Sujet-Bild: Neben einem Corona-Modell steht "Endemie" geschrieben.

Fast drei Jahre ist es her, seit es die ersten Berichte über eine mysteriöse Lungenkrankheit in der chinesischen Metropole Wuhan gab. Seither hat die Corona-Pandemie über alle Kontinente hinweg Menschen getötet und krank gemacht. Experten sprechen jetzt immer wieder davon, dass die Pandemie in eine Endemie übergehen könnte. Aber was heißt das eigentlich genau?

Was bedeutet eigentlich Endemie?

En dēmos: Das heißt auf Altgriechisch „im Volk“. In der Medizin bedeutet Endemie, dass eine Krankheit oder ein Erreger zwar ständig vorkommt und auch Menschen krank werden, aber nur in einem bestimmten Gebiet oder innerhalb einer bestimmten Personengruppe. Nicht immer sind Viren schuld an einer Endemie. Es kann auch an Umweltfaktoren liegen, dass Krankheiten endemisch sind. In alpinen Regionen ist der Kropf endemisch - eine Schilddrüsenvergrößerung, die durch zu wenig Jod in Trinkwasser und Nahrung ausgelöst wird.

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"Das Thema" als Podcast: Von der Pandemie zur Endemie - Wie es mit Corona weitergeht

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Bei Atemwegserkrankungen, die durch Viren verursacht werden, treten die Erkrankungen in der endemischen Phase wellenförmig auf. Wir erleben das bei humanen Corona-Viren und Rhinoviren, die den Großteil der Erkältungen verursachen und die bei uns schon lange endemisch sind.

Wie wird aus einer Pandemie eine Endemie?

Eine Endemie beginnt dann, wenn große Teile der Bevölkerung in der Pandemie einen Schutz aufgebaut haben. Bei Viren passiert das entweder durch Impfung oder durch Infektion. Dann kann sich das Virus nicht mehr so leicht verbreiten und nicht mehr so große Wellen schlagen.

Trotzdem infizieren sich immer wieder Menschen, weil der Immunschutz mit der Zeit nachlässt, weil das Virus mutiert und Teile des Immunschutzes umgehen kann, oder schlicht, weil wieder Kinder auf die Welt kommen, die noch keinen Immunschutz aufbauen konnten.

Wie schnell der Übergang gelingt, hängt also vom Immunschutz der Bevölkerung, aber auch von den Eigenschaften des Virus ab.

Gibt es einen festgelegten Zeitpunkt, ab wann die Endemiephase beginnt?

Eine Pandemie kann politisch als beendet erklärt werden. Epidemiologisch gesehen gibt es keinen festen Zeitpunkt oder Schwellenwert, wann die Endemie beginnt. Der Übergang findet auch nicht überall auf der Welt gleichzeitig statt. Ob das Pendel Richtung Pandemie oder Endemie schwingt, hängt vom Immunschutz der jeweiligen Bevölkerung ab und von den Eigenschaften der Virusvariante, die gerade zirkuliert.

Heißt endemisch automatisch harmlos?

Bei den vier saisonalen, humanen Coronaviren, die bei uns endemisch sind, ist das so. Sie verursachen Schnupfen und die meisten Menschen stecken sich alle paar Jahre wieder damit an. Weil das Immungedächtnis immer wieder aufgefrischt wird, gibt es in den allermeisten Fällen keine schweren Erkrankungen. Auch bei vielen Rhinoviren, die am häufigsten Erkältungen hervorrufen, ist das so.

Das HI-Virus ist dagegen ohne Medikamente weiter gefährlich, obwohl es endemisch ist. Auch eine endemisch gewordene Variante des SARS-CoV-2-Virus kann für Menschen, die sich erstmals als Erwachsene anstecken und kein intaktes Immunsystem haben, weiter gefährlich sein. Auf lange Sicht wird die erste Ansteckung aber nicht mehr im Erwachsenen-Alter stattfinden, sondern im Kindesalter, in dem das Immunsystem noch anders reagiert. Weitere Infektionen sind bei Erwachsenen dann seltener und verlaufen schwächer.

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