An einer roten Hauswand sieht man die weiße Silhouette eines Mannes am Gehstoch und ihm gegenüber ein Mann mit zwei Kindern
Die Pflege von Angehörigen kann sowohl finanziell als auch psychisch belastend sein. Bild © picture-alliance/dpa

Wenn ein Familienmitglied gepflegt wird, kann das auch die Angehörigen stark belasten, sowohl finanziell, als auch organisatorisch und psychisch. Es gibt aber Hilfsangebote, die in solchen Situationen zur Verfügung stehen.

In der mehrteiligen Serie "Wohin im Alter? Wenn die Eltern Pflege brauchen" begleitet hr-iNFO Familie Goronzy, die sich dazu entschieden hat, die Großmutter in Pflege zu geben. Die Belastung, die Pflege alleine zu Hause zu stemmen, war letztlich zu groß. Mit diesem Gefühl ist die Familie nicht allein. Laut dem Pflegereport 2018 der Barmer-Krankenkasse sind viele pflegende Angehörige körperlich und psychisch überfordert und wünschen sich mehr Hilfe. Wir haben einen Überblick über mögliche Unterstützungsangebote zusammengestellt.

Erstberatung

Wenn das Thema Pflege akut wird, wissen wahrscheinlich die wenigsten, welche Schritte zu unternehmen sind und welche Unterstützung beantragt werden kann. Daher haben Pflegebedürftige und ihre Angehörigen einen gesetzlichen Anspruch auf Pflegeberatung. Bei einer Erstberatung soll dabei die individuelle Situation der zu pflegenden Person betrachtet werden, um den Hilfebedarf festzustellen.

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Zum Artikel Der heiße Draht für pflegende Angehörige

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Außerdem soll diese Beratung Transparenz in Sachen Hilfsangeboten bieten. Erste Anlaufstelle für die Erstberatung sind die Pflegestützpunkte und Pflegekassen. Ziel dieser Beratung ist, zu eruieren, welche Art der Pflege im individuellen Fall optimal ist.

Kontinuierliche Beratung

Wenn Angehörige die Pflege zu Hause übernehmen, führen professionelle Pflegedienste regelmäßige Beratungsbesuche durch. Dies dient zum einen der Unterstützung der Pflegenden, und zum anderen der Qualitätssicherung der Pflege. Daher sind diese Besuche verpflichtend, für Pflegebedürftige im Pflegegrad 2 und 3 alle sechs Monate, im Pflegegrad 4 und 5 alle drei Monate. Sollte bei den Besuchen festgestellt werden, dass die häusliche Pflege nicht in ausreichender Qualität sichergestellt ist, hat der Pflegedienst eine Mitteilungspflicht an die Pflegekassen, die dann entsprechend reagieren kann.

Weitere Informationen

Wichtig: Mehr Infos zum Thema Beratung finden Sie hier.

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Pflegetelefon

Falls es zu Fragen oder Problemen bei der häuslichen Pflege kommt, können die Beratungsangebote des Pflegetelefons in Anspruch genommen werden. Das ist ein Angebot des Bundesfamilienministeriums. Die Nummer lautet 030/20179131, sie ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr erreichbar.

Qualitätssicherung in Pflegeheimen

Wer ein Familienmitglied in ein Heim gibt, weil häusliche Pflege aus individuellen Gründen nicht zu leisten ist, der will natürlich trotzdem, dass es den Liebsten gut geht und sie optimal versorgt sind. Für die Qualitätskontrolle in stationären Einrichtungen und bei ambulanten Betreuungs- und Pflegediensten ist in Hessen die Betreuungs- und Pflegeaufsicht zuständig. Sie führt regelmäßige Kontrollen durch und geht Beschwerden nach. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen können sich mit Fragen und Anliegen an die Pflegeaufsicht wenden.

Weitere Informationen

Wichtig: Informationen zu den sogenannten Pflegenoten sowie die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen sind online abrufbar.

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Finanzielle Unterstützung

Pflege ist teuer. Unter welchen Umständen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen Leistungen der Pflegekassen beantragen können, erfahren Sie in diesem separaten Artikel.

Kontakt zu anderen Pflegenden

Manchmal braucht man jemanden, mit dem man sich über die Erfahrungen in der Pflege austauschen kann. Dazu bieten sich Selbsthilfegruppen und Angehörigengesprächskreise an. Einen Überblick darüber bietet die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).

