Sandra Müller

Sandra Müller ist Mitarbeiterin der hr-iNFO Politikredaktion und nun Host des neuen U35-Podcasts "Jung.Macht.Politik". Wir haben mit ihr über die Faszination Podcast, den Sex-Appeal von Politik und die Hassliebe zum Laufen gesprochen.

Du bist Host eines Politik-Podcasts. Was findest du an Politik spannend?

Müller: Was ich spannend an Politik finde ist, dass es gefühlt den einen Politikbegriff nicht gibt, das merke ich auch beim Podcast. Man denkt bei Politik an Parteien und das, was im Bundestag passiert.

Aber Politik hat so viele Schichten, so viele Möglichkeiten, wie man sich politisch äußern kann. Das geht von gendersensibler Sprache bis hin zu einer nachbarschaftlichen Handlung, die schon politisch sein kann. 

Engagierst du Dich selbst politisch oder hast Du eine politische Vergangenheit?

Müller: Nein, gar nicht, außer der "Politik und Wirtschaft"-Leistungskurs. Deswegen ist das mit dem Podcast so spannend, weil ich auf Leute treffe, die ganz anders sind als ich. In eine Partei eintreten oder so, das war für mich nie ein Thema. 

"Journalisten sollten möglichst neutral bleiben"

Für welches Thema würdest Du auf die Straße gehen? 

Müller: Ich denke auch bei Journalismus immer, man sollte möglichst objektiv, neutral bleiben. Vielleicht ist das auch eine altmodische Vorstellung, denn natürlich sollte man als Journalist*in immer hinter bestimmten Werten stehen. Das tue ich auch, Menschenrechte und so weiter, keine Frage! Aber nach wie vor finde ich es schwierig, für eine Sache total aktiv zu sein und dann aber gleichzeitig darüber berichten zu müssen. Das muss man trennen. Ich versuche immer, mehr Beobachterin zu sein als etwas anderes. Wenn es eine Sache gäbe, dann wären das wahrscheinlich Opferrechte. Ich bin selbst ehrenamtlich beim Weißen Ring.

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Sandra Müller
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Wie bist Du zum Journalismus gekommen?

Müller: Ich gehöre zu diesen Menschen, die alles schonmal machen und werden wollten, von Schauspielerin und Sängersternchen zur BWL-Studierenden – habe ich alles schon überlegt. Aber ich habe schon immer gern geschrieben, schon als Kind, das hat mir einfach unheimlich viel Spaß gemacht. Und dann fand ich das auch einfach einen wichtigen Berufszweig und bei aller Kritik, die es am Journalismus gibt, stehe ich da auch immer noch dazu.

Welche Podcasts hörst Du selbst?

Müller: Ich bin totaler True-Crime-Podcast-Fan. Sowas wie "Zeit Verbrechen" und auch den "Verurteilt"-Podcast des hr. Ich höre das immer beim Sport. Da gucken mich immer alle schief an, weil alle immer Musik hören beim Laufen und ich denke, wenn mir jemand eine Geschichte erzählt, dann habe ich das Gefühl, es ist nicht so langweilig. Deswegen höre ich beim Sport Podcasts, die sollen mich ablenken vom Laufen, weil ich es so hasse. (lacht)

"Dieses Persönliche ist spannend"

Was findest Du an dem Format Podcast spannend, was ist so besonders dran, dass du es selbst machen wolltest?

Müller: Dieses Persönliche, dass man nicht so abstrakt und distanziert auf Themen schaut, sondern sich auch selbst versucht, mit einzubringen als Host. Dass man guckt, was habe ich denn da selbst für Erfahrungen gemacht? Die kann man dann vielleicht viel besser mit einbringen, als wenn man eine andere Sendung macht, bei der man sich zurückhält und nur berichtet, was ist oder Meinungen zusammenträgt. Das ist natürlich auch ein Risiko, weil du dich verletzlich und angreifbar machst, wenn du eigene Sachen von dir berichtest.

Ist das dein erster eigener Podcast? 

Müller: Ja! Ich habe natürlich schon Politiksendungen gemacht, aber so mit mir als Host, dieser Fokus auf der Person, den habe ich jetzt zum ersten Mal.

Und wie fühlt es sich an?

Müller: Verrückt! Es war ja gar nicht so geplant. Am Anfang stand ja gar nicht fest, was es werden soll. Es war eher so "entwickelt doch mal was".

Warum gerade die junge Zielgruppe?

Zitat
„Politik irgendwie nahbar zu machen und den Zuhörer*innen zu zeigen: Hey, das hat auch was mit dir zu tun – das ist ein Ziel.“
Zitat Ende

Müller: Es gibt dieses Vorurteil, dass junge Leute so politikverdrossen wären und sich alle nicht dafür interessieren würden. Aber wenn man sich zum Beispiel "Fridays For Future" anschaut oder die "Black Lives Matter"-Bewegung, da sind schon viele junge Leute aktiv. Aber klar, es gibt auch die, die nicht motiviert oder interessiert sind. Dabei ist es ja auch irgendwie wichtig, wenn wir alle in dieser Welt leben wollen, dann sollte man sich halt auch ein bisschen dafür interessieren, was um einen herum passiert. Auch bei so sperrigen Sachen wie Wahlen, solltest du halt wissen, was für Parteien es gibt und wie das funktioniert. Wir machen jetzt natürlich keinen Podcast, der den jungen Leuten erklären soll, wie Politik funktioniert. Aber vielleicht zu versuchen, Politik irgendwie nahbar zu machen und den Zuhörer*innen zu zeigen: Hey, das hat auch was mit dir zu tun – das ist ein Ziel.

Trotzdem finden es manche jungen Menschen trocken. Wie erreicht man die?

Müller: Es gibt bei fast allen Themen Leute, die sind sowieso schon krass dabei, und Leute, die sagen, das interessiert mich überhaupt nicht. Und dann Leute in der Mitte, die sagen, interessiert mich schon, aber ist irgendwie nicht so spannend. Der Podcast ist dann nicht unbedingt dazu da, um die krass Unmotivierten zu erreichen. Ich glaube, das ist utopisch zu denken, dass man damit jetzt alle unpolitischen Menschen zu Aktivist*innen macht. Ich will auch niemanden zum Aktivismus treiben. Ich finde es spannend, Menschen vorzustellen, die das in irgendeiner Weise machen, und wenn sich davon jemand inspiriert fühlt – hau rein.

"Möglichst nah dran sein"

Du hast noch keine Zahlen, aber gibt es ein Tool, bei dem du sagst: Damit kriegt man sie?

Müller: Wir versuchen halt, möglichst nah dran zu sein, dadurch dass wir zu den Leuten gehen, dort wo sie aktiv sind. So dass wir draußen sind und es nicht so klinisch nach Studio klingt. Ob das am Ende reicht, weiß ich nicht, aber wir versuchen, nah an der Zielgruppe zu sein und haben am Ende immer ein Spiel drin. Wir dachten Partyspiele, das kennt irgendwie jeder der U35 ist. Man kann das so ein bisschen mit Witz verbinden, dass man sich da nicht so steif gegenübersitzt und über Politik redet, sondern etwas auflockert. Das ist die Hoffnung. Ob das das ist, worauf die Leute gewartet haben, wird sich jetzt zeigen.

Was sind langfristig die Ziele des Podcasts?

Müller: Ein Traum wäre natürlich, man etabliert das Ding, als junger Podcast vom Hessischen Rundfunk, bei dem die Leute Bock drauf haben, ihre Geschichten zu erzählen. Im Idealfall melden sich Leute und sagen, ich habe auch eine spannende Geschichte zu erzählen.

Weitere Informationen

Das Interview führte Lisa Brockschmidt

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Weitere Infos über das Projekt Jung. Macht. Politik. der Uni Mainz in Kooperation mit hr-iNFO gibt es hier. Fragen und Feedback? Gerne per Mail an jungmachtpolitik@hr.de!

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