Steuern und deren Prüfung.

Vor dem Bonner Landgericht hat der erste Strafprozess um einen der größten Steuerskandale der deutschen Geschichte begonnen: den Cum-Ex-Skandal. Doch wie funktionieren diese Cum-Ex-Geschäfte eigentlich?

Wer Aktien eines deutschen Unternehmenes besitzt, erhält einmal im Jahr seinen Anteil am Unternehmensgewinn: die Dividende. Von dieser wird gleich einmal 25 Prozent abgezogen – die sogenannte Quellensteuer.

Beispiel BMW: Im vorigen Jahr erhielt man für jede Aktie vier Euro Dividende. Ein Viertel davon – also ein Euro – wurde direkt von der Depotbank an das Finanzamt abgeführt. Darum auch der Name Quellensteuer: Es geht direkt an der Quelle ab.

Bescheinigung gegen Doppelbesteuerung

Bei deutschen Staatsbürgern ist der Fall damit erledigt. Sie sind in Deutschland steuerpflichtig und müssen zahlen. Ausländer aber nicht, denn sie sind in ihrem Heimatland steuerpflichtig. Und damit sie nicht doppelt Steuern zahlen müssen, erhalten sie eine Steuerbescheinigung und können sich die abgezogene Quellensteuer vom deutschen Fiskus erstatten lassen.

An dieser Stelle kommt die Cum-Ex-Masche ins Spiel: Rund um den Tag der Dividendenzahlung werden Aktien über mehrere Käufer, Verkäufer und Banken gehandelt – das Ganze mit nur einem Ziel: Für die einmal abgezogene Quellensteuer werden zwei oder sogar drei Bescheinigungen ausgestellt und dann auch vom Finanzamt erstattet. Steuern erstattet bekommen, die vorher gar nicht gezahlt wurde – das ist der Kern der Cum-Ex-Geschäfte. Dass dies nicht legal sein kann, sagt zwar der gesunde Menschenverstand, ist juristisch aber umstritten. Klarheit wird aller Voraussicht nach der Prozess in Bonn bringen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 04.09.2019, 06 - 09 Uhr

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