Lukaskrankenhaus
Lukaskrankenhaus in Neuss Bild © hr

Moderne Medizin und moderne Technik gehören längst untrennbar zusammen. Von der virtuellen Patientenakte bis zum vernetzten EKG-Gerät. Doch die Digitalisierung macht Krankenhäuser nicht nur leistungsfähiger und effizienter, sondern auch angreifbarer: für Hacker.

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zum Artikel S2 Folge 1: Blackout

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Wenn Sie heute zum Arzt gehen, dann kennen Sie das: Ihre persönlichen Daten schaut sich ihr Hausarzt auf einem Monitor an. Was Sie über Ihre Beschwerden sagen, wird sofort im PC gespeichert. Genauso wie alle Befunde. In einem Krankenhaus geht das noch viel weiter. Denn moderne Medizin ist heute untrennbar mit moderner Technik verbunden. Und das heißt: Auch medizinische Geräte wie EKG-Geräte oder Computertomographen sind ganz selbstverständlich in Kliniknetzwerke eingebunden und werden mit Hilfe von Software gesteuert. "Ohne IT geht's nicht, Punkt", sagt Dr. Klaus Reinartz, Leiter der Zentralambulanz im Lukaskrankenhaus im nordrhein-westfälischen Neuss. "Wir sind schon sehr fixiert auf IT-Technologie."

Dr. Nicolas Krämer ist der Kaufmännische Geschäftsführer des Lukaskrankenhauses. Und damit der Manager einer Klinik, die schon früh auf Digitalisierung gesetzt hat. Krämer verbindet damit Visionen. Visionen in Sachen Diagnose: "Bereits in wenigen Jahren werde ich für unter 100 Euro die komplette menschliche DNA sequenzieren können. Und einem Menschen genau aufzeigen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit er in einem bestimmten Lebensalter eine bestimmte Krankheit erleiden wird". Aber auch Visionen in Sachen Heilung: "Es wird auch möglich sein, diesem Menschen konkret aufzuzeigen, welchen Bakterienmix er seinem Essen beizumischen hat, damit diese Krankheit nicht zum Ausbruch kommt".

Digitalisierung hat Krankenhaus-Alltag verändert

Das alles ist Zukunftsmusik. Aber schon heute hat die Digitalisierung den Alltag im Krankenhaus spürbar verändert. Patienten, deren persönliche Daten schon bei der Anmeldung digital erfasst werden. Virtuelle Patientenakten, in denen Krankheitsverlauf, Laborwerte, Untersuchungsergebnisse, Röntgenbilder und Medikation abgespeichert sind. Vernetze Medizinische Geräte. Und Ärzte, die mit dem Tablet am Patientenbett stehen, und dort auf alle Daten jederzeit zugreifen können. Das alles gibt es heute schon. Allerdings: Nicht nur aus rein medizinischen Gründen, sondern auch aus finanziellen. "Allein die Dokumentations-Tätigkeiten werden durch die Digitalisierung massiv beschleunigt", sagt Nicolas Krämer. "Alles geht schneller. Und dadurch steigt die Wirtschaftlichkeit."

Computer, die nach der Hackerattacke im Lukaskrankenhaus in Neuss aussortiert werden mussten
Computer, die nach der Hackerattacke im Lukaskrankenhaus in Neuss aussortiert werden mussten Bild © Lukaskrankenhaus Neuss

Doch zur Digitalisierung gehören auch Risiken und Nebenwirkungen. Risiken im Bereich Cybersicherheit. Jedes zusätzliche Gerät in einem weit verzweigten Kliniknetzwerk kann zu einem potenziellen Einfallstor für Hacker werden. Wenn es nicht richtig abgesichert ist. Oder die Software Sicherheitslücken hat.

Dramatische Folgen für die Patienten

Wie weitreichend die Folgen einer Hackerattacke auf ein Krankenhaus sein können, hat auch das Lukaskrankenhaus schon zu spüren bekommen. Im Februar 2016 wird das Klinik-Netzwerk von einem Schadprogramm infiziert. Die hochdigitalisierte Klinik muss ihre gesamte IT abschalten. Und das über Tage. "Wir hatten praktisch keine Chance mehr, noch Arbeiten zuende zu führen". sagt Klaus Reinartz, "sondern die Rechner gingen aus".

Die Folgen sind dramatisch: Die Bestrahlung von Krebspatienten muss ausgesetzt werden. Operationen werden verschoben. Das Labor kann nur noch eingeschränkt arbeiten. Die Medikamentenversorgung gerät ins stocken. Der Rettungsdienst muss Notfälle in anderen Kliniken versorgen lassen. "Festzustellen, wie sehr wir in einem Krankenhaus mittlerweile von der Digitalisierung auch abhängig sind. Und festzustellen, dass wir gar keine Notfallpatienten mehr aufnehmen durften, weil es viel zu riskant gewesen wäre: Das war der größte Schock", sagt Klinikmanager Nicolas Krämer.

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Heute, rund zwei Jahre später, hat er sein Haus neu und sicherer aufgestellt in Sachen IT-Sicherheit. Aber er sagt auch: In einem hochvernetzten Krankenhaus bleiben immer Restrisiken. "Ich kann deswegen auch nicht ausschließen, dass sich das, was sich hier im Februar 2016 ereignet hat, nicht eines Tages wiederholt. Ein 100-prozentiges Sicherheitsgefühl werden wir nie haben."

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