abwehrende Hände
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Mehr als 20.000 Kinder werden Jahr für Jahr misshandelt. Täter sind meist die eigenen Eltern. Und das häufig, weil sie überfordert sind. Was kann man tun, damit es gar nicht erst soweit kommt?

Dr. Franziska Schreiber
Dr. Franziska Schreiber, Psychologin in der Trauma-Ambulanz Frankfurt Bild © hr

"Am besten ist es, den Eltern früh Angebote zu machen. Gerade Eltern, wo man vielleicht merkt, dass die überfordert sind", sagt Dr. Franziska Schreiber, Psychologin bei der Trauma-Ambulanz in Frankfurt. "Das beginnt manchmal schon kurz nach dem Kreißsaal, dass man Eltern Unterstützungsangebote und Informationen gibt."

Babylotsen

Genau hier setzen die Babylotsen an. Beispiel Frankfurt: Hier werden etwa 13.000 Kinder im Jahr geboren. Rund 3.000 frischgebackende Eltern bekommen Hilfe von Babylotsen. Die Unterstützung kann vielfältig sein, beispielsweise beim Anmelden des Säuglings beim Standesamt.

Weitere Informationen

Babylotsen sind speziell ausgebildete Sozialpädagoginnen, die direkt auf Entbindungsstationen arbeiten. Kontakt und weitere Informationen zu den Babylotsen in Frankfurt finden Sie [hier].

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Nach dem Motto "Erkennen, Klären, Vernetzen" schauen die Babylotsen zusammen mit den Eltern nach Unterstützungsbedarf und vermitteln entsprechende Angebote. "Uns ist es wichtig, dass jede Familie die Ressourcen bekommt, die sie braucht, um gut das Leben mit dem Kind zu gestalten", sagt Nicola Küpelikilinc vom Kinderschutzbund Frankfurt. Nach dem Vorbild der Babylotsen in Hamburg hat der Kinderschutzbund die Idee nach Frankfurt gebracht.

Frühe Hilfen – eine nationale Aufgabe

Nach den schweren Fällen von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung in Deutschland (2005 Jessica, 2006 Kevin und 2007 Lea-Sophie) beginnt ein Umdenken in Deutschland. Es starten Modellprojekte als Frühwarnsysteme wie etwa "Pro Kind" in Niedersachsen oder "Wie Elternschaft gelingt" in Hamburg.

Auch die Frühen Hilfen werden ausgebaut. Im Jahr 2007 gründet sich das Nationale Zentrum Frühe Hilfen vom Bundesfamilienministerium. Mit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes im Jahr 2012 sind die Frühen Hilfen auch gesetzlich verankert. Das Ziel: belasteten Familien im besten Fall schon vor der Geburt oder direkt nach Geburt eines Kindes helfen und Hilfe zur Seite stellen, damit es gar nicht erst zu Misshandlung kommt.

Familienhebammen und Hilfe direkt vor Ort

Unterstützung und Hilfe für Familien in besonderen Lebenssituationen wie etwa minderjährige Mütter oder Mütter mit Drogenproblematik gibt es beim Frankfurter Gesundheitsamt. Dort sind die Frühen Hilfen angesiedelt. Das besondere: hier helfen Familienhebammen oder Kinderkrankenschwestern ein Jahr direkt in der Familie, begleiten sie bei Behördengängen, schauen ganz genau was die Familie und das Baby benötigt, angefangen bei der Babyaussattung über Therapie für die Mutter. Auch in anderen hessischen Städten wie Darmstadt oder Kassel gibt es solche Angebote

Hilfe für überforderte Eltern

Zitat
„Hilfe, ich kann nicht mehr. Mein Baby schreit ununterbrochen und lässt sich einfach nicht beruhigen. Am liebsten würde ich es schütteln …“
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"Hilfe, ich kann nicht mehr. Mein Baby schreit ununterbrochen und lässt sich einfach nicht beruhigen. Am liebsten würde ich es schütteln …". Es sind Situationen wie diese, die die Mitarbeiter beim Elterntelefon versuchen aufzufangen. "Hier kann ein Elterntelefonberater schon sehr aktiv helfen und die Situation beruhigen", erklärt Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Frankfurt.

