Ein kleines Spielzeughaus steht am 09.09.2010 in Sieversdorf (Brandenburg) auf Geldscheinen.

Die Grundsteuer wird ab 2025 nach einem neuen System berechnet. Der Bundesrat stimmte der Reform zu. Wir erklären, was die neue Regelung beinhaltet und wie Sie die neue Grundsteuer berechnen können.

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Die neue Regelung zur Grundsteuer sieht vor, dass der Wert von Grundstücken und Gebäuden auch künftig eine Rolle spielt. Er ergibt sich unter anderem aus dem jeweiligen Wert des Bodens, der Netto-Kaltmiete, der Grundstücksfläche sowie Immobilienart und Alter des Gebäudes. Hier wird allerdings viel mit Pauschalen gearbeitet.

Die Länder bekommen darüber hinaus die Möglichkeit, eigenes Grundsteuerrecht einzuführen. Darauf hatte speziell Bayern bestanden, denn der Freistaat will die Grundsteuer künftig nur nach Flächen erheben. Für diese Öffnungsklausel muss das Grundgesetz geändert werden. Die dazu nötige Zweidrittelmehrheit im Bundestag wurde nun erreicht, im November steht noch die Abstimmung im Bundesrat an.

Einnahmen für Kommunen sollen gleich bleiben

Zudem ist eine sogenannte Grundsteuer C geplant, für baureife aber unbebaute Grundstücke. Kommunen könnten über einen speziellen Hebesatz die Eigentümer finanziell stärker unter Druck setzen, um Engpässe auf dem Wohnungsmarkt zu reduzieren. Um Wertsteigerungen auszugleichen, die über die Jahre erfolgt sind, wird ein weiterer Faktor für die Berechnung der Grundsteuer deutlich abgesenkt: die Steuermesszahl. Dieser Prozentsatz fällt auf etwa ein Zehntel des bisherigen Wertes. Für Gesellschaften, die günstiges Wohnen ermöglichen wie Genossenschaften, soll es einen weiteren Abschlag um 25 Prozent geben, um etwa den sozialen Wohnungsbau weiter über die Grundsteuer zu fördern.

Die Grundsteuer musste reformiert werden, weil das Bundesverfassungsgericht sie in der bisherigen Form wegen veralteter Berechnungsgrundlagen für grundgesetzwidrig erklärt hatte. Die Werte dafür stammten im Westen aus dem Jahr 1964, im Osten sogar aus den 1930er-Jahren.

Im Ergebnis hofft die Bundesregierung, dass Städte und Gemeinden nach der Reform nicht mehr, aber auch nicht weniger Geld einnehmen als bisher. In ganz Deutschland sind es rund 14 Milliarden Euro pro Jahr. Dafür müssten die Kommunen ihre Hebesätze entsprechend angleichen, in der Regel also senken. Wie sich die Grundsteuerzahlungen individuell verändern werden, lässt sich nicht pauschal beantworten, auch weil sie bisher sehr ungleich verteilt sind. Gelten sollte die neue Grundsteuer ab 2025.

Wie berechnet sich die Grundsteuer zukünftig konkret?

(Quelle: Bundesministerium der Finanzen)

Grafik: Wie berechnet man die neue Grundsteuer?

Die Grundsteuer berechnet sich auch zukünftig in drei Schritten: Wert x Steuermesszahl x Hebesatz

1. Schritt: Berechnung des Grundbesitzwertes: Wesentliche Faktoren sind der jeweilige Wert des Bodens (Bodenrichtwert) und die Höhe der statistisch ermittelten Nettokaltmiete, die u.a. von der sogenannten Mietniveaustufe der jeweiligen Gemeinde abhängt (je höher die Mietniveaustufe, desto höher ist tendenziell die Miete in einer Gemeinde).

Weitere Faktoren sind die Grundstücksfläche, Immobilienart und das Alter des Gebäudes. Die Einordnung der Gemeinden in Mietniveaustufen wird vom Bundesfinanzministerium auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes über die Durchschnittsmieten in allen 16 Bundesländern erfolgen. In 15 von 16 Ländern sind die Einzelfaktoren über das sogenannte System BORIS bereits einsehbar. Hier finden Sie das Bodenrichtwertinformationssystem für Hessen.

2. Schritt: Ausgleich der Wertsteigerungen, die im Vergleich von den aktuellen Werten zu den seit 1935 bzw. 1964 nicht mehr aktualisierten Werten entstanden sind. Dazu wird die Steuermesszahl – ein Faktor, der für die Berechnung der Grundsteuer wichtig ist –etwa auf ein Zehntel des bisherigen Werts gesenkt (d.h. von 0,35 % auf 0,034 %). Außerdem soll der soziale Wohnungsbau sowie kommunales und genossenschaftliches Wohnen weiter gefördert werden – auch über die Grundsteuer. Deshalb gibt es für Gesellschaften, die günstiges Wohnen möglich machen, einen zusätzlichen Abschlag bei der Steuermesszahl um 25 %, der sich steuermindernd auswirkt.

3. Schritt: Anpassen der Hebesätze durch die Kommunen: Sollte sich in einzelnen Kommunen das Grundsteueraufkommen wegen der Neubewertung verändern, besteht die Möglichkeit, die Hebesätze anzupassen. So soll sich das Grundsteueraufkommen insgesamt nicht erheblich verändern. Die Kommunen haben angekündigt, dass sie das tun werden, denn insbesondere eine Erhöhung der Grundsteuer anlässlich der verfassungsrechtlich gebotenen Neuregelung wäre politisch nicht vermittelbar.

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Mehr zum Thema

Fragen und Antworten: Die neue Grundsteuer (bundesfinanzministerium.de)

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 18.10.2019, 15 bis 18 Uhr

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