Drei Fläschchen Corona-Impfstoff der Firma Biontech stehen auf einem Tisch, davor liegt eine Nadel.

Der Corona-Impfstoff ist in greifbarer Nähe. Bald schon sollen die ersten Spritzen gesetzt werden. Inzwischen ist auch klar, welche Bevölkerungsgruppen Vorrang bei der Imfpung haben sollen.

In vielen Fällen beschließt die Politik etwas nicht einfach so, sondern lässt sich von den jeweiligen Experten beraten. So ist es auch in der Zeit der aktuellen Corona-Pandemie. Gerade in dieser Zeit. Und so haben sich Bundesregierung, Ständige Impfkommission und Deutscher Ethikrat zusammengesetzt und beraten. Beispielsweise über die Frage: Wer soll zuerst geimpft werden, wenn es diese Möglichkeit gibt?

Zusammen ist man auf die Antwort gekommen, "dass wir zuerst diejenigen schützen sollten, die das höchste Risiko für einen schweren oder auch tödlichen Verlauf haben, dass wir zunächst diejenigen impfen, die sich um diese Risikogruppen kümmern, und dass wir sicherstellen, dass das öffentliche Leben aufrechterhalten werden kann", so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Ältere, Ärzte, Lehrer

Zuallererst sollen also Menschen mit einem hohen Erkrankungs- beziehungsweise Todesrisiko die schützende Spritze bekommen. Heißt, vor allem Ältere und diejenigen mit Vorerkrankungen. Dann die, die sich um genau solche Menschen kümmern: Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger etwa. Und dann Leute, die das gesellschaftliche Leben aufrechterhalten, beispielsweise Polizisten, Lehrer, Feuerwehrleute.

Allerdings muss diese Reihenfolge nicht zwingend heißen, dass alles nur nacheinander geht. Das hat auch Alena Buyx klargestellt, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates: "Man muss nicht warten, bis die erste Gruppe durchgeimpft ist, bevor man mit der zweiten beginnen kann. Das kann parallel laufen, weil manche Gruppen einfacher und schneller zu impfen sind als andere. Aber es muss sichergestellt werden, dass Kontingente vorgemerkt werden."

Das Vertrauen reicht noch nicht aus

Eines soll es aber auf gar keinen Fall geben: eine Impfpflicht nämlich. Das haben alle politisch Verantwortlichen immer wieder klargestellt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst. Allerdings werben die Experten für eine solche Impfung, denn nur wenn ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung mitmacht, kann das Virus mehr oder weniger besiegt werden.

"Um eine ausreichende Immunität in der Bevölkerung zu erreichen, müssen 70 Prozent der Menschen mitmachen", sagt Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Aber: "Nach derzeitigen Umfragen sind etwa 50 bis 60 Prozent der Menschen bereit, sich impfen zu lassen. Das heißt: Wir müssen zusätzliches Vertrauen in der Bevölkerung gewinnen."

Diskutieren statt polarisieren

Wie genau man dieses Vertrauen schaffen will, ist noch nicht klar. Eines ist aber in den vergangenen Monaten deutlich geworden: Obwohl auch die Wissenschaft nicht immer mit einer Stimme spricht, ist man gewillt, Diskussionen und verschiedene Meinungen in einem zivilisierten Rahmen ablaufen zu lassen. Beim Thema Immunitätsausweis war das zum Beispiel der Fall. Also bei der Frage, ob Menschen, die an Covid-19 erkrankt und wieder gesund geworden sind, einen entsprechenden Nachweis bekommen sollten, um von Corona-Beschränkungen befreit werden zu können.

Die einen im Ethikrat waren dafür, die anderen strikt dagegen. Die Ethikrat-Vorsitzende Buyx plädiert deshalb dafür, dieses Gremium als Beispiel auch für andere Themen heranzuziehen. In bestimmten Debatten werde zunehmend polarisiert, warnt Buyx. "Da steht es einem Ethikgremium sehr gut an zu zeigen: Wir haben unterschiedliche Ansichten, aber wir können sachlich darüber sprechen."

Licht am Ende des Tunnels

Das gelte auch für die bevorstehende Schutzimpfung gegen das Coronavirus. Es ist jedenfalls angerichtet und das Licht am Ende des dunklen Tunnels wird immer heller. Jetzt muss nur noch jeder für sich die Frage beantworten: Will ich mich auch impfen lassen oder nicht?

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 23.11.2020, 15-18 Uhr

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