Braunkohlekraftwerk
Bild © picture-alliance/dpa

Umweltschützer fordern, dass Deutschland schnellstmöglich aus der Kohle aussteigen soll, die Industrie hält dagegen. Und die Parteien sind durchaus gespalten in der Frage, wie und wie schnell man sich davon verabschieden sollte. Was spricht für und was gegen die Stromerzeugung aus Braunkohle?

Die Kosten

Pro Braunkohle: Die Stromerzeugung mit Braunkohle ist vergleichsweise günstig. Unter anderem, weil viele der älteren Meiler bereits abgeschrieben sind und die neueren effizient laufen. Die reinen Kosten für die Erzeugung von Strom durch Braunkohle liegen unter denen von Steinkohle oder Erdgas. Und das hält auch den Strompreis niedrig.

Contra Braunkohle: Für einen schnellen Ausstieg sprechen die Gesamtkosten. 46 Milliarden Euro im Jahr kosten uns die Kohlekraftwerke – das hat das Umweltbundesamt ausgerechnet. Gemeint sind Kosten für die Gesellschaft, denn die Kohlekraftwerke pusten nicht nur klimaschädliches CO2 in die Luft, sondern auch andere Schadstoffe wie beispielsweise Quecksilber oder Feinstaub. Und der kann krank machen. Allerdings wisse das kaum jemand, sagt Astrid Matthey vom Umweltbundesamt: "Es steht halt nicht an jedem Fall von Asthma oder Herzkreislauferkrank dran‚ zu 40 Prozent erzeugt durch Braunkohleverstromung".

Die Umwelt

Gibt es auch positive Umweltaspekte? Zumindest hat die Braunkohle dafür gesorgt, dass Deutschland den Ausstieg aus der Atomkraft auf den Weg bringen konnte. Die Kohlekraftwerke haben zu einem großen Teil diesen Verlust in der Energieversorgung ausgeglichen.

Aber Braunkohle ist der dreckigste Energieträger überhaupt. Allein die Braunkohlebranche ist für die Hälfte der CO2- Emissionen der Stromerzeugung verantwortlich. Beim Verbrennen der Braunkohle entsteht mehr als doppelt so viel CO2 wie beim Verbrennen von Erdgas. Die meisten Treibhausgase in Deutschland entstehen durch die Energieerzeugung. Wenn Deutschland seine Klimaziele schaffen will, geht das nur, wenn auch die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Abgesehen von den Schadstoffen wie Quecksilber, Stickoxide, Blei oder Arsen, die durch die Schornsteine in die Luft gepustet werden. Die Schwermetalle sind schlecht für Mensch und Natur. Hinzu kommen die großen Eingriffe in die Landschaft wie beispielsweise die Rodung von Wäldern wie im Hambacher Forst.

Die Versorgungssicherheit

Der ehemalige Bundesarbeitsminister Sigmar Gabriel watschte den Kohleausstieg stets ab: "Ich halte überhaupt nichts davon, so zu tun, als könnte man zeitgleich zum Atomausstieg auch einen Kohleausstiegsplan machen." Das Problem: Den Strom aus den Erneuerbaren Energien kann man schlechter speichern und ist deswegen sehr abhängig von Wind und Sonne. Es gibt Experten, die fürchten, dass es dann ohne Kohle zu Stromausfällen kommen könnte, weil die Erneuerbaren Energien es nicht schaffen, Deutschland zu versorgen. Die Kohle deckt nämlich immer noch fast 40 Prozent der öffentlichen Stromversorgung. Mehr als die Hälfte davon entfallen dabei auf die Braunkohle.

Befürworter eines schnellen Kohleausstiegs verweisen auf ungenutzte Gaskraftwerke, die eingestellte Braunkohlekraftwerke ersetzen könnten. Außerdem werde die Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien weiter ausgebaut.

Die Arbeitsplätze

Im Braunkohletagebau verdienen Menschen ihr Geld. Nach Angaben des Bundesverbands Braunkohle waren im vergangenen Jahr knapp 21.000 Menschen in der Braunkohleindustrie beschäftigt. Außerdem seien noch deutlich mehr indirekt von Braunkohle abhängig. Ein schneller Ausstieg aus der Braunkohle würde vor allem das Rheinland und die Lausitz treffen, wo der Tagebau eine besonders große Rolle spielt.

Bis zu einem endgültigen Braunkohleaussieg wären allerdings viele Mitarbeiter bereits im Ruhestand. Bis zu einem vergleichsweise frühen Ausstiegstermin im Jahr 2030 wären schätzungsweise fast zwei Drittel schon in Rente. Es geht de facto um ein paar tausend Arbeitsplätze in einer ohnehin nicht mehr zukunftsweisenden Industrie. Zum Vergleich: Im Sektor der Erneuerbaren Energien arbeiten rund 300.000 Menschen, Tendenz steigend.

Sendung: hr-iNFO, 27.9.2018, 7:20 Uhr

Jetzt im Programm