Und viele fragen sich: Soll das jetzt mit Corona immer so weitergehen?  Dass wir das Virus irgendwann ausrotten können, scheint ausgeschlossen. Wissenschaftler sagen aber, wir könnten irgendwann von der Pandemie in die Endemie kommen. Was bedeutet das und wie wird dann der neue Normalzustand aussehen?

Was bedeutet eigentlich Endemie?

En dēmos: Das heißt auf Altgriechisch „im Volk“. In der Medizin bedeutet Endemie, dass eine Krankheit oder ein Erreger zwar ständig vorkommt und auch Menschen krank werden, aber nur in einem bestimmten Gebiet oder innerhalb einer bestimmten Personengruppe. Beispiele für endemische Krankheiten durch Bakterien oder Parasiten sind Malaria oder Cholera. In alpinen Regionen ist der Kropf endemisch, eine Schilddrüsenvergrößerung durch Jodmangel in Trinkwasser und Nahrung

Auch bestimmte Viren sind endemisch. Bei uns zum Beispiel vier saisonale, humane Corona-Viren. Sie verursachen Schnupfen und die meisten Menschen stecken sich alle paar Jahre wieder damit an. Weil das Immungedächtnis immer wieder aufgefrischt wird, gibt es in der Regel keine schweren Erkrankungen. Endemisch heißt aber nicht gleich harmlos. Das HI-Virus ist dafür ein gutes Beispiel.

Wie wird aus einer Pandemie eine Endemie?

Eine Endemie beginnt dann, wenn große Teile der Bevölkerung in der Pandemie einen Schutz aufgebaut haben. Bei Viren passiert das entweder durch Impfung oder durch Infektion. Dann kann sich das Virus nicht mehr so leicht verbreiten und nicht mehr so große Wellen schlagen.

Trotzdem infizieren sich immer wieder Menschen, weil der Immunschutz mit der Zeit nachlässt, weil das Virus mutiert und Teile des Immunschutzes umgehen kann, oder schlicht, weil wieder Kinder auf die Welt kommen, die noch keinen Immunschutz aufbauen konnten.

Wie schnell der Übergang gelingt, hängt also vom Immunschutz der Bevölkerung, aber auch von den Eigenschaften des Virus ab.

Wie benimmt sich SARS-Cov-2 als endemisches Virus?

Das Masern-Szenario
Dass Covid19 im Wesentlichen eine Kinderkrankheit wird, wie es die Masern sind, ist höchst unwahrscheinlich. Dass also eine Infektion oder eine vollständige Impfung einen lebenslangen Schutz bieten und das Virus nur unter Neugeborenen zirkuliert. Denn im Gegensatz zum Masern-Virus kann SARS-CoV-2 die Immunität umgehen, durch ständige Mutationen.

Das Erkältungs-Szenario
Wahrscheinlicher ist es, dass sich eine endemische SARS-CoV-2-Variante entwickelt, bei der das Infektionsgeschehen womöglich ablaufen könnte wie beim Atemwegsvirus RSV. Mit RSV infizieren sich die meisten Menschen in den ersten beiden Lebensjahren. Einige Säuglinge müssen ins Krankenhaus, bei den meisten Kindern verläuft das Virus aber mild.

Die Virus-Evolution und die nachlassende Immunität führen zwar dazu, dass sich jedes Jahr auch viele Erwachsene mit neuen Stämmen infizieren, aber kaum Symptome haben, weil sie dem Virus schon als Kind ausgesetzt waren. Die Aufgabe ein Immungedächtnis auszubilden, könnte bei Erwachsenen die Impfung übernehmen.

Das Grippe-Szenario
Möglich wäre auch, dass wir SARS-CoV-2 mit jährlichen Impfungen in Schach halten müssen - wie die Grippe-Viren, die die Fähigkeit zum Antigen-Shift haben. Dabei findet ein Gen-Austausch zwischen verschiedenen Viruslinien statt. Das führt regelmäßig zu sprunghaften Veränderungen beim Virus.

Die Grundimmunität der Bevölkerung verschlechtert sich schlagartig. Bislang hat das SARS-CoV-2-Virus diese Fähigkeit nicht, auch wenn der Antigen-Drift, das sind Punktmutationen im Erbgut, laufend zugenommen hat.

Wann kommt die Endemie in Deutschland?

Der Übergang von der Pandemie in die Endemie kann nur ein schrittweises Herantasten sein. Solange große Teile der verletzlichen Bevölkerung nicht oder nicht vollständig geimpft sind, wäre ein Laufen lassen der Pandemie mit großen Verlusten verbunden.

Wichtig wird sein, was die Wissenschaftler in den kommenden Monaten über die Krankheitsschwere bei Omikron herausfinden und wie gut Booster und Impfstoffe der zweiten Generation vor Erkrankungen schützen.

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