Pfungstadt Flüchtlingsunterkunft

Der Bau von Flüchtlingsunterkünften war zu Beginn von Befürchtungen begleitet worden. Besonders die Menschen in der Nachbarschaft der sorgten sich um die Sicherheit. Wie steht es damit heute?

Unterwegs auf Streifenfahrt mit Ottmar Fritsch: Der Polizeiober-Kommissar ist in Pfungstadt zuständig für die Flüchtlingseinrichtungen. Im Vorbeifahren zeigt er mir die neuste Unterkunft. Das ehemalige Gasthaus "Goldene Kugel" wurde umgebaut. Auf den drei verwinkelten Etagen ist jetzt Platz für rund 100 Flüchtlinge. Die ersten sind gerade im Februar eingezogen. "Zwölf sind drin, das ist mein letzter Stand, aber das verändert sich jede Woche", sagt Fritsch. "Ich bin nur selten da, nur wenn die Stadt anruft. Aber das läuft     eigentlich ganz gut, so dass wir die Sache im Griff haben."

Aber manche Anwohner fühlen sich unsicher. Deutlich wurde das kürzlich beim Tag der offenen Tür in der neuen Unterkunft. In einem Gespräch unter Nachbarn: "Wenn ich mir überlege, hier kommen überwiegend jugendliche Männer ohne Familie und ohne Frauen. Irgendwann kriegen die doch mal Faxen im Kopf, kann mir keiner erzählen", sagt ein Pfungstädter. Und eine Pfungstädterin ergänzt: "Ich fühle mich nicht mehr sicher, wenn ich hier nach Hause komme im Dunkeln nebenan und hier meinen Müll rausbringe im Garten."

Zwischen Gefühl und Tatsachen

Im Rathaus von Pfungstadt nimmt man die Sorgen zwar ernst, Bürgermeister Patrick Koch sagt aber auch, dass die Fakten eigentlich wenig Grund zur Besorgnis geben. "Es gibt zwar Leute, die sagen, dass sie nachts nicht mehr auf die Straße gehen können", sagt Koch, "aber wenn ich mit der Polizei spreche, nach objektiven Zahlen frage, dann ist nicht das Geringste zu spüren. Insofern ist es halt immer das Problem zwischen dem, was die Leute fühlen, und dem was Tatsache ist."

Auf Streife mit der Polizei will ich genauer wissen, was Tatsache ist. Oliver Hess, Leiter der Polizeistation in Pfungstadt, sagt: "Es wäre vermessen zu sagen, da wäre niemand dabei, der Probleme macht. Aber für uns ist es nicht signifikant, dass sich irgendwas verändert hat, dass ich ein erhöhtes Risiko für den Pfungstädter Bürger rauslesen kann." Ich frage nach: Welche Fälle gab es denn? "Das fängt an im Kriminalitätsbereich mit Diebstählen, Schwarzfahren, die ein oder andere Körperverletzung", sagt Hess, "aber auch             zwischenmenschliche Konflikte in einer Beziehung, das der Nachbar zu laut ist, solche Sachen."

Zahl der Straftaten sinkt

Auch Ermittlungen wegen Drogen gab es schon in einer Asylbewerber-Unterkunft. Ein schweres Verbrechen wie etwa ein Tötungsdelikt oder sexuelle Übergriffe sind im Zusammenhang mit Flüchtlingen in Pfungstadt bislang nicht bekannt geworden. Die latente Angst in Teilen der Bevölkerung spürt aber auch Polizeichef Hess: "Das ist auch sehr viel medial. Die Leute bekommen mit, wenn irgendwo anders etwas passiert, und projizieren das auf ihr eigenes Umfeld. Es kann keiner garantieren, dass nichts passiert. Aber momentan ist es hier ruhig in Pfungstadt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das in nächster Zeit ändern wird."

Jedenfalls ist Pfungstadt durch Flüchtlinge keinesfalls krimineller geworden. Das zeigt auch der Blick auf die brandneue Kriminalstatistik der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg. Demnach gab es im vergangenen Jahr in Pfungstadt rund 60 Straftaten weniger als noch im Vorjahr.  Und das, obwohl sich die Zahl der Asylbewerber in der Stadt im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt hat.

Hier geht es zur Serien-Übersicht: "Pfungstadt: Alltag mit Flüchtlingen".

Jetzt im Programm