Armin Laschet

Wenn man Besuch bekommt, der einem sehr wichtig ist, dann überlegt man sich etwas Schönes. Vor einem Monat war Bundeskanzlerin Merkel zu Besuch beim bayerischen Ministerpräsidenten Söder, jetzt ist NRW-Ministerpräsident Laschet dran. Womit will er bei Merkel punkten?

Wenn Armin Laschet, die rheinische Frohnatur, etwas Besonderes ankündigt, dann klingt das so: "Die nächste Kabinettssitzung ist am kommenden Dienstag. Dann werden wir die Bundeskanzlerin in Nordrhein-Westfalen begrüßen."

Ist das nun kalkuliert? Gedämpfte Vorfreude oder gespielte Nüchternheit? Die Kanzlerin kommt schließlich nicht alle Tage vorbei. Dieser Besuch hat allerdings schon vor Wochen seinen einzigartigen Glanz verloren. An dem Tag, an dem ein anderer Laschet die Merkel-Show stahl: Markus Söder.

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Das bayerische Kabinett tagte Mitte Juli hochherrschaftlich im Schloss Herrenchiemsee. Merkel zu Ehren oder besser Söder zu ehren – der genoss nämlich ganz offensichtlich die Spekulationen um die Kanzlerin-Nachfolge und setzte sich mit Merkel gekonnt in Szene. Vor dem Schloss, im Schloss, auf dem Schiff und in der Kutsche. Markus, der erste von Bayern.

Maloche statt Prunk

"Ich kann nur sagen, Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten, und der hat mich heute eingeladen. Mehr können Sie da von mir nicht hören", sagte Merkel. Das reichte ja auch schon. Dass Merkel, die personifizierte Bodenständigkeit, diese Söder-Inszenierung mitspielte, heizte weitere Spekulationen an und Armin Laschet vermutlich auf.

Wie kann er es jetzt schaffen, Söder in den Schatten zu stellen? Unmöglich, Merkel in ein Schloss in NRW einzuladen. Und so kommt es zum Kontrastprogramm: die Zeche Zollverein. Das vermutliche Laschet-Kalkül: Maloche statt Prunk, Bescheidenheit statt Größenwahn. Es ist der zweite Akt im Vorwahlkampf. Die CDU braucht einen neuen Chef und die Union einen Kanzlerkandidaten.

Wer führt am besten? Wer kann Corona-Krise? Das Krisenmanagement prägt den Konflikt zwischen Söder und Laschet. "Nein, es gibt viele Gemeinsamkeiten. In Bayern gelten doch fast die gleichen Regeln wie in Nordrhein-Westfalen. Das ist aus meiner Sicht ein künstlich zugespitzter Konflikt", sagte Laschet.

Ist er kanzlertauglich?

Zugespitzt mag sein, aber künstlich? Markus Söder beteuert bei jeder Gelegenheit, dass sein Platz in Bayern sei, befeuert aber gleichzeitig die Spekulationen um seinen Platzwechsel nach Berlin. Armin Laschet ist da deutlicher. Er pokert nicht, sondern formuliert glasklar seinen Anspruch.

Allerdings haftet ihm der Ruf an, nicht unbedingt kanzlertauglich zu sein, nicht zuletzt durch sein instabiles Corona-Krisenmanagement. Söder machte es lange Zeit besser, fuhr den Merkel-Kurs und erntete ihr Wohlwollen. Dann fiel ihm das Urlauber-Test-Desaster auf die Füße. Ob Söders Skandal Laschet nützt? Kaum jemand greift Söder deswegen öffentlich an.

Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen: eine Standortbestimmung

Und vor der Ernennung zum Kanzlerkandidaten muss Laschet schließlich erst einmal CDU-Chef werden. Und die Chancen darauf? "Die Chancen sind gut und wir werden das im Dezember sehen", sagte Laschet.

Dezember, dann wird Laschet eine ganz andere Wahl längst hinter sich gebracht haben: die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, eine Standortbestimmung. Verliert die CDU, könnte Laschets Platz in NRW bleiben. Und die Kanzlerkandidatur würde Söder mit Merz oder Röttgen ausmachen. Oder, wer weiß: mit dem, der eigentlich Laschet-Vize werden will, mit Jens Spahn.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 18.8.20, 6-9 Uhr

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