Notruf 112
Notruf 112 Bild © picture-alliance/dpa

Bundesgesundheitsminister Spahn will die Notfallversorgung in Deutschland reformieren. Dabei geht es auch um die Notrufnummern. Doch die sind ohnehin nicht alle bekannt.

Die Notfallnummer 116 117 gibt es erst seit 2012. Sie wurde damals aus dem gleichen Grund eingeführt, den Jens Spahn jetzt anführt: Sie sollte die überfüllten Notaufnahmen in den Krankenhäusern entlasten.

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An Feiertagen, Wochenenden und in der Nacht werden die Anrufenden direkt an einen Arzt oder eine Leitstelle in der Nähe weitergeleitet. Die Nummer sollen Patienten in dringenden, jedoch nicht lebensbedrohlichen Fällen wählen. Sie ist damit kein Ersatz für die Notrufnummer 112.

Trotzdem kennen viele nur die 112. Wählen sie diese Nummer, landen sie beim Feuerwehr-Rettungsdienst. Der ist aber nur für lebensbedrohliche Erkrankungen zuständig. Und weil kein Laie das so genau unterscheiden kann, wählt er eben lieber die 112 oder geht direkt in die Notfallaufnahme des Krankenhauses.

Notfall oder nicht? 

Studien zufolge steigen die Patientenzahlen in den Rettungsstellen der Krankenhäuser jährlich um vier bis neun Prozent. Und das liegt eben auch daran, dass dort Patienten auflaufen, die eigentlich auch vom Hausarzt hätten versorgt werden können - oder in den Zeiten, in denen der Hausarzt keine Sprechstunde anbietet, den richtigen Ansprechpartner gefunden hätten, hätten sie die 116 117 gewählt.

Weitere Informationen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant eine Reform der Notfallversorgung. Dem Gesetzentwurf zufolge soll die Nummer 116 117 mit der 112 zusammengeschaltet werden. Auf der anderen Seite der Leitung soll dann medizinisch qualifiziertes Personal ermitteln, ob Anrufern im Krankenhaus oder bei einem ambulanten Arzt am besten geholfen werden kann.

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Aber wann ist man ein Fall für die 116 117? Erwachsene Patienten mit Fieber wären zum Beispiel ein Fall für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Ein echter Notfall - also ein Fall für die 112 - läge zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit vor, bei erheblichen Bewusstseinstrübungen, schwerer Atemnot, starken Brustschmerzen, Herzbeschwerden oder großflächigen Verbrennungen.

Kostenlos, europaweit

Wer sich nicht sicher ist, für den ist die 116 117 trotzdem richtig. Dort können die Ärzte entscheiden, ob vielleicht doch ein Notfall vorliegt und direkt einen Rettungswagen zum Patienten schicken. 

Die 116 117 gilt übrigens, wie die 112 auch,  europaweit und der Anruf ist kostenfrei – egal, ob Sie über das Festnetz oder mit dem Mobiltelefon anrufen. Immerhin: Im Jahr 2017 haben bundesweit über 6,5 Millionen Anrufer die Nummer gewählt, am häufigsten samstags zwischen 9 und 10 Uhr. Und nein, sie können nicht 116 oder 117 wählen. Die Nummer ist sechsstellig: 116 117.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.7.19 15-18 Uhr

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