Barbara Hendricks mit dem unterzeichneten Klimavertrag der Weltklima-Konferenz in Paris (2015)
Barbara Hendricks mit dem unterzeichneten Klimavertrag der Weltklima-Konferenz in Paris (2015) Bild © picture-alliance/dpa

Anfang Dezember beginnt in Kattowitz in Polen die nächste Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Diese großen Konferenzen sind aufwendig, anstrengend und teuer. Lohnt sich der Aufwand? Darüber haben wir mit der ehemaligen Umweltministerin Barbara Hendricks gesprochen. Sie hat die Bundesrepublik bei der Klimakonferenzen in Paris 2015 vertreten.

Der Jubel der Delegationen kommt von Herzen, als Frankreichs Außenminister Laurent Fabius im Dezember 2015 das Pariser Klimaabkommen mit einem kleinen grünen Hammer besiegelt. Die Klimakonferenz gilt als eine der wichtigsten der jüngeren Geschichte. In Deutschland ist die internationale Klimadiplomatie Sache des Umweltministeriums. Deshalb führt damals Barbara Hendricks die deutsche Delegation an. Die Ministerin von der SPD ist regelrecht gerührt: "Erleichtert und auch ein bisschen stolz und auf jeden Fall glücklich. Sie kennen mich, ich neige nicht zu großen Worten, aber ich glaube schon, das ist heute ein historischer Moment."

"Da braucht man ein dickes Fell"

Wenn souveräne Staaten zusammenkommen, um sich zu etwas zu verpflichten, ist das immer eine komplizierte Angelegenheit. Keiner kann ihnen vorschreiben, ihr staatliches Handeln zu verändern. Diplomatisches Geschick ist gefragt, zuallererst beim Gastgeber einer internationalen Konferenz. Im Fall der Pariser Klimakonferenz war das Frankreichs Außenminister Fabius. Barbara Hendricks lobt ihn in den höchsten Tönen: "Das war schon hohe diplomatische Schule, die Laurant Fabius hier uns allen gezeigt hat."

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Doch danach verfliegt die Euphorie bald. Wie bei allen Teilnehmerstaaten geht es nun auch in Deutschland an die nationale Umsetzung. Ein mitunter mühsamer Prozess. Im Gespräch mit hr-iNFO erinnert sich Hendricks, die heute als 'einfache' Abgeordnete zur SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag gehört: "Das ist schon hart, das muss man sagen. Wobei man sich immer im Klaren darüber sein muss: Eine Umweltministerin oder ein Umweltminister hat innerhalb der Bundesregierung immer drei natürliche, naja, ich will sagen Gegner, aber mindestens drei Ressorts, die nicht so recht mitmachen wollen. Das ist Wirtschaft, das ist Verkehr und das ist Landwirtschaft." Damit habe jeder Umweltminister zu tun - "egal, wie die politischen Färbungen sind, und da braucht man auch einen langen Atem und ein dickes Fell."

Konferenzen nur das sichtbare Event nach langer Vorarbeit

Klimadiplomatie, das sei das stete Bohren dicker Bretter, sagt eine Insiderin. Jahrelang wurde verhandelt, ob man überhaupt echte Verhandlungen aufnehmen kann. Ein beständiges Geschäft auf Ebene der Beamten, bestätigt auch Barbara Hendricks: "Zum Glück haben wir da auch wirklich hochanerkannte Expertinnen und Experten, die nur in den Kreisen bekannt sind, die sind öffentlich nicht bekannt. Aber die machen das zum Teil schon seit zwei Jahrzehnten und sie machen das mit außerordentlichem Erfolg und haben sehr viel Vertrauen auch für die Bundesrepublik Deutschland aufgebaut." Wenn die Minister, Staats- und Regierungschefs, Wissenschaftler und Aktivisten zum Gipfel anreisen, ist die meiste Arbeit schon gemacht. Die großen Konferenzen sind nur das öffentlich sichtbare Event nach langer Vorarbeit.

Also lohnen sich der ganze Aufwand und die Kosten unterm Strich überhaupt? Oder ist es nicht vielmehr der Einzelne, der großes bewirken kann wenn er sein Verhalten ändert? Die Politik müsse klare Rahmenbedingungen setzen, sagt Hendricks: "Zum Beispiel, wie viel darf so ein Auto noch an CO2 ausstoßen? Oder bei der neuen Flotte jedes Jahr, wie viele Autos kommen da neu auf den Markt und wie sieht die Flotte aus? Solche Rahmenbedingungen muss die Politik setzen, das ist vollkommen klar. Aber: Ja, es kommt auch darauf an, wie die Einzelnen sich entscheiden."

Sendung: hr-iNFO, 19.10.2018, 6:30 Uhr

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