Weitere Informationen

Elterntelefon

Tel.: 0800 / 11 10 550
bundesweit, kostenlos, anonym

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"Wir wissen, dass Schütteln tödlich sein kann, wir wissen, dass es zu schwersten Behinderungen führen kann." Hier Eltern sehr konkret zu entlasten und Hilfe aufzuzeigen sei eine der Hauptaufgaben des Elterntelefons. Das besondere: Hilfesuchende Eltern können vollkommen anonym anrufen. Die extra geschulten Fachkräfte hören vor allen Dingen zu und nehmen den Druck aus der aktuell schwierigen Situation.

Erziehunsgberatung und Elternkurse

Oft brauchen Eltern aber mehr Hilfe als eine schnelle Krisenintervention. So finden Eltern Rat und Unterstützung bei kommunalen und konfessionellen Erziehungsberatungsstellen. In manchen Fällen helfen schon wenige Beratungsgespräche. In anderen Fällen bietet es sich an, einen Kurs "Starke Eltern – Starke Kinder" des Deutschen Kinderschutzbundes zu belegen. "Wir wollen nicht belehren und Ratschläge erteilen, sondern die Gruppe arbeitet an ihrer Haltung zur Erziehung. Es ist keine individuelle Beratung, die Sie auch in einer Erziehungsberatung stelle haben können", erklärt Stefan Schäfer vom Kinderschutzbund.

Krise als Chance

Das Programm "Familie im Mittelpunkt" (FiM) richtet sich direkt an Täter und deren Familien, wenn Misshandlung schon stattgefunden hat.  Es ist ist ein Kriseninterventionsprogramm des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes in Hanau, Frankfurt und Wetzlar. Der Ansatz hier: die Krise als Chance sehen. "Wir sind mit der Idee einer möglichen Veränderung mit den Familien beschäftigt", erklärt Elke Kahler von FiM. Das gelinge auch in der größten Anzahl der Fälle.

Nach einem akuten Vorfall von Kindesmisshandlung, der dem Jugendamt gemeldet wurde, gehen die Sozialpädagogen und Familientherapeuten von FiM innerhalb von 24 Stunden in die betroffene Familie. Dort arbeiten sie gemeinsam mit der Familie am Problem. Klar ist: Das Wohl des Kindes steht immer im Vordergrund. Durch die intensive Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Familie kann FiM eine sehr hohe Erfolgsquote von 80 Prozent aufweisen. "Schon im Erstkontakt ist Beruhigung wichtig. Also die Würdigung der aktuell schwierigen Situation und die Möglichkeit positiver Veränderung und familiärer Mitgestaltung. Es geht darum, den oftmals wahrgenommenen Druck zu reduzieren", so Elke Kahler. Denn der sei natürlich da, wenn eine Familie höre, die Kinder müssen möglicherweise raus oder das Gericht sei im Hintergrund. "Wir versuchen, wertschätzend und offen mit den Familien zu sein."

Gründe für Misshandlung ganzheitlich betrachten

Ganzheitlich auf die Familie schauen, auch auf sich selbst - mit diesem systemischen Ansatz schaut "Klarmann - Fachstelle gegen Gewalt" auf die Misshandlungssituation in einer Familie. "Das bedeutet, dass es immer Ereignisse von außen gibt, die zu zu solchen Taten führen oder eben auch Opferhaltung", erklärt Thorsten Kusber, Geschäftsführer von KlarMann. Mit den Tätern gemeinsam schauen die Therapeuten, warum sie sich aggressiv verhalten und gewalttätig gegen ihre Kinder werden.

Weitere Informationen

Hilfsangebote - Übersicht

  • Trauma-Ambulanz Frankfurt

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  • Babylotsen Frankfurt

Crespo Foundation
Kinderschutzbund

  • Frühe Hilfen für besonders belastete Familien / Gesundheitsamt Frankfurt

Frankfurt
Darmstadt
Kassel

  • Nationale Frühe Hilfen: Hilfe vor und direkt nach der Geburt

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  • Elternkurse: Starke Eltern, starke Kinder

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  • Erziehungsberatungsstellen: Findet man in jeder Kommune oder Kreis am besten übers Internet mit dem Stichwort "Erziehungsberatung"
  • Täterarbeit

Familie im Mittelpunkt
KlarMann - Fachstelle gegen Gewalt

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