Dort findet man neben nützlichen Informationen auch Adressen zu Selbsthilfegruppen und Foren, die bundesweit agieren (Grüne Adressen) sowie regionale Angebote (Rote Adressen). Außerdem gibt es die Interessenselbstvertretung pflegender Angehöriger (IspAn), die von der Caritas untersützt wird und sich auch politisch engagiert. In Hessen gibt es einen Standort in Frankfurt.

Pflegekurse

Pflegende Angehörige haben die Möglichkeit, an kostenlosen Pflegeschulungen teilzunehmen. Dazu sind die Pflegekassen verpflichtet. Es gibt mehrere Optionen: ein Pflegekurs gemeinsam mit anderen Pflegenden, oder individuelle Kurse in der heimischen Umgebung, in der dann auch direkt auf individuelle Bedürfnisse eingegangen werden kann. Informationen geben die zuständige Pflegekasse oder die Pflegestützpunkte.

Pflegeurlaub

Wer sich selbstständig um die Betreuung eines pflegedürftigen Angehörigen kümmert, muss auch die Möglichkeit haben, Urlaub zu machen und zu entspannen. Hierfür gibt es zum einen die sogenannte Verhinderungspflege, zu der Sie weitere Informationen hier nachlesen können. Außerdem gibt es unter gewissen Umständen die Möglichkeit, Reha- oder Kuraufenthalte gemeinsam mit den Pflegebedürftigen genehmigt zu bekommen. Dafür sind die jeweiligen Kranken- und Pflegekassen zuständig.

Pflege und Beruf

Die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege ist ein heikles Thema. Allerdings gibt es mittlerweile diverse Angebote, die Pflegende zumindest entlasten sollen. Zum einen kann man sich in einer Notsituation sofort bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen, das nennt sich kurzzeitige Arbeitsverhinderung. Diese kann auch auf mehrere Angehörige aufgeteilt werden. Für die Zeit der Freistellung kann bei der Pflegekasse des zu pflegenden Angehörigen Pflegeunterstützungsgeld beantragt werden.

Pflegende Angehörige können außerdem für maximal ein halbes Jahr Pflegezeit in Anspruch nehmen. Das geht in Voll- und in Teilzeit, muss allerdings mindestens zehn Tage im Voraus angekündigt werden. In dieser Zeit muss mit Gehaltsausfall gerechnet werden, allerdings hat man das Recht auf ein zinsloses Darlehen, das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden kann, und auf Rückkehr in den alten Job. Neben der regulären Pflegezeit gibt es außerdem eine besondere Form der Pflegezeit, bei der man bis zu drei Monate aus dem Beruf aussteigen kann, um einen sterbenden Angehörigen zu begleiten. Auch hier besteht der Anspruch auf das zinslose Darlehen.

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Abgesehen von der Möglichkeit, die Arbeit vollständig ruhen zu lassen, gibt es auch die Option, über maximal zwei Jahre die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren, das nennt sich Familienpflegezeit. Der Arbeitnehmer muss allerdings im Schnitt mindestens 15 Stunden pro Woche weiterarbeiten und beim Angehörigen muss ein anerkannter Pflegegrad vorliegen. Die Familienpflegezeit muss außerdem mindestens acht Wochen vorher angekündigt werden. Auch hier besteht der Anspruch auf ein zinsloses Darlehen.

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Wichtig: Da es immer bestimmte Details zu beachten gilt (z.B. bezüglich Kranken- und Rentenversicherung), ist in allen Fällen eine Beratung durch die Pflegekassen ratsam.

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Ehrenamtliche Pflegebegleiter

Ergänzend zur selbstständigen Betreuung der Angehörigen und/oder der Inanspruchnahme eines professionellen ambulanten Pflegedienstes gibt es ehrenamtliche Pflegebegleiter. Das sind speziell geschulte Freiwillige, die pflegende Angehörige unterstützen. Sie sind meist regional organisiert.

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Serie: Wohin im Alter? Wenn die Eltern Pflege brauchen

Das Thema Pflege ist in aller Munde. Vielerorts wird über fehlende Fachkäfte und schlechte Bezahlung gesprochen. Doch wie sieht es auf der anderen Seite aus? Wie gehen die Familien mit dem Thema um? Wir begleiten eine betroffene Familie und klären die wichtigsten Fragen. Zum Dossier

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