Symbolbild Einkommensunterschiede

An welchen Themen machen die Menschen Spaltung in Deutschland fest? Dazu haben wir zum einen bei infratest-dimap eine Studie in Auftrag gegeben. Und wir sind durch Hessen gefahren und haben die Menschen interviewt.

Konfliktpunkt Einkommen und Vermögen

Das Ergebnis der Studie von infratest-dimap ist sehr klar: 83% der Befragten sehen ein sehr großes oder großes Problem darin, dass die Menschen in Deutschland sehr unterschiedlich über Geld verfügen. Die einen haben ein sehr hohes Einkommen, die anderen ein sehr niedriges. Dazu kommen Vermögensunterschiede.

Das ist ein Konflikt, meint auch Eleonore Jungmann-Ginkel, 69, aus Lorsch: "Es ist eine Schande für unsere Gesellschaft, dass diejenigen, die sich um Menschen kümmern, schlechter bezahlt werden, als diejenigen, die Geld vernichten. Es kann nicht sein, dass eine Erzieherin sich selbst keine Kinder "leisten" kann, weil sie nicht das Geld dafür bekommt."

Infratest Spaltung

Der 21jährige Student Yannik Steffel aus Frankfurt sieht es anders: "Es sollte schon Unterschiede geben, weil ein Manager in höherer Position auch mehr Verantwortung hat. Das ist eine kontroverse Position, mit der ich hier bei meine Kommilitonen auch anecke, aber ich finde wir leben in einer Leistungsgesellschaft."

Viel Geld oder wenig Geld haben: das schafft Konflikte in der Gesellschaft. Über 80% der Befragten meinen das - Männer wie Frauen, in allen Altersgruppen, mit Ausnahme der FDP auch die Anhänger aller Parteien.

Ungleiche Bildungschancen

Als weiteres Thema werden in der Studie die Unterschiede in Bildungs- und Qualifikationschancen benannt - für 67 Prozent ein sehr großes oder großes Problem. Auch für Moritz Ley, 25, aus Reinheim: "Ich glaube das Bildung einer Spaltung vorbeugen kann. Wenn wir alle dieselben Chancen haben, zur Schule zu gehen und uns auch kulturell zu bilden – ich glaube das beugt dem Ganzen vor."

Auch das Thema Bildung wird quer durch die Parteianhängerschaften hoch bewertet, am geringsten von den FDP Anhängern. Die Bildungsabschlüsse der Befragten führten hier kaum zu Unterschieden bei den Antworten.

Zu viel und zu wenig Toleranz

Ein großes Thema für die Menschen in Deutschland sind die Unterschiede in der Toleranz gegenüber der Meinung anderer Menschen. Für 66 Prozent der Befragten sind sie ein sehr großes oder großes Problem.

Jermaine Walter, 33, aus Wiesbaden erlebt es auch so: "Im Moment ist es so, dass sich jeder sein eigenes Süppchen kocht und man dem anderen eher böse ist, als ihm etwas zu gönnen. Bei der Homo-Ehe zum Beispiel: Warum darf ich nicht heiraten, wenn es andere auch tun? -  Und das Argument wenn man als Christ sagte „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, aber diesen einen Menschen darf man dann doch nicht lieben – das tut mir weh. Warum kann man sich da nicht zusammensetzen und eine Lösung finden?“

Bemerkenswert: überdurchschnittlich oft bewerten Anhänger der AFD die Toleranzunterschiede, gleich gefolgt von Anhängern der Grünen. Die Meinungsforscher werten es so, dass hier Pole erkennbar sind. Für die einen ist es zu viel Toleranz, für die anderen zu wenig.

Kulturelle Unterschiede  

Als sehr großes Problem gleich hinter dem Geld-Thema nennen die Befragten die Unterschiede in Kultur und Religion von Menschen mit verschiedener Herkunft. Für 21% ist das ein sehr großes, für 41% ein großes Problem. Zusammen also 62%. Der 23jährige Student Louis Rettner aus Fulda nimmt die Folgen so wahr: "Im Alltag merkt man, wie viele Menschen ‚Hass‘ gegenüber anderen Menschen haben, weil sie wo anders herkommen, anders aussehen. Und das finde ich zum Teil sehr unbegründet und auch sehr schade. Ich meine man kann da offener rangehen, nicht direkt mit Vorurteilen kommen, sondern sich eine eigene Meinung bilden.“

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Einkommensgefälle gefährdet den Zusammenhalt

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Es gibt zu dem Thema auch überraschende Rückmeldungen. Ein 26jähriger Syrer sagte uns in Gießen, die Deutschen sollten Deutsche bleiben und Spaltung wegen Migration vermeiden. Sie müssten nicht noch mehr Flüchtlinge aufnehmen um zu beweisen, dass sie keine Nazis seien. Das seien sie nämlich nicht.

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