Vergleichsportale
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Auf der Suche nach dem günstigsten Stromtarif oder der optimalen Versicherungen verlassen sich viele Verbraucher auf Vergleichsportale. Aber wie zuverlässig und seriös ist das? Sind die ausgewählten Angebote wirklich immer die besten?

Das Versprechen der Vergleichsportale im Netz: Mit wenigen Klicks lässt sich hier Geld sparen, aus der Masse an Angeboten filtern die Portale die besten heraus - und das alles offenbar ganz umsonst. Doch sind diese ausgewählten Angebote wirklich immer die besten? Kai-Oliver Kruske von der Verbraucherzentrale Hessen warnt, dass die Empfehlungen nicht immer den Erwartungen entsprechen. Denn "letzten Endes sind die Vergleichsportale in der Lage, verschiedener Anbieter zu präsentieren. Und die Anbieter zahlen Provisionen dafür, dass sie an bestimmter Stelle erscheinen, und zahlen auch Provisionen für vermittelte Vertragsabschlüsse."

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Nach der Insolvenz des bayerischen Stromanbieters BEV wächst der Druck auf die Vergleichsportale Verivox und Check24: Beide Portale hatten BEV bis zum Dezember empfohlen.

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Wie Suchergebnisse letztlich zustande kommen, bleibt laut Kruske damit oft unklar. Es fehlten Informationen, ob die Provisionen die Rankings beeinflussen. Verbraucherschützer fordern deshalb mehr Transparenz, vor allem nach der Pleite der bayerischen Energieversorgungsgesellschaft BEV. Das Unternehmen hatte mit Dumpingpreisen auf Vergleichsportalen geworben, war dort lange hoch gerankt und empfohlen worden.

Marktabdeckung manchmal unter 50 Prozent

Das Bundeskartellamt hat die Seiten schon länger im Visier. Der Präsident der Behörde, Andreas Mundt, kritisiert insbesondere, "dass so manches Verbraucherportal vorgaukelt, dass der Verbraucher im Grunde alle Angebote dort vorfindet, die es auf dem Markt gibt. Wir haben gesehen, das ist oft nicht so. Die Marktabdeckung liegt manchmal nicht mal bei 50 Prozent."

Speziell mit Blick auf die BEV-Pleite gibt es auch häufig den Vorwurf, Vergleichsportale dürften nicht ignorieren, wenn sich Beschwerden über bestimmte Produktanbieter häufen. Auch bei der bayerischen Energieversorgungsgesellschaft BEV reagierten sie erst spät. Wenn so ein Unternehmen allerdings generell falsch kalkuliere, könne man dafür nicht automatisch Vergleichsportale verantwortlich machen, sagt Andreas Mundt: "Sie müssten dann in jedes Geschäftsmodell reingehen, sich angucken, wie Preise kalkuliert werden. Das würde diese Vergleichsportale bei weitem überfordern."

Verbraucher in der Pflicht

So heißt es zum Beispiel auch beim Vergleichsportal Check24, man tue alles, um schwarze Schafe zu identifizieren und auszuschließen. Ein Wirtschaftsprüfer sei Check24 allerdings nicht. Die heftige Kritik gerade von Verbraucherschützern will Konkurrent Verivox nicht stehen lassen. "Was wir uns wünschen würden ist ganz klar, dass die Verbraucherschützer mit uns zusammenarbeiten", sagt Pressesprecherin Dagmar Ginzel. "Und wenn's Probleme im Markt gibt wie zum Beispiel mal eine Insolvenz, dass man sich gemeinsam überlegt: Wie kann man das zukünftig verhindern?"

Dass eine Pleite wie BEV so weite Kreise zieht, ließe sich sicherlich einerseits dadurch verhindern, dass Vergleichsportale für noch mehr Aufklärung sorgen und Verbraucher künftig noch gründlicher informieren, wie ihre Suchergebnisse zustande kommen. Auf der anderen Seite müssen sich Verbraucher auch selbst bewusst machen, dass sie es nicht mit neutralen Instanzen zu tun haben, sondern mit gewinnorientierten Unternehmen.

Sendung: hr-iNFO, 15.2.2019, 16:10 Uhr

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