Flüchtlingsbetreuerin Halima Gutale und zwei ihrer Schützlinge in Pfungstadt

Die Frage, wie gut Integration klappt, ist allgemein nicht zu beantworten. In Pfungstadt haben bislang nur wenige Flüchtlinge eine Arbeit gefunden. Aber viele sind zielstrebig, um in der Gesellschaft etwas zu erreichen.

Integration, ein großes Wort, das viele Fragen aufwirft. Eindeutige Antworten gibt es nur im Einzelfall. In den Pfungstädter Kitas und Schulen läuft Integration fast von allein - im Allgemeinen. Kinder integrieren sich spielerisch. Aber was ist mit den Eltern? Die Pfungstädter Flüchtlingsbetreuerin Halima Gutale sieht eine wichtige Entwicklung: Gab es anfangs Probleme, die Kurse zu füllen, hat sich die Lage jetzt gedreht.

"Vorher war: Wir hatten Lehrer, aber keine Schüler", sagt sie. "Da mussten wir hinterher sein. Wir hatten einen Haufen Männer, die Deutschkurs machen wollten, aber die Frauen durften nicht raus. Jetzt sind wir soweit, dass alle dürfen."

Pakistaner bleiben unter sich

Jetzt fehlen ehrenamtliche Lehrer. Der nächste Schritt ist schwieriger: an einen Job zu kommen. Nur wenige Flüchtlinge, die seit über zwei Jahren hier leben, sind beschäftigt. Es gibt den Syrer, der als Flüchtlingsbetreuer bei der Stadt angestellt ist, den Pakistaner, der Pizza ausfährt, und den Äthiopier, der mobilen Pflegedienst leistet. Aber die meisten Flüchtlingsfamilien brauchen noch Unterstützung im Alltag. Die gibt es durch einen regen Asylkreis.

Frithjof Linnemann betreut eine pakistanische Familie, versucht den Sohn zur Ausbildung zu motivieren. Ein ganz normaler Teenie, der noch nicht so recht weiß, wo es mit ihm hingehen soll in diesem neuen Leben. Die Familie wird in Pakistan verfolgt und ist ängstlich wegen des Mikrofons. Aber Linnemann zeigt mir das Privathaus, in dem sie mittlerweile wohnen, zusammen mit anderen pakistanischen Familien. "Sie sehen, alles aufgeräumt", sagt Linnemann, "die Tonnen richtig bestückt, es gibt keine Beschwerden, ganz ordentliche Leute." Aber leider, sagt Linnemann auch, gibt es keinen Kontakt zur Nachbarschaft. Die Pakistaner bleiben unter sich.

"Alle willkommen!"

Ein weiterer Helfer ist Dieter Peppel-Voss, er vermittelt Flüchtlinge in die Vereine. Aber auch da stößt er an Grenzen: "Wir wollen auch nicht die Vereine überlasten. Und dann musste ich letztes Jahr als Sportcoach sagen, ihr dürft nicht spielen."

Einer seiner Schützlinge, der junge Afghane Murtaza Hakeemi, durfte. Er lebt seit einem Jahr in Pfungstadt, ist sehr zielstrebig und will den Hauptschulabschluss schaffen. "Ich habe in Afghanistan gespielt, aber nicht in einer Mannschaft, nur mit Freunden auf der Straße", erzählt er. "Ich kann schießen, dribblen, und brauche Zeit. Ich muss mehr trainieren."

Apropos, Training – wenig später steht Hakeemi auf dem Spielfeld. Für den Trainer ist er einfach einer unter vielen Talenten. Und, wie klappt es mit der Integration? Der Trainer versteht die Frage gar nicht: "Wir haben ja hier mehrere Kulturen. Da gibt's die türkischen Spieler, die kroatischen, die italienischen. Alle willkommen. Entweder mit Allen oder mit keinem."

Hakeemi lächelt, spurtet aufs Feld. Sein Antragsverfahren läuft. Der Afghane weiß nicht, ob er in Deutland bleiben kann.

Hier geht es zur Serien-Übersicht: "Pfungstadt: Alltag mit Flüchtlingen".

Jetzt im Programm