NASA-Originalaufnahme von Edwin Aldrin auf dem Mond neben einer amerikanischen Flagge.

Am 21. Juli 1969 haben Menschen zum ersten Mal den Mond betreten. Heute, 50 Jahre später, ist das Interesse fast so groß wie damals: Mehrere Länder wollen wieder Menschen auf den Erdsatelliten bringen. Unser Weltraumexperte Dirk Wagner erklärt, warum das aus wissenschaftlicher Sicht noch immer spannend ist.

Was war in den 60er Jahren der Grund, Menschen auf den Mond zu bringen?

Es gab natürlich ein großes Interesse in der Wissenschaft, den Mond zu erforschen. Das Programm Apollo war aber vor allem politisch motiviert: Die USA wollten endlich einen Sieg erringen im Wettstreit mit der Sowjetunion um die Vorherrschaft im All. Deshalb hat Präsident John F. Kennedy im Mai 1961 das Ziel ausgegeben, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen  auf den Mond und sicher zurückzubringen. Bis dahin war die Sowjetunion fast immer vorne im Weltraum (erster Satellit im All, erster Mensch im All), die USA hat wie ein 'zweitklassiger Betrieb' ausgesehen.

Nachdem das Ziel von Apollo erreicht wurde, war bald Schluss mit der benannten Raumfahrt zum Mond (Dezember 1972). Jetzt erlebt sie eine Art Renaissance. Welche Rolle spielt die Politik dabei?

Der Anspruch, den anderen Ländern zu zeigen, was man in der Raumfahrt kann, schwingt auch heute noch mit - zu zeigen, dass man technisch gesehen an der Spitze der Welt steht. Das kann man aus den Äußerungen der Politiker in den USA heraushören: Vizepräsident Mike Pence hat vor kurzem verkündet, bis 2024 wieder Amerikaner zum Mond zu bringen. Präsident Donald Trump hat allerdings getwittert, die NASA solle lieber über den Mars reden und die Rückkehr zum Mond nicht so sehr in den Vordergrund stellen. Es geht also auch um Politik.

Für China ist das ebenfalls ein wichtiger Punkt. Das Land darf nicht mitmachen bei der Internationalen Raumstation, weil die USA u.a. Technik-Spionage befürchten. Deswegen arbeitet China an einer eigenen, großen Raumstation in der Erdumlaufbahn und an einem eigenen Mond-Programm. Bei der Erforschung des Mondes arbeiten die Europäer übrigens mit den Chinesen zusammen.

Eine Zeitreise in die Anfangstage des Sonnensystems

Ist der Mond heute überhaupt noch interessant für die Wissenschaft?

Ja, unbedingt. Der Mond ist eine Art Archiv des Sonnensystems, er ist seit seiner Entstehung kaum verändert – abgesehen von den Kratern, die durch Einschläge von Asteroiden oder Meteoriten entstanden sind. Dort oben gibt es keinen Wind, keinen Regen, keine Erosion - dort verwittert nichts. Das heißt: Wenn wir den Mond untersuchen, ist das wie eine Zeitreise zurück in die Anfangstage des Sonnensystems. 

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Die Theorie besagt, dass der Mond aus der Erde entstanden ist. In der Frühzeit wurde unser Planet von einem anderen, großen Planeten getroffen. Dabei sind beide miteinander verschmolzen - ein Stück der Ur-Erde wurde herausgebrochen. Das sehen wir heute als unseren Mond am Himmel. Es ist eine eigene Welt, direkt vor unserer kosmischen Haustür, von der wir etwas lernen können über unsere Erde. Bislang sind nur zwölf Menschen auf dem Mond gewesen - an sechs Landestellen, die sich alle auf der erdzugewandten Seite befinden. Es gibt also noch viel zu entdecken, zumal die Rückseite auch ein perfekter Standort für Teleskope wäre, um ungestört weit ins All hinauszuhorchen oder zu -schauen.

Es ist immer wieder die Rede davon, dass der Mond ein Sprungbrett zum Mars sein könnte. Inwiefern?

Der Mond ist ein ideales Trainingslager für Flüge zum Mars. Dort könnten Astronauten die Technik ausprobieren, die man auf so einer Reise braucht. Zum Beispiel, wie man eine Basis aufbaut und betreibt, die Lebenserhaltungs-Systeme, Fahrzeuge usw. Der große Vorteil dabei ist: Wenn etwas schief geht, ist man in einigen Tagen wieder auf der Erde. Eine Reise zum Mars dagegen wird mindestens ein halbes Jahr dauern - allein der Hinflug -, weil er so weit entfernt ist. Da ist schlau, das vorher auf dem Mond zu testen. Es gibt auch die Vision, auf dem Mond Treibstoff herzustellen für Flüge zum Mars - so eine Art Tankstelle. Das ist aber sehr aufwendig. Man müsste auch erst mal ausprobieren, ob das funktioniert.

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