Logos der "Big Four"
Sie haben Herrschaftswissen: die vier weltweit größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Bild © WDR/imago / picture alliance

Kaum einer hat so viel Einblick und Macht wie die "Big Four". Die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt prüfen die Bilanzen nahezu aller multinationalen Konzerne und beraten sie. Und sie beraten auch die Politik.

Die Big Four prüfen die Bilanzen von großen Konzernen. Edgar Löw hat jahrelang in der Branche gearbeitet, bevor er vor einigen Jahren die Seiten gewechselt hat und sie jetzt wissenschaftlich beobachtet – als Professor an der Frankfurt School of Finance. Er hält sie trotz aller Kritik und Bedenken für notwendig in einer globalisierten Wirtschaft: "Wenn ein großes Unternehmen wie Siemens oder BASF weltweit tätig ist, kann eine deutsche Gesellschaft der Big Four sicherstellen, dass Mitarbeiter vor Ort in allen Ländern verfügbar sind und eine einheitliche Prüfung durchführen können."

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Deloitte ist mit weltweit fast 290.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 43 Milliarden US-Dollar die größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unter den vier Großen. Zusammen haben KPMG, PricewaterhouseCoopers, EY und Deloitte im vergangenen Jahr fast 150 Milliarden Dollar umgesetzt – mit einer Million Mitarbeitern. Ein weltumspannendes Netz.

Vorwurf: Interessenskonflikte durch Beratung und Prüfung

Die Big Four stehen für mindestens zwei Drittel des weltweiten Geschäftes der Branche – und alle haben ihren Ursprung in Groß-Britannien, nur KPMG sitzt in den Niederlanden. Sie prüfen aber nicht nur, sie beraten in Steuerfragen oder auch, wenn Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickeln. Allerdings gab es mal acht große Wirtschaftspürfer – im Laufe der Jahre sind es immer weniger geworden, sagt Professor Edgar Löw: "Dann wurden es fünf, und dann kam ein Skandal mit Enron und WorldCom und es hat sich gezeigt, dass einer verschwinden musste: Arthur Andersen, die als Prüfer in die Skandale verwickelt waren. Und da waren es nur noch vier."

Arthur Andersen hatte Ender der 90er, Anfang der 2000er Jahre beim Telekommunikationsunternehmen WorldCom und dem Energie-Riesen Enron die Bilanzen geprüft und abgesegnet – trotzdem gab es u.a. Bilanzfälschungen. Spätestens diese Skandale um frisierte Bilanzen haben die Branche durchgeschüttelt. Ein Vorwurf an die Branche: Es gebe immer wieder Interessenskonflikte, wenn Unternehmen geprüft und auch beraten würden.

Unter ständiger Beobachtung

Edgar Löw sagt, die Branche habe gelernt: "Eine Maßnahme ist, dass man nicht die prüft, die man beraten hat. Gleichwohl kann es grundsätzlich zu Interessenkonflikten kommen." Es seit aber so, dass die Sparten Prüfung und Beratung intern stark voneinander getrennt seien. Kritikern reicht das allerdings nicht aus.

Löw sieht das etwas anders: Die Prüfer würden mittlerweile strenger überwacht und es gebe strengere Vorgaben, sagt er. Alle paar Jahre müssten Unternehmen sich von einem neuen Wirtschaftsprüfer prüfen lassen. Hinzu kämen Rotiationspflichten von Prüfern. Die Gefahr, dass die Prüfer und die, die geprüft werden, zu eng miteinander verwoben sind, bleibt bestehen – und sorgt dafür, dass die Big four zwar mächtig sind, aber auch unter ständiger Beobachtung stehen.

Sendung: hr-iNFO, 25.2.2019, 6:10 Uhr

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