Blauhelmsoldaten UN-Friedenstruppen
UN-Blauhelmsoldaten in Haiti Bild © picture-alliance/dpa

Sie sollen Frieden herstellen, bewahren und verteidigen. Vor 70 Jahren schickte der UN-Sicherheitsrat die Friedenstruppen in ihre erste Mission in den Nahen Osten, heute sind sie weltweit im Einsatz. Wer verbirgt sich unter den blauen Helmen? Und wie arbeitet die Armee?

Blaue Helme – das ist das Erkennungszeichen der UN-Soldaten. Blau wie die Flagge der Vereinten Nationen. Eine Farbe, die für Frieden stehen soll – im Gegensatz etwa zum aggressiven Rot. Zur Gründung der UN 1945 sagte der erste Generalsekretär der UN, Trygve Lie: "Wir besitzen die wertvollste Waffe, die eine Organisation überhaupt haben kann – die Unterstützung der Menschen auf der ganzen Welt."

Die Vereinten Nationen wollen die Konflikte der Welt lösen. Das geht aber nicht nur politisch, sondern auch durch Einsätze vor Ort. So entschied der UN-Sicherheitsrat im Jahr 1948, erstmals eigene Soldaten unter blauer Flagge zu entsenden. Es ist die erste Friedensmission der UN. Der Einsatz im Nahen Osten dauert bis heute an. Mehr als 70 weitere folgten - verteilt auf der ganzen Welt.

"Ein robustes Mandat"

Im Nahen Osten sollen die Peacekeepers, die Friedensbewahrer, den Waffenstillstand zwischen Israelis und Palästinensern überwachen. Sie beobachten hauptsächlich. Doch in den vergangenen Jahrzehnten und in den unterschiedlichen Missionen hat sich die Arbeit der Blauhelme verändert, sagt der ehemalige stellvertretende Generalsekretär der UN, Jan Elliason: "Friedenstruppen haben nun oft ein robustes Mandat, um Zivilisten zu schützen. Sie sind dann autorisiert, alles zu tun, um die Bevölkerung zu schützen."

Ein robustes Mandat: Das bedeutet, die Soldaten dürfen auch Waffen einsetzen, um sich oder die Zivilbevölkerung zu verteidigen. Ein solches robustes Mandat haben zum Beispiel die Blauhelme im Kongo. Erteilen kann es nur der UN-Sicherheitsrat. Er entscheidet darüber, ob Soldaten entsandt werden.

110.000 Friedensschützer - die meisten aus der "Dritten Welt"

Derzeit laufen weltweit 14 verschiedene Friedenmissionen der UN. Die meisten von ihnen in Afrika, zum Beispiel in Mali oder in der zentralafrikanischen Republik. Chef der Missionen ist der UN-Diplomat Jean Pierre-Lacroix. Er ist angewiesen auf die Hilfe der Länder, die die UN-Friedensmissionen mit ihren Soldaten unterstützen: "Wir zählen auf unsere Unterstützer, dass sie uns helfen, die Friedenssicherung voranzutreiben. Dass wir besser vorbereitet sind auf unsere Herausforderungen. Wir brauchen mehr Frauen in der Friedenssicherung und müssen unsere Missionen beweglicher und reaktionsfähiger machen."

Wie viele Soldaten die Länder für die Einsätze der Blauhelme zur Verfügung stellen, ist völlig unterschiedlich. Die meisten der insgesamt etwa 110.000 Friedensschützer kommen heute aus Ländern der dritten Welt – Äthiopien, Bangladesch, Indien, Ruanda, Pakistan und Nepal. Sie stellen die meisten Einsatzkräfte, allesamt mehr als 5000. Deutschland stellt knapp 900 Blauhelme, in Europa entsendet nur Italien mehr in die UN-Missionen. Ungefährlich sind sie nicht: Über 3700 Todesfälle hat es nach Angaben der UN seit dem ersten Einsatz vor 70 Jahren gegeben.

Sendung: hr-iNFO, 29.5.2018, 6:10 Uhr

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