Zwei Hände überreichen den Kulturpass
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Kultur für alle? Die Preise mancher Kulturinstitutionen können sich nicht alle leisten. Doch auch für sie gibt es in Hessen ein Angebot.

Für Rolf Schäfer aus Frankfurt wäre ein normaler Theaterbesuch viel zu teuer. Mit einer Rente von 780 Euro im Monat muss der 70-Jährige auf jeden Cent schauen. Umso mehr liebt er seinen Kulturpass. Mit der kleinen blauen Karte, die an eine Scheckkarte erinnert, geht er in Konzerte, ins Kino oder ins Museum. "Ich gehe seit Jahren – vorher auch schon, aber nicht so viel, denn Museen an sich sind teuer. Das Städel am Wochenende kostet 14 Euro. Das ist schon Geld", so Schäfer.

Der Kulturpass ist ein Angebot in Frankfurt für Menschen wie Rolf Schäfer, damit sie sich Kultur leisten können. Sie sollen dabei aber nicht das Gefühl haben, Menschen zweiter Klasse zu sein. Götz Wörner, Gründer des Vereins Kultur für Alle, hat den Kulturpass entwickelt. Ihm wurde schnell klar, dass er nicht etwas Vergleichbares wie die Lebensmittel-Tafeln machen wollte – also Almosen verteilen. "Ich möchte, dass die Menschen in den Institutionen, egal ob sie jetzt ins Museum gehen oder in den Rock ’n’ Roll-Club 'Das Bett', einen Euro Eintritt bezahlen. Das stellt für die Menschen so eine Art Würde her", sagt Wörner.

Oder gezielt Kulturgäste ansprechen

Mit dem Kulturpass kann Rolf Schäfer jedes Angebot nutzen, das er möchte – selbstbestimmt. Über 200 Kulturinsitutionen aus Frankfurt und Umgebung machen inzwischen mit. Unter anderem alle städtischen Museen, die Alte Oper, der Hessische Rundfunk, mit hr-Bigband und hr-Sinfonieorchester oder der Musikclub "Das Bett". Der Verein "Kulturloge" in Marburg arbeitet nach einem anderen Modell. Hier geben die Kulturveranstalter Tickets an den Verein zum Beispiel von Veranstaltungen, die nicht ausgebucht sind – also meistens Restkarten. Der Verein vermittelt die Tickets dann an interessierte Menschen mit wenig Geld weiter.

Die müssen sich im Vorfeld registrieren und ihre Interessen angeben. Ein relativ hoher organisatorischer Aufwand, der sich aber lohne, sagt die Vorsitzende Alexandra Klusmann. "Wenn man in der Datenbank guckt, wer hat sich denn zum Beispiel für klassische Musik eingetragen oder wer interessiert sich für Kino? Dann kann man sehr gezielt und genau unsere Kulturgäste ansprechen und fragen, wer dann an dem Tag Zeit und Lust hat, dort in die Veranstaltung zu gehen", erklärt sie.

Glück für ein ganzes weiteres Jahr

Die Kulturloge in Marburg erreicht nach Angaben zwischen 700 und 800 Menschen im Jahr. Im vergangenen Jahr wurden über 1800 Tickets vergeben plus 500 Karten für Kinder und Jugendliche. Nach demselben Prinzip wie in Marburg arbeiten in Hessen auch noch die Kulturlogen in Gießen, Hanau, Eschwege und Kassel. In Bad Homburg gibt es den Verein Kulturleben Hochtaunus. Auch hier werden Restkarten an Kulturinteressierte mit wenig Geld vermittelt.

In Frankfurt sind aktuell etwa 7000 Bedürftige mit dem Kulturpass unterwegs und nutzen ihn ganz unterschiedlich. "Es gibt Leute, von denen ich weiß, dass die von Museum zu Museum rennen oder von Konzert zu Konzert. Es gibt aber andere für die ist das vielleicht nur ein Mal im Jahr wichtig, weil sie im Weihnachstfest sich ein Bachoratorium anhören möchten“, sagt Wörner. Auch das sei gut und genug und könne manchmal ein Glück geben für ein ganzes weiteres Jahr, sagt er. Oder sogar für’s ganze Leben.

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 13.3.2019, 7:50 Uhr

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