Plakat mit der Aufschrift Toleranz

Toleranz gilt vielen als hehres Ziel, wenn es um ein besseres Miteinander geht. Oft wird der Begriff gleichgesetzt mit Akzeptanz. Doch zwischen beidem gibt es einen entscheidenden Unterschied. Eine Begriffsklärung.

Was ist eigentlich Toleranz? Das hat sich Kabarettist Gerhard Polt auch schon gefragt. Seine Erklärung: "Das ist ein uralter Begriff. Ich weiß es nicht - im Mittelalter oder die Römer ... Das kommt daher, wenn sie einen Menschen früher, wenn sie jemand gefoltert haben, und der hat es überlebt - dann war der tolerant."

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Das ist natürlich keine gültige Definition für das Thema Toleranz. Aber mit einer Sache hat Polt wohl recht: Der Begriff an sich ist alt. Die Geschichtsschreibung kennt diverse Toleranz-Delikte aus der Römerzeit oder aus dem Mittelalter beispielsweise. Meist waren es Vereinbarungen zum Miteinander verschiedener Religionen, so wie etwa das Edikt von Nantes aus dem Jahr 1598.

Ein Problem, mit dem man leben kann

In diesem Edikt wurde den Hugenotten eine eine gewisse Toleranz gewährt, erklärt Philosophieprofessor Rainer Forst von der Goethe Uni Frankfurt: "In diesen Edikten, so fortschrittlich sie historisch waren, wurde genau festgelegt, welche Minderheiten was dürfen und wo die Grenzen sind. Das ist ein historischer Fortschritt, und dennoch ist es eine Form der Herrschaft mit anderen Mitteln. Denn diesen Minderheiten wurde immer bedeutet, dass sie Bürger zweiter Klasse sind und unter besonderer Beobachtung stehen."

Aus dem historischen Kontext wird schon klar: Wer etwas toleriert, hat mit der Sache, dem Mensch oder der Einstellung durchaus ein Problem, kann aber damit leben und umgehen - ob es sich nun um beispielsweise laute Musik bei den Nachbarn handelt oder die religiöse Einstellung meiner Mitmenschen. Der Wortursprung aus dem Lateinischen illustriert das nochmal anschaulich, denn "tolerare" bedeutet so viel wie erdulden oder ertragen. Auf jeden Fall bedeutet es, dass ich nicht weiter dagegen vorgehe.

Toleranz ist nicht Akzeptanz

"Der Toleranzraum besteht dort, wo man mit einer Praxis ein Problem hat, aber nicht sieht, dass die eigenen Vorbehalte dagegen stark genug sind, um etwa zu sagen, das soll verboten werden", so Philosophieprofessor Forst. Diese Definition macht aber auch klar: Wenn mir etwas ganz egal ist, dann bin ich nicht unbedingt tolerant.

"Relativ häufig wird die Toleranz als eine Art der Gleichgültigkeit oder Indifferenz gedeutet, als ob man 1000 Blumen blühen lässt und die eine ist so schön wie die andere", sagt Forst. Wenn man den Begriff genauer betrachte, könne es das aber nicht sein. Oft wird Toleranz auch synonym mit dem Wort Akzeptanz gebraucht. Akzeptanz ist allerdings eine viel positivere Haltung, denn sie bedeutet im Kern: Ich heiße etwas gut und billige es.

Um es konkret an einem Beispiel festzumachen: Wenn ich mit Ohrstöpseln zu Hause sitze, mich über die laute Musik meiner Nachbarn ärgere, aber verstehen kann, dass dort ein 30. Geburtstag ausufernd gefeiert wird und ich nicht die Polizei rufe, dann toleriere ich das Ganze. Wenn ich dagegen nach anfänglicher Skepsis merke, dass ich mich auch darüber freuen kann, mit der Musik mitwippen und am nächsten Morgen meinen Nachbarn vielleicht noch zur gelungenen Feier gratuliere, dann habe ich die Ruhestörung akzeptiert.

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