Proteste gegen die Urheberrechtsreform

Die geplante EU-Urheberrechtsreform sorgt für Proteste. Besonders umstritten sind sogenannte Uploadfilter, die dadurch notwendig werden könnten. Wir erklären, was es damit auf sich hat und was Kritiker daran stört.

Im Grunde machen Uploadfilter nichts anderes, als Material miteinander zu vergleichen. Filme, Bilder, Texte oder Melodien, die im Internet auf einer Plattform hochgeladen werden, werden verglichen mit bereits vorliegendem und urheberrechtlich geschütztem Material. Ein Unternehmen, das bereits einen solchen Filter einsetzt, ist Google - und zwar bei seinem Videoportal Youtube.

Es nennt sich Content ID und Rechteinhaber laden ihr geschütztes Material bei Content ID in eine Datenbank. Was dann passiert, erklärte Ralf Bremer, Pressesprecher von Google: "Es wird von den Ursprungsdateien eine Referenzdatei erstellt, die dann hinterlegt wird bei uns in der Datenbank, und neu hochgeladene Videos bei Youtube werden dann mit dieser Datenbank abgeglichen." Verstößt ein neu hochgeladenes Video gegen das Urheberrecht, sind für den Rechteinhaber verschiedene Wege denkbar, sagt Ralf Bremer: Er könne das Video einfach dort belassen - zu Promotionzwecken etwa, es sperren lassen oder monetarisieren, also über Werbung Erlöse erzielen.

Filter erkennen keine Kontexte

Doch warum sind Uploadfilter so umstritten? Nun, sie haben so ihre Tücken, sagt Frank Pallas von der Technischen Universität Berlin. Sie können nämlich keine Kontexte von hochgeladenem Material erkennen. Und das werde dann problematisch, wenn der Kontext relevant werde: "Wenn also eine Verwendung von urheberrechtlich geschützten Materialien zulässig ist, weil es sich um Ironie, um Satire handelt, weil es sich um Berichterstattung handelt, weil es sich um Dinge handelt, die vom Zitatrecht gedeckt sind und so weiter und so fort."

Ein weiteres Problem tritt auf, wenn vermeintliche Rechteinhaber Inhalte in solchen Filterdatenbanken registrieren, die nicht ihre sind oder für die sie gar nicht die Rechte halten. "Es gibt da ein ganz historisches Beispiel, bei dem die NASA ein Video der Mars-Landung des Rovers bereitgestellt hat, bei dem ein Fernsehsender dieses Video genommen hat und darauf dann automatisiert wie für alle Sendungen eben die Rechte angemeldet hat, sodass dann das Video von der NASA aus Youtube verschwunden ist", berichtet Pallas.

Großkonzerne als Gatekeeper?

Solche Fehler können natürlich im Nachhinein behoben werden. Auch bei Youtube ist es möglich, sich in solchen Fällen zu beschweren. Doch es kann schon einige Stunden dauern, bis strittige Fragen geklärt sind - und Zeit sei in vielen Fällen ein relevanter Faktor, sagt Pallas. Etwa bei satirischen Beiträgen zu einer politischen Diskussion: "Wenn der dann gesperrt wird und erst 48 Stunden später wieder freigeschaltet ist, dann hat diese Diskussion schon wieder eine ganz andere Richtung genommen und dann ist der Beitrag auch schon gar nicht mehr relevant."

Frank Pallas sieht noch einen weiteren Punkt kritisch: Uploadfilter sind teuer. Allein Youtubes Content ID soll schon über 100 Millionen Dollar verschlungen haben. Kleinere Unternehmen könnten es sich also womöglich gar nicht leisten, eigene Uploadfilter zu programmieren. Sie müssten sich dann die Leistung wiederum bei großen Konzernen wie Google einkaufen.

Daraus ergebe sich dann noch eine ganz andere Frage, sagt Pallas: "Ob wir das wirklich wollen, dass ein amerikanischer Großkonzern als singulärer Gatekeeper darüber entscheidet, was wir hier in Europa an kulturellen Gütern sehen und was wir nicht sehen." Google könnte somit also schnell mit seinem Programm Content ID zum Marktführer für Uploadfilter werden.

Sendung: hr-iNFO, 21.3.2019, 16:10 Uhr

Jetzt im Programm