Plastikmüll an einem indischen Strand.
80 Prozent des Plastikmülls kommt vom Land, sagt Greenpeace. Bild © picture-alliance/dpa

Immer mehr kleine und große Plastikteilchen sammeln sich in den Meeren der Welt. Geht das so weiter, gibt es in knapp 30 Jahren dort mehr Plastikmüll als Fische. Wie das Plastik ins Wasser gelangt? hr-iNFO klärt auf.

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zum Artikel Ocean Cleanup: Plastikmüll aufsammeln im Meer

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Vor 21 Jahren entdeckte der Schiffskapitän Charles Moore im Pazifik zwischen Kalifornien und Hawaii eine riesige Müllansammlung im Meer. "Hier ein Stück und dort ein Stück. Es ist kein festes Areal, sondern vielmehr eine Plastiksuppe", berichtete Moore. Der größte Teil des Mülls schwamm unterhalb der Meeresoberfläche. Das meiste davon waren Plastiksplitter, die winzig wie Reiskörner sind. Die Müllfläche im Pazifik bedeckt, laut Greenpeace, mittlerweile ein Gebiet von der Größe Mitteleuropas.

Forscherinnen vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven beobachten den Müll am Meeresboden zwischen Grönland und Spitzbergen. Der Müll dort – Glas, Fischernetze, Plastik – hat sich nach ihren Erkenntnissen innerhalb von zehn Jahren verzwanzigfacht. 

Bald mehr Plastik als Fische im Meer

Vor allem der Plastikmüll in der Arktis kann eine sehr weite Reise hinter sich haben. Der Golfstrom transportiert die Plastikteile aus den südlichen Atlantikregionen in das Nordmeer. „Schätzungsweise zehn Millionen Tonnen Abfall landen jedes Jahr in den Ozeanen und Meeren der Welt. Meist sind es kleinste Plastikartikel. Das macht die Meere zur grüßten Plastik-Müllhalde der Welt“, sagte der damalige EU-Umweltkommissar Janez Potocnik vor fünf Jahren.

80 Prozent des Plastikmülls kommt, laut Greenpeace, vom Land. Er gelangt über Flüsse, Hochwasser oder den Wind ins Meer. Über 150 Millionen Tonnen Plastikmüll, so vermuten es Experten, belasten mittlerweile die Meere. Im Jahr 2050 würde danach mehr Plastikmüll als Fisch in den Meeren zu finden sein. Hauptverursacher sind China und andere asiatische Länder, Ägypten und Nigeria. Aber auch in Europa wird fast die Hälfte des Plastiks als Verpackung eingesetzt und landet sehr schnell im Müll.

Wie Plastik auch den Menschen gefährdet

Plastik wird nur sehr langsam abgebaut. Vor zwei Jahren wurde in den Niederlanden eine fast vierzig Jahre alte Plastikfasche präsentiert, die aus dem Pazifik gefischt worden war. Vor einigen Jahren hat die US-Meeresbiologin Miriam Goldstein Seepocken, das sind kleine Krebse, untersucht. Sie hatte sie auf halber Strecke zwischen Amerika und Asien im Pazifik gefischt – und sie staunte über das, was sie fand. Jedes Dritte dieser kleinen Tiere hatte winzige Plastikteilchen im Körper. "Die meisten hatten nur ein oder zwei Teilchen, aber wir haben auch Seepocken gefunden, die 20 bis 30 Plastikteilchen zu sich genommen hatten", so Goldstein.

Meerestiere verenden oft qualvoll, wenn sie Plastik fressen, weil sie es mit Nahrung verwechseln. Auch in Muscheln und Garnelen wurde schon Mikroplastik gefunden. Und so gelangt das Plastik aus unserer Einkaufstüte oder der Hamburger-Verpackung dann, nach langer Odyssee, über das Essen zurück zu uns – und in unseren Körper.

Sendung: hr-iNFO, 06.09.2018, 6.40 Uhr

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