Eine Hand, bekleidet mit Schutzhandschuh, führt ein Teststäbchen in die Nase einer Frau ein.

Wer wissen will, ob er sich mit dem Coronavirus infiziert hat, muss immer öfter selbst zahlen. Denn offiziell verordnete Test gibt es immer seltener. Aber wo in Hessen kann man sich eigentlich testen lassen? Ein Überblick.

Einen Coronatest kann man zum Beispiel bei privaten Drive-In-Stationen machen. Fensterscheibe runter, Mund auf, Stäbchen rein, fertig. Der Coronatest im Auto dauert nur ein paar Minuten. In Linden bei Gießen kann sich seit Dienstag jeder testen lassen, der wissen will, ob er Corona hat. Ohne Vorgespräch mit dem Arzt oder Anweisung des Gesundheitsamts. Dafür auf eigene Kosten.

Ein junger Mann gehört zu den ersten, die's ausprobieren: "Ich habe eine Nachricht von meinem Cousin bekommen, dass er positiv ist und dann haben wir nach einer schnellen Möglichkeit gesucht, einen Test zu machen. Und dann ging’s eigentlich reibungslos und schnell. Sowas habe ich gesucht und gefunden."

Immer mehr private Testanbieter

Betreiberin der Drive-In Teststation ist Silke Helffenstein. Sie ist eigentlich Tierärztin, hat sich aber in der Corona-Pandemie weiterqualifiziert, um zu helfen, sagt sie. Der Wunsch nach Tests sei groß. Dafür hat sie ihren Hof umgerüstet, einen Arbeitsbereich inklusive weißem Zelt eingerichtet, um die Abstriche zu machen. "Sie bekommen das Ergebnis nach 48 Stunden, es kostet 85 Euro, die man privat bezahlen muss, und dann kann man das Ergebnis online abrufen. Es ist also nicht erforderlich, dass man nochmal hierher kommt."

Es gibt immer mehr private Testanbieter in Hessen: In Frankfurt hat beispielsweise ein Internist ein Wasserhäuschen umgerüstet. Für 40 Euro bietet er einen Antigen-Schnelltest an, schon nach 20 Minuten bekommen die Kunden das Ergebnis. Aber auch private Labore bauen ihre Kapazitäten aus oder auch das Deutsche Rote Kreuz: In Frankfurt und Fulda gibt es zum Beispiel schon Testzentren für Selbstzahler. Für die meisten Hessen ist das die einzige Möglichkeit, sich testen zu lassen.

Offiziell verordnete Tests vor allem für Menschen mit Symptomen

Einen kostenlosen Test offiziell verordnet zu bekommen, wird nämlich immer schwieriger, sagt Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen: "Bei uns in den Testzentren sollen Menschen getestet werden, die Symptome haben, erhöhte Temperatur oder Atemnot haben und die dahin geschickt werden, über den Hausarzt, den Ärztlichen Gesundheitsdienst oder die Gesundheitsämter."

Damit folgt die Kassenärztliche Vereinigung den jüngsten Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, sich bei den Tests vor allem auf Menschen mit Corona-Symptomen zu konzentrieren: "Es wird schon geschaut, ob jemand hingeht, weil er einfach nur einen Test haben will oder es medizinisch indiziert ist. Die Ressourcen sind begrenzt, was Test- und Laborkapazitäten angeht. Deshalb muss man darauf achten, dass die Tests für die vorbehalten sind, die sie wirklich brauchen."

Für Massentest wird es nicht reichen

Im Moment werden etwas weniger Tests gemacht als noch vor zwei, drei Wochen. Die Labore sind zu 81 Prozent ausgelastet, sagt der Verband akkreditierter Labore in der Medizin. Auch das Testangebot privater Anbieter ist also begrenzt: Die kleinen schaffen teilweise nicht mal 100 am Tag, das Unternehmen Centogene am Frankfurter Flughafen kann immerhin bis zu 10.000 machen. Doch für Massentests wird das nicht reichen: Wenn sich zum Beispiel vor Weihnachten viele Hessen testen lassen möchten, bevor sie ihre Familien besuchen, werden die Testkapazitäten wohl nicht ausreichen.

Sendung: hr-iNFO "Das Thema", 19.11.2020, 15 bis 18 Uhr